Thoriumreaktoren -Gefahr der globalen Bedrohung

 Gefahr globaler Bedrohung 

„Forschung unter dem Deckmantel Sicherheit“ 

Zu „Forschung an neuartigen Atomreaktoren?“ vom 18. November: 

Auf dem Gelände des KIT-Nord befinden sich zurzeit zwei millionenschwere Großbaustellen. Auf der einen baut die Kerntechnische Entsorgung Karlsruhe (KTE, eine Firma der Bundesrepublik Deutschland) derzeit ein neues Zwischenlager für Tausende von Fässern, gefüllt mit „mittelaktivem Atommüll“. 

Der Bau mit seinen bis zwei Meter dicken Stahlbetonwänden und Decken dient der Zwischenlagerung der strahlenden Abrissreste von „Altlasten“ auf dem Gelände des ehemaligen Kernforschungszentrums Karlsruhe (drei Kernreaktoren, Verglasungsanlage und die Wiederaufarbeitungsanlage Karlsruhe). Transparent gegenüber der Öffentlichkeit und den Umweltschutzverbänden geht der Rohbau dieses Zwischenlagers in die Endphase. 

Unter weitestgehender Geheimhaltung jedoch wird – nur einige hundert Meter entfernt – von der gleichen Baufirma der Neubau des „Flügels M“ des Joint Research Centre (JRC) der Europäischen Kommission errichtet. Früher gab es auf dem Gelände des KIT Nord das zum JRC gehörende Institut für Transurane (ITU). Die Europäische Kommission hat alle bisher in Europa verteilten Forschungseinrichtungen von Euratom nach Karlsruhe verlegt, so dass die Forschung und Entwicklung neuer Kernreaktoren – von Euratom finanziert – hier konzentriert mit dem ITU als Kerninstitut weiter verfolgt werden kann. 

Mit Genehmigung des Umweltministeriums Baden-Württemberg entsteht ein neues Lager- und Forschungsgebäude zur Unterstützung der Atomindustrie in Europa. 

Wir wissen, dass in dem (bisher unzureichend gesicherten) Lagergebäude des ITU bereits große Mengen an Plutonium, angereichertem Uran 235 und Thorium gelagert werden. Wir wissen auch, dass dort neue Atombrennstäbe gebaut und – nach einer Bestrahlung im Ausland – in Karlsruhe dann auf die Zusammensetzung der radioaktiven Substanzen untersucht werden. Wir kennen den Namen der Forschungsprojekte, darunter „Samofar“, in dem es um Thorium-Flüssigsalzreaktoren der vierten Generation geht. Da es dem JRC nach der Genehmigung untersagt ist, an neuen Reaktoren zu forschen, wird unter dem Deckmantel der „Sicherheitsforschung“ dennoch an diesem Reaktortyp und seinen Brennstoffen geforscht. 

Das „Karlsruher Bündnis gegen neue Generationen von Atomreaktoren“ will sich und die Öffentlichkeit kundig machen, was sich hinter diesem und anderen neuen Reaktortypen verbirgt. Wir hatten deshalb Dr. Rainer Moormann, einen profunden Kenner dieser schwierigen Materie, als ehemaligen Mitarbeiter an einem Thorium-Versuchsreaktor in der Kernforschungsanlage Jülich, zu dem Vortrag eingeladen. Sein Vortrag zeigte deutlich auf, dass diese Hochtemperatur-Flüssigsalzreaktoren eine einfache Möglichkeit bieten, bei der Atomstromgewinnung ohne Umwege kontinuierlich waffenfähiges Uran 233 „abzuzapfen“. 

Die Weitergabe (Proliferation) nicht nur von Atomwaffenwissen, sondern vor allem auch der mögliche Bau von Atombomben durch sogenannte Zwergstaaten kann durch diese Technologie zu einer globalen Bedrohung werden. Da diese Art von Reaktoren von den Befürwortern mit vielen Vorteilen gegenüber herkömmlichen Leichtwasser-Kernreaktoren beworben wird, entlarvte Referent Rainer Moormann kenntnisreich dies als „Verkaufspropaganda“. 

Wer sich genauer informieren will, kann sich die Folien des Vortrags auf der Homepage des BUND Karlsruhe ansehen (karlsruhe.bund.net). 

Harry Block 

Karlsruhe 

Dr. Dirk-M. Harmsen 

Karlsruhe 

 

Badische Neueste Nachrichten | Karlsruhe | AUS DER REGION | 23.11.2017 Seite 30 

Atomforschung am Karlsruher KIT: Januar 2017 Thorium – die halbe Wahrheit ist die größte Lüge oder der unerkannte Weg zu atomwaffenfähigem Uran-233

Atomforschung am Karlsruher KIT: Januar 2017

Thorium – die halbe Wahrheit ist die größte Lüge

oder der unerkannte Weg zu atomwaffenfähigem Uran-233

Teil 1

Trotz Energiewende und Zivilklausel wird in KIT-Nuklear-Instituten und am Institut für

Transurane (JRC-ITU) weitgehend unbemerkt an Technologien gearbeitet, die geeignet sind,

aus Thorium das waffenfähige Uran-233 herzustellen.

Dies geschieht unter anderem auf der Basis eines Projekts der Europäischen Union, das

mit Thorium betriebene Flüssigsalz-Atomkraftwerke weiterentwickeln und ihnen zum

Durchbruch verhelfen soll. Dieses Konzept wird von der EU auch mit dem Projekt

SAMOFAR vorangetrieben.

Auf Arte - TV wurde dazu kürzlich eine Art Thorium-Werbe-Film ausgestrahlt und zeitweise als

Aufmacher auf der SAMOFAR-EU-Homepage verlinkt [1] [1a]. Historisch ganz gut gemacht, auch

was die verschiedenen Reaktor-Entwicklungen und die zivil-militärische Verbindungen angeht, ist

der Film aber sehr unvollständig, einseitig und beschreibt nicht die Risiken, die mit dem Einsatz

von Thorium als flüssigem Nuklear-Brennstoff einhergehen. Wissenschaftler des JRC-ITU, das auf

dem Gelände des KIT-Nord angesiedelt ist, kommen mehrmals in diesem Film zu Wort.

Thorium [10] ist in der Erdkruste etwa viermal häufiger vorhanden als Uran, ist ebenfalls radioaktiv

und es existieren Vorkommen auf nahezu allen Kontinenten.

Der Hype um Thorium war in den letzten Jahren nur in Fachkreisen erkennbar, in Konferenzen,

wissenschaftlichen Artikeln und Vorträgen. Mit diesem Arte-Film wird die Debatte um Thorium nun

auf einseitige und desinformierende Weise in die Bevölkerung getragen, um offensichtlich

wegbereitend eine positive Stimmung gegenüber dieser neuen Atom-Technologie zu erzeugen.

Unter den nachfolgend beschriebenen Gesichtspunkten muß man sich allerdings fragen, ob nicht

die eigentliche Motivation, warum gerade Flüssigsalzreaktoren von EU-Seite bevorzugt gefördert

werden, eben nicht nur die „zivile“ Energiegewinnung ist, sondern das Interesse an

Atomwaffenmaterial.

Ein Artikel aus dem Jahr 2012 von Stephen Ashley und vier weiteren Nuklearwissenschaftlern

zeigt die Thorium-Risiken und die zwei Wege, um fast reines atomwaffenfähiges Uran 233 zu

erzeugen [ 2,  deutsch u. engl. ]:

Aus dem bestrahlten Thorium im flüssigen Brennstoff entsteht als Zwischenstufe Protactinium-

233, das in sehr reiner Form extrahiert werden kann und nach einer vierwöchigen Ruhephase zu

waffenfähigem Uran-233 zerfällt. Neben der Aufarbeitung mit Hilfe von Säuren ist eine

Gewinnungsmöglichkeit dazu die „reduktive Extraktion in flüssigem Bismuth“ (= “Liquid bismuth

reductive extraction“, grauer Kasten am Ende des Ashley-Artikels).

Beide Verfahren sind laut Ashley u. Kollegen mit Standard-Kernforschungsausrüstung in Heißen

Zellen durchführbar und ein solches Equipment unterliegt nicht zwingend der Beaufsichtigung

durch die Atomorganisation IAEO. Das bedeutet, daß das Weiterverbreitungsrisiko (Proliferation)

enorm steigt.

Dieses Prinzip wird nun offensichtlich mit dem EU-SAMOFAR-Reaktorkonzept kombiniert und

damit entsteht ein nie dagewesenes Atom-Reaktorsystem von höchster Brisanz:

Flüssigsalzreaktoren gehören zur geplanten vierten Generation von Atomkraftwerken und

können v. a. in der Variante mit zwei Brennstoff-Kreisläufen („Two Fluid“) mit einer direkt

angeschlossenen, quasi integrierten Wiederaufarbeitung des verbrauchten flüssigen

Atombrennstoffs betrieben werden. Im Brutbetrieb mit Thorium könnte das daraus

extrahierte Uran-233 auch prinzipiell kontinuierlich abgezweigt werden, z.B. für Atomwaffen.

Dieses Reaktorsystem ist auch besonders für Kleine Modulare Reaktoren (SMR) geeignet,

die in großer Serien-Stückzahl in Fabriken gefertigt werden können.

Mit der Realisierung dieses Reaktorkonzepts ist eine Trennung von militärischer und ziviler

Nutzung und eine Kontrolle über die Mengen an damit erzeugtem atomwaffenfähigem Uran-

233 nicht mehr möglich.

-1-

Die bisherigen Erfahrungen mit Thorium beruhen auf der Verwendung als Festbrennstoff in

Atomkraftwerken, in Form von Brennstäben oder als Kugelhaufenreaktor. Das vorgeschobene

Argument von der weitgehenden Proliferationssicherheit von Waffenmaterial aus Thorium beruht

nur auf dieser Festbrennstoff-Variante, denn die Abtrennung von relativ reinem Uran- 233 ist

daraus viel schwieriger, als bei zirkulierendem Flüssigbrennstoff. Bei Flüssigsalzreaktoren ist durch

die integrierte Wiederaufarbeitung die Proliferationsgefahr aber gerade sehr hoch, denn Uran-233

läßt sich im Brutbetrieb quasi kontinuierlich gewinnen. Daher ist dieser Reaktortyp auch vor allem

für die Staaten interessant, die Atomwaffen herstellen wollen, denn es wird auch keine der bisher

bei nuklearen Festbrennstoffen üblichen sehr großen, separaten Wiederaufarbeitungsanlagen

mehr gebraucht. Gegenüber der Öffentlichkeit werden aber diese Zusammenhänge überhaupt

nicht kommuniziert, obwohl die Forschungen dazu – auch SAMOFAR - aus Steuermitteln bezahlt

werden. Hier existieren massive Transparenz- und Demokratiedefizite...

Der frühere Leiter des (Kern-) Forschungszentrums (1991-2006) Prof. Manfred Popp, initiierte und

betrieb mit anderen die Zusammenlegung der Universität Karlsruhe und des (Kern-)

Forschungszentrums zum heutigen KIT Karlsruhe [25], das ab 2009 offiziell firmierte. Popp war

Anfang der 1970er Jahre für zwei Jahre Gastwissenschaftler am israelischen Weizmann-Institut,

zwischen 1976 und 1987 war er im Bundesministerium für Forschung und Technologie im Rahmen

der Energieforschung [26] verantwortlich für die Finanzierung des Thorium-Kugelhaufenreaktors

THTR-300. Ursprünglich war mit diesem Reaktortyp die Absicht verbunden, einen thermischen

Thoriumbrüter zu entwickeln. Aufgrund der vielen technischen und sicherheitstechnischen

Probleme und Störfälle wurde der THTR-300 allerdings 1986 stillgelegt, Wikipedia bezeichnet ihn

als das „teuerste technische Debakel im Nachkriegsdeutschland“ [27] .

„Es gelang den Kugelhaufenbefürwortern ab 1988, das Know-how nach Südafrika und China zu

transferieren – trotz damals geltender Embargos gegen diese Länder. In Südafrika war

ursprünglich ein kleiner Kugelhaufenreaktor (500 kW) für militärische Zwecke (Atom-U-Boot)

geplant, was in Zusammenhang mit den Atomwaffen der Apartheidregierung zu sehen ist.“ [27]

Wer wurde für diesen „Wissenstransfer“ zur Verantwortung gezogen ?

Am KIT forschen heute mehrere Nuklear-Institute an der vierten Generation von Atomkraftwerken,

die Bezeichnung wird auf den aktuellen Homepages aber weitgehend vermieden, es wird

stattdessen verschleiernd von „innovativen“, „fortgeschrittenen“, zukünftigen“, und „neuen“

Reaktorsystemen oder „Anlagen“ gesprochen.

Die Arbeiten am KIT dazu beziehen sich auf Reaktor- und Brennstoffentwicklung,

Computersimulationen sowie Materialwissenschaften.

(Eine unvollständige Auswahl dieser KIT- Institute und deren Forschungen ist in Teil 2

untenstehend beschrieben.)

EU-Projekt SAMOFAR, Institut für Transurane (JRC-ITU) und KALLA

Das ITU (angesiedelt am KIT-Nord und dort umgeben von KIT-Nuklear-Instituten), ist ein Nuklear-

Forschungsinstitut der europäischen Kommission und untersucht u.a. atomare Brennstoffe

verschiedenster Art im Auftrag der assoziierten Mitglieder. Es wird jetzt in der Atomforschung

deutlich gestärkt, die EU bündelt nun dort die europäische Atomforschung [ 3 ] . Zudem verfügt das

JRC-ITU u.a. über die Umgangsgenehmigung für 180 kg Plutonium, 450 kg Thorium und 50 kg

atomwaffenfähiges Uran-233 [ 23 ], sie können aber für diese großen Mengen keine schlüssige

Erklärung abgeben. Für ihre Arbeit als „Atomdetektive“ würden kleine Referenzmengen im Gramm-

Bereich ausreichen..... Alles nur Zufall ?

Die Forschungen zum EU-Flüssigsalzreaktor-Projekt SAMOFAR sind in „Arbeitspaketen“ (= work

packages) auf elf Konsortiumpartner verteilt, darunter die französischen Staatskonzerne AREVA

und EDF, das Paul-Scherer-Institut (PSI, Schweiz), das KIT und das JRC-ITU. [ 4a ] [ 4b ]

KIT und EDF werden dabei die Arbeiten zur numerischen Simulation des Fließverhaltens des

flüssigen Salzes zugeteilt: „KIT and EDF will use the SIMMER code for the simulation of salt

draining transients“

Dem ITU dagegen wird offenbar genau die oben von Ashley beschriebene „reduktive Extraktion“

aus flüssigem Bismuth zugeteilt, also die Uran-233-Gewinnung aus Thorium. “...to demonstrate

the proof of concept of the reductive extraction process between the Li-ThF4/Bi-Li.“ [ 4a ]

-2-

Dies könnte am Flüssigmetall-Labor KALLA am KIT-Nord optimiert und durchgeführt werden, denn

das ITU besitzt nach bisherigen Informationen nicht die dafür benötigten Flüssigmetalltechnologien

.

Das KALLA-Labor, das zum KIT-IKET gehört, verfügt nach Eigenauskunft über europaweit

einzigartige Anlagen für Experimente und arbeitet auch an „innovativen“ Reaktorkonzepten [ 5 ]. Es

hat laut Homepage mehrere Flüssigmetallkreisl.ufe, auch im Maßstab 1:1, für die unter anderem

Bismuth, Natrium und Blei genutzt werden.

Wurde die oben genannte „Reduktive Extraktion in flüssigem Bismuth“, die Ashley beschreibt, am

KALLA-Labor bereits durchgeführt, evtl. im Auftrag des ITU, oder ist dies geplant?

Das hochreaktive flüssige Natrium wird auch als Kühlmittel für Schnelle Brüter [ 22 ] eingesetzt,

dadurch können Dampftemperaturen von 490°C erreicht werden. (Konventionelle AKWs ca.

280°C).

Generell dienen Brutreaktoren zur Energiegewinnung mit gleichzeitiger Erzeugung weiteren

spaltbaren Materials, z.B. auch Plutonium aus Uran-238. (Am früheren Kernforschungszentrum,

heute KIT-Nord, war der natriumgekühlte Schnelle Brüter KNK2 von 1977-1991 in Betrieb.)

Kürzlich hat Russland den Schnellen Brüter BN-800 in Betrieb genommen, und innerhalb des

internationalen Forschungsverbundes GIF sind verschiedene Brutreaktoren der vierten Generation

in Betrieb, Bau oder Planung.

Da blei- und natriumgekühlte Kreisläufe für Schnelle Brüter und Transmutations-Reaktoren der IV.

Generation (die beide auch für Thorium geeignet sind) offensichtlich von großer Bedeutung sind,

steht deutlich die Frage im Raum, ob das KALLA-Labor mit seinen Arbeitsmedien Natrium und Blei

und seinen „innovativen Reaktorkonzepten“ an dieser Entwicklung beteiligt ist.

Das KALLA-Labor könnte also offensichtlich für mindestens drei experimentelle Linien dienen:

1. Flüssigmetallkühlung für Reaktoren mit nuklearen Festbrennstoffen („1:1-Modellversuche

für die Stabbündelkühlung mit Blei-Bismuth“)

2. Flüssige nukleare Brennstoffe wie für Flüssigsalzreaktoren, evtl. auch in zwei getrennten

Kreisläufen wie bei „Two Fluid MSR“

3. Uran-233-Gewinnung aus bestrahltem Thorium über die Zwischenstufe Protactinium-233.

(„Liquid bismuth reductive extraction“), unter Einbeziehung von flüssigem Bismuth, Lithium

und Thorium.

Der erste Punkt wird praktiziert und entstammt ihrer eigenen Homepage, dieses Prinzip kann auch

für U-Boot-Reaktoren genutzt werden. Die beiden anderen Punkte sind aus den genannten

Gründen mehr als naheliegend. Ob sie bereits angewandt werden, oder möglicherweise in

Planung sind, kann zur Zeit nicht beantwortet werden.

Wenn diese fraglichen Punkte umgesetzt werden sollten, wird damit Vorschub geleistet, den

Atomwaffensperrvertrag und das Kriegswaffenkontrollgesetz zu hintertreiben. Denn:

Wer kontrolliert, welche Gastwissenschaftler Zugang zu diesen Entwicklungen bekommen und was

sie in ihren jeweiligen Heimatländern mit diesen höchst sensiblen Kenntnissen machen oder

weitergeben?

Wer trägt die Verantwortung, wenn wie oben beschrieben, mit „standardisierter

Kernforschungsausrüstung“, mit relativ kleinen Brutreaktoren und quasi integrierter

Wiederaufarbeitung des atomaren Flüssigbrennstoffs atomwaffenfähiges Uran-233 hergestellt

werden kann? Und das, wie von Ashley u. Kollegen beschrieben, unter der offensichtlich

möglichen Umgehung der IAEO-Genehmigungspflicht?

Wer kontrolliert, was generell mit möglichen Patenten und Lizenzen dieser Art geschieht, wenn die

nur profitorientierte Atomwirtschaft darauf Zugriff erhält?

Wer denkt an das damit einhergehende potenzierte zusätzliche Terror-oder auch Hacker-Risiko?

Dies betrifft besonders auch in Serie gefertigte Kleine Modulare Atom-Reaktoren, die - komplett

montiert auf Schienen, Lkws oder Panzerfahrzeugen - mobil sind und relativ einfach zu verstecken

sind, andererseits aber auch gekidnappt werden können.

Wenn dieser „Geist“ erst einmal aus der „Flasche“ und in der Welt ist, wird er sich nie mehr

zurückholen lassen...

-3-

IAEO, WHO und Bill Gates

Wer nun allerdings auf die echte, unabhängige Unterstützung der internationalen Atomorganisation

IAEO hofft, liegt völlig falsch, denn die IAEO ist Teil des Problems: Sie wurde 1957 als

Organisation zur Verbreitung der zivilen Nutzung Atomenergie gegründet und dies ist immer noch

ein zentraler Bestandteil ihrer Tätigkeiten. Die IAEO gilt als Lobby der Atomkonzerne, die kein

Interesse an negativen Schlagzeilen und demzufolge auch nicht an Aufklärung hat. Es besteht z.B.

seit 1959 ein Knebelvertrag mit der Weltgesundheitsorganisation WHO, der der WHO keine

Äußerungen bezüglich gesundheitlicher Auswirkungen von Radioaktivität erlaubt, ohne sich vorher

mit der IAEO abzustimmen. Das bedeutet, dass Einflußmöglichkeiten und Deutungshoheit der

IAEO quasi vertraglich festgeschrieben sind...

Berichten zufolge verfügt zudem die WHO – als Hüterin über das gesundheitliche Wohlergehen

aller Menschen – über keine eigene Kompetenz in der Erforschung der Radioaktivität mehr: Die

Abteilung für Strahlenbiologie wurde 2009 geschlossen. [24]

Zudem kommen 11% des Gesamtbudgets der WHO aus der Bill und Melinda Gates Stiftung ,

(BMGF), keine Regierung der Welt zahlt soviel an die WHO wie diese Stiftung [ 28 ].

Des weiteren investierte Gates in die private US-Firma „TerraPower“, die unter anderem an der

Kommerzialisierung der Mini-Atom-Reaktoren (SMR) arbeitet: „Angedacht sind auch Versionen,

die theoretisch sogar in einen Schiffscontainer passen. … Im Kern ist die Technologie bereits

vorhanden. Die Modul-Reaktoren würden nämlich jenen nachempfunden, mit deren Hilfe Atom-UBoote

angetrieben werden“ [29]. „Terra Power“ arbeitet auch an natriumgekühlten Plutonium-,

Reaktorkonzepten (Travelling Wave Reaktor, TWR); seit Ende 2015 erforscht die Firma auch

Flüssigsalz- und thoriumbetriebene Varianten. [31]

Die IAEO wirbt massiv in Schwellen- und Entwicklungsländern um atomare Neueinsteigerstaaten

und stattet sie mit Schulungsprogrammen und Lizenzen zum Kernenergieeinstieg aus [ 6 ].

Darunter sind auch Staaten in Krisenregionen und mit teilweise massiven Demokratiedefiziten und

Terrorgefahren. Des weiteren etablierte die IAEO kürzlich eine Plattform zur internationalen

Zusammenarbeit bei Flüssigsalz-Reaktoren [ 7 ] und forciert die Entwicklung der vierten

Generation [ 15 ], sowie von Kleinen Modularen Reaktoren (SMR). [ 8 ] [ 14 ]

Es ist gerade auch vor dem Hintergrund der massiven IAEO-Unterstützung für Flüssigsalz-

Reaktoren und damit der integrierten und vereinfachten Gewinnung von atomwaffenfähigem Uran-

233 nicht mehr hinnehmbar, dass ausgerechnet die IAEO auch noch selbst die Einhaltung des

Atomwaffensperrvertrages kontrolliert. [ 13 ]

Diese zutiefst widersprüchlichen Interessenskonflikte können nur aufgelöst werden, indem eine

von Atom-Lobby-Interessen wirklich unabhängige Kontrollbehörde ihre Arbeit aufnimmt.

Wissenschaftskommunikation

Sowohl zur Gates-Firma „Terra Power“ („Laufwellenreaktor: Technologische Entwicklung und

Verwendung“), als auch zu Flüssigsalzreaktoren im Rahmen von SAMOFAR fanden am KITInstitut

IKET bereits Veranstaltungen statt [ 30 ].

In der deutschen „Spektrum der Wissenschaft“ -Übersetzung des Ashley-Artikels fehlt übrigens der

absolut entscheidende letzte Teil im grauen Kasten des englischen Originals: Die Beschreibung

der „Reduktiven Extraktion“ von Uran 233 aus Thorium über den Zwischenschritt Protactinium. Es

ist genau der Teil des SAMOFAR-Arbeitspaketes, der dem ITU zugeteilt wurde, und für den das

KIT-KALLA-Labor die benötigten Flüssigmetallkreisl.ufe hat... Eine weitere folgenreiche

Halbwahrheit, denn so wird die offensichtliche Bedeutung von KALLA und ITU für die vierte

Generation und die naheliegende Verbindung von ziviler und militärischer Nutzung nicht so leicht

erkannt. Rein zufälligerweise war der Chefredakteur von „Spektrum der Wissenschaft“ zu dieser

Zeit gleichzeitig Leiter des KIT-NaWik (Nationales Institut für Wissenschaftskommunikation) und ist

heute in dessen Aufsichtsrat. Er ist außerdem tätig als Professor für Wissenschafts-kommunikation

und Wissenschaftsforschung am KIT. (Welches Licht fällt dadurch zudem auf die Qualität der

Studierendenausbildung, noch dazu mit dem Anspruch „national“ zu sein?)

Die Kommunikation des KIT war und ist gerade im atomaren Bereich geprägt von strategischambivalenten

Formulierungen, Halbwahrheiten und dem Weglassen relevantester Fakten.

Wahlweise wird offiziell mit den Umschreibungen „Grundlagen“- und „Sicherheitsforschung“,

-4-

„Unfall-Analysen“, „Innovation“ ect. operiert. Dadurch entsteht ein unvollständiges Bild des

Sachverhalts mit manipulativer Wirkung. Öffentlichkeit und Politik werden somit hinters Licht

geführt.

Sehr praktisch ist ein Vorgehen dieser Art natürlich auch bei Evaluierungen der essentiellen

Nuklear-Anlagen und so durfte selbst der als Thorium-Übervater bekannte Carlo Rubbia vor einem

Jahr die angeblichen Vorzüge des KALLA – Labors beim Methan Cracking preisen [ 9 ] .

Die europaweit einzigartige Bedeutung von KALLA für die Atomforschung wurde auch von der KITPresseabteilung

mit keinem Wort erwähnt.

Offensichtlich sollten auch hier keine schlafenden Hunde geweckt werden.

Zivil-militärische Durchlässigkeit

In Großbritannien und darüberhinaus befaßt sich zur Zeit die Öffentlichkeit mit der Frage, woher

das starke Engagement der Politik für Atomkraft herrührt. Dort soll von EDF unter chinesischer

Beteiligung das energiepolitisch höchst problematische AKW Hinkley Point entstehen, die

Regierung garantiert über 35 Jahre hinweg einen Strompreis daraus, der fast dreimal so hoch ist,

wie derzeit dieselbe Einheit an europäischen Strombörsen.

Ein Bericht der Universität Sussex [ 11 ] legt nahe, dass es bei diesem ersten neuen Atomkraftwerk

seit über 20 Jahren nur nebenbei um die Stromversorgung geht. Tatsächlich sei Hinkley Point ein

militärisches Projekt, das für die Erneuerung der Atom-U-Bootflotte Trident wichtig ist.

Den Berichten zufolge wurden das militärische und das zivile Programm bislang weitgehend

isoliert voneinander entwickelt, doch dazu fehlten mittlerweile die Ressourcen.

„Ein Dokument aus dem britischen Verteidigungsministerium zieht sogar offen die Möglichkeit in

Betracht, manche Kosten der atomaren U-Boot-Kapazitäten zu „maskieren“, indem man sie hinter

den Kosten für die zivile Atomkraft verbirgt... Es stellen sich ernste Fragen nach der Transparenz

und Verantwortlichkeit bei der Entscheidungsfindung“. [ 12 ]

Parallelen zu dieser Strategie lassen sich auch am Arte-Thorium-Film, SAMOFAR, KIT, ITU u.a.

erkennen... Offensichtlich soll auch dort der Eindruck erweckt werden, es ginge bei Thorium um

Energie...

Gerade die „Sicherheitsforschung“ ist aber das Zauberwort, mit dem offenbar auch jede

Atomforschung am KIT an der vierten Generation legitimiert werden kann. Das sie zugleich eine

militärtechnische und ökonomische Verwertung auch im internationalen Rahmen der neu

entwickelten Reaktoren überhaupt erst ermöglicht, ist eine weitere der offenbar gezielt-strategisch

eingebauten Ambivalenzen.

Es wird deshalb allerhöchste Zeit, die Machenschaften hinter den Kulissen zu beleuchten und die

Dinge beim wahren Namen zu nennen.

Die Glaubwürdigkeit der Wissenschaft lebt von der ehrlichen, vollständigen Offenlegung beider

Seiten einer Medaille. Das bedeutet, alle Risiken und Probleme eines Sachverhalts müssen

genauso schonungslos, eindeutig und vollständig benannt werden, wie die erhofften Vorteile und

zwar nach dem neuesten Kenntnisstand.

Was folgt daraus?

Bisher äußerten sich vom KIT weder die Ethik-Kommission noch Juristen öffentlich zu all diesen

enormen Problemfeldern und Gefahren. Verdrängen, Totschweigen oder Laufenlassen können

aber darauf keine Antwort sein. Die bisher bundesweit beispiellos weitreichende Autonomie des

KIT verliert angesichts der oben beschriebenen Situation jede Legitimation.

Autonomie – weitreichende Selbstkontrolle – wem nützt die derzeit praktizierte Definition und

Auslegung am KIT eigentlich? Mit der „Freiheit der Wissenschaft“ und dem Versuch, das Dogma

der individuellen Verantwortung des einzelnen Wissenschaftlers angesichts dieser enormen

Risiken als ausreichend zu installieren, kann niemand - keine Institution und kein Staat - der

Dimension dieser Gefahren gerecht werden... Fragwürdige, korrupte, geltungssüchtige Charaktere

gibt es auch unter Wissenschaftlern und es kann niemals ausreichen, hier die „individuelle

Verantwortung des einzelnen Wissenschaftlers“ als Legitimation für ethisch-juristische Grauzonen

hochzuhalten.

(Im medizinischen Bereich ist die Wissenschaftsfreiheit ja auch völlig zu recht eingeschränkt:

Menschenversuche sind verboten.) Die derzeitige KIT-Praxis ist offensichtlich eine gewünschte

-5-

Möglichkeit, juristische Konsequenzen oder Haftungsfragen wenn nötig, auf Einzelpersonen

abzuwälzen...

Die Zusammenlegung der Universität Karlsruhe mit dem (Kern-)Forschungszentrum zum KIT

diente bei genauer Betrachtung offenbar hauptsächlich dem Zweck, die Atomforschung zu stärken

[25] und eine daran anschließende (militärisch-) industrielle Verwertbarkeit zu ermöglichen.

Terror- und Hackerangriffe mit oder auf kleine modulare Atomreaktoren? Nahezu unkontrollierbare

Uran-233- Gewinnung im Kleinformat mit Nuklear-Standardausrüstung [14] ? Ob dies in naher

Zukunft weltweit einmal möglich sein wird – die Weichen dazu werden jetzt gestellt, denn

Forschung und Entwicklung laufen bereits, auch am KIT und am Karlsruher JRC - ITU.

Es ist daher ebenfalls an der Zeit, über die Trennung des KIT, also der Universität vom früheren

(Kern-)Forschungszentrum, intensiv nachzudenken. Damit aus Wissenschaftlern keine

instrumentalisierten Werkzeuge einer militärtechnisch-dominierten Forschungsindustrie werden.

Alle verantwortlich denkenden Menschen sind daher hiermit dazu aufgerufen, nach ihren

jeweiligen Fähigkeiten und Talenten Licht in dieses Gespinst zu bringen – ein offensichtlich

strategisch gewolltes und interessengeleitetes Gespinst, in dem man es mit der Wahrheit längst

nicht mehr genau nimmt und damit den Weg zu Lügen und Katastrophen ebnet.

Denn es gilt damals wie heute der Satz von Tucholsky:

„Alle Kriegsherren haben einen gemeinsamen Feind: Die Wahrheit“

Teil 2:

a) GIF und Prinzip der Flüssigsalzreaktoren

b) Beschreibung einiger Nuklear-Institute des KIT-Nord mit deren Tätigkeitsfeldern in Bezug

auf die vierte Generation und möglicher Flüssigsalzreaktor-Technologie

c) Offene technische und juristische Fragen

a) GIF

GIF ist ein internationaler Forschungsverbund (=Generation IV International Forum), der zur

gemeinsamen Erforschung und Entwicklung der vierten Generation Kernkraftwerke gegründet

wurde, dazu gehören auch Flüssigsalzreaktoren, die als eine von sechs Reaktorbaureihen

bevorzugt entwickelt werden sollen. Prinzipiell gehören auch Kleine Modulare Reaktoren (=SMR)

zur vierten Generation.

Prinzip der Flüssigsalzreaktoren

Sie können als „Brutreaktor“ betrieben werden, mit einem oder zwei Kreisläufen (MSR oder Two

Fluid MSR).

Im „Two Fluid MSR“ zirkulieren zwei verschiedene Flüssigsalz-Mischungen in getrennten

Behältern. Von beiden Salzmischungen wird kontinuierlich ein Teil in einer an den Reaktor

angeschlossenen Anlage aufgearbeitet. Aus dem aktiven Kern werden Spaltprodukte entfernt, aus

dem Umhüllungssalz wird erbrüteter Kernbrennstoff, z.B. Uran-233, extrahiert und dem aktiven

Kern zugeführt. [ 16 ]

Das bedeutet, das dieser Reaktortyp über eine Art integrierte Wiederaufarbeitung verfügt.

Im Brutbetrieb könnte das extrahierte Uran-233 auch prinzipiell abgezweigt werden, z.B. für

Atomwaffen.

Des weiteren ... entsteht beim Two Fluid MSR die Zwischenstufe Protactinium-233 im

Umhüllungssalz, .... dadurch sind auch relativ kleine Brutreaktoren möglich.

Der vom Oak Ridge National Laboratory (ORNL) vorgestellte Entwurf eines TWO Fluid MSR sah

einen Verbund von vier relativ kleinen Reaktoreinheiten von jeweils ca. 3m Durchmesser und ca.

6m Länge vor, die pro Einheit ca. 250 MW leisten sollen.....[ 16 ]

Am KIT-Nord fanden in den letzten zwei Jahren bereits Kolloquien und Seminare mit Vortragenden

des ORNL statt und zwar zu Reaktortechnik und Flüssigsalzreaktoren.

Auch das Konzept des beschleunigergetriebenen Rubbiatron-Reaktors (nach Carlo Rubbia) basiert

auf Thorium, es wird auch für die Transmutation herangezogen.

-6-

b) Nuklear-Institute des KIT-Nord:

Institut für Kern- und Energietechnik (IKET) [17] : U.a. numerische Simulationen für

Brennstoffzyklen

Angeschlossen an das IKET ist die AREVA-Nuklear-Schule ANPS mit Lehrvorträgen zu

Reaktortechnik, numerischen Simulationen u. Brennstoffentwicklung [18], sowie das Flüssigmetall-

Labor KALLA.

Institut für Neutronenphysik und Reaktortechnik (INR) [19] , u.a. „Strömungssimulation eines

bleigekühlten Kernreaktors“, „Methodenentwicklung für innovative Reaktorsysteme“

Institut für Fusionstechnologie und Reaktortechnik (IFRT) [20], der Leiter des Bereichs

„Innovative Reaktorsysteme, INS“ ist Prof. Xu Cheng. Experimentelle Untersuchungen sowie

numerische Simulationen „fortgeschrittener und innovativer Reaktorsysteme“ werden

durchgeführt.

Institut für Angewandte Materialien (IAM) [21]

Ein Schlüsselbereich auch für die vierte AKW-Generation sind gerade die Materialwissenschaften,

da um die oben beschriebenen chemisch-physikalischen Abläufe über den Labormaßstab hinaus

jahrzehntelang „sicher“ betreiben zu können, extrem korrosions- und hitzebeständige Stähle und

Keramiken entwickelt werden müssen. Außerdem erreicht Thorium seine „erwünschten“

Eigenschaften erst bei deutlich höheren Betriebstemperaturen als bei bisherigen Atomkraftwerken

üblich. Dies belastet wiederum zusätzlich die eingesetzten Materialien...

Des weiteren gehören zum IAM ein Brennstabsimulator und Untersuchungen an Zirkoniumhüllrohrlegierungen.

Die Bezüge zur vierten Generation werden am IAM kaum genannt, sind aber

aufgrund der Bedeutung der Materialwissenschaften dafür mehr als naheliegend.

c) Offene technische und juristische Fragen:

1. Welche genauen Voraussetzungen werden für das chemische Protactinium-233-

Extraktionsverfahren „Acid-media techniques“ benötigt? (beschrieben im grauen Kasten

des Ashley-Artikels). Wäre so etwas prinzipiell z.B. im INR (Institut für Neutronenphysik und

Reaktortechnik) des KIT-Nord möglich?

2. Die Zellengrößen aller Heißen Zellen am KIT-Nord (Institut für Transurane und alle

Nuklear-Institute des KIT) mü.ten auf folgenden Umstand geprüft werden: Welche Heißen

Zellen unterliegen aufgrund Ihrer evtl. einen Grenzwert der IAEO unterschreitenden Größe

nicht der Genehmigungspflicht durch die IAEO, wie im Ashley-Artikel beschrieben? Wie

genau ist dieser Größen-Grenzwert zur Genehmigungspflicht definiert und wer

gewährleistet die Einhaltung? Könnte hier evtl. eine Grauzone ausgenutzt werden, um z.B.

die Thorium-Protactinium-Uran233-Umwandlung ohne ausreichende Kontrolle

voranzutreiben? Diese Fragen gelten sowohl für die bereits im Bestand vorhandenen

Heißen Zellen, ebenso wie für die geplanten Neubauten.

3. Das KALLA-Labor, das zum KIT-IKET gehört, hat laut Homepage mehrere

Flüssigmetallkreisl.ufe, auch im Maßstab 1:1. Darin zirkulieren die Arbeitsmedien Blei,

Blei-Bismuth, Natrium und Indium-Gallium-Zinn.

a) Werden damit auch Versuche mit flüssigem Atom-Brennstoff durchgeführt, oder ist dies

geplant?

b) Werden auch andere Arbeitsmedien eingesetzt, evtl. mit Beimischung von atomarem

Brennstoff, oder ist dies geplant?

c) Werden Experimente zum Liquid-Fluorid-Thorium-Reaktor (LFTR) oder anderen

Flüssigsalzreaktoren durchgeführt, oder ist dies geplant?

d) Werden am KALLA-Labor Versuche durchgeführt, bei denen zwei Kreisläufe im Sinne

eines Two Fluid Flüssigsalzreaktors (Two Fluid MSR) kombiniert werden, oder ist dies

geplant?

e) Werden dort Versuche zu natrium-gekühlten Reaktoren durchgeführt oder ist dies

geplant?

-7-

4. Wurde die „Reduktive Extraktion in flüssigem Wismut“ des Ashley-Textes zur Protactinium-

233 und dann Uran-233-Gewinnung bereits durchgeführt oder ist dies geplant?

5. Welche der folgenden externen Strahlenquellen wären geeignet, um Thorium so zu

bestrahlen, daß das Zwischenprodukt Protactinium 233 entsteht, das dann zu Uran-233

zerfällt?

a) Large Hydron Collider (LHC) am CERN

b) Synchrotronstrahlenquelle ANKA am KIT-Nord

c) in Belgien geplanter multidisziplinärer Forschungsreaktor MYRRHA, hierfür ist ein

externer Beschleuniger vorgesehen (ADS)?

d) In Caen, Frankreich, findet sich die weltweit größte Forschungseinrichtung im Bereich

Kernphysik. Dort befinden sich der Schwerionenbeschleuniger GANIL, sowie der neue

Teilchenbeschleuniger „SPIRAL2“. Dieser wird die Erzeugung von schwierigeren und

protonreicheren Kernen durch zehnmal intensivere Strahlen als die heute

leistungsstärksten Beschleuniger ermöglichen.

e) In Deutschland sind zur Zeit drei Forschungsreaktoren in Betrieb:

BER II in Berlin, der Forschungsreaktor München II in Garching sowie der

Forschungsreaktor Mainz. Darüberhinaus unterhält das GSI Helmholtzzentrum für

Schwerionenforschung in Darmstadt drei Beschleuniger-Anlagen. Kann mit diesen

Strahlenquellen Protactinium aus Thorium erzeugt werden? Können am 2016 am GSI

eingeweihten Hochleistungsrechenzentrum „Green IT Cube“ numerische Simulationen

dazu durchgeführt werden?

6. Rechtsfragen:

a) Bestehen Kooperationen zwischen dem ITU und Nuklear-Instituten des KIT-Nord,

insbesondere zu Technologien für die vierte Generation, evtl. auch auf Mietbasis für

Anlagen des KIT? Wenn ja, auf welcher rechtlichen Basis geschieht dies? Für das KITNord

besteht eine gültige Zivilklausel und Deutschland hat den Atomausstieg beschlossen.

b) Wie sieht es mit der mengenmäßigen Dokumentations-, Nachweis- und

Publikationspflicht bei der möglichen Umwandlung von Thorium in Uran-233 aus?

c) Wer bekommt Einsicht und kontrolliert nach welchen Kriterien dieses offenbar von

interessierten Kreisen angestrebte technische und juristische Neuland und

d) Wer trägt die Verantwortung bei möglichen Unfällen und Terroranschlägen?

e) Wer kontrolliert wirklich unabhängig Patente, Lizenzen, und den offenbar jederzeit

möglichen Wissenstransfer von (Gast-) Wissenschaftlern, die mit dem gesamten Thorium-

U-233-Prozeß in Verbindung stehen können, auf eine möglicherweise daraus folgende

Verletzung des Atomwaffensperrvertrags oder des Kriegswaffenkontrollgesetzes?

Dieselben Fragen bestehen für den Bereich der Schnellen-Brüter-Technologie und

möglicher Plutonium-Gewinnung.

f) Wie ist die rechtliche Situation, wenn Staaten, die nicht zum Assoziierungsabkommen

des ITU gehören, über „befreundete“ Staaten Nuklearbrennstoff- oder Materialproben zur

Untersuchung einreichen?

Quellen:

[ 1 ] www.samofar.eu

-8-

[1a] Arte- Film „Thorium, Atomkraft ohne Risiko?“ von Myriam Tonelotto, mittlerweile auf youtube,

https://www.youtube.com/watch?v=i8KEMg-6qbc

[ 2 ] Thorium-Artikel Ashley dt. Übersetzung „Kernwaffennutzung: Die vergessene Gefahr des

Thoriums“ in „Spektrum der Wissenschaft“, Dezember 2012

www.spektrum.de/news/die-vergessene-gefahr-des-thoriums/1173175

Thorium-Artikel Ashley im engl. Original, „Thorium fuel has risks“, „Nature“, Dec. 2012, VOL

492, S. 31-33:

https://www.researchgate.net/publication/233880587_Nuclear_energy_Thorium_fuel_has_risks

[ 3 ] EU bündelt Atomforschung am ITU (BNN vom 09.09.2016)

[ 4a ] www.samofar.eu/project/work-packages/

[ 4b ] www.samofar.eu/consortium/

[ 5 ] KIT-KALLA-Labor: www.iket.edu/580.php

[ 6 ] IAEO: Revidierter Leitfaden für Kernenergieeinsteiger. NFS, vom 14.09.2015

www.nuklearforum.ch/de/aktuell/e-bulletin

[ 7 ] Molten Salt Reactors: IAEA to establish new platform for collaboration

www.iaea.org/newscenter/news/molten-salt-reactors-iaea-to-establish-new-platform-for

- collaboration

[ 8 ] Kleine Reaktoren eröffnen neue Möglichkeiten. NFS vom 06.02.2015

www.nuklearforum.ch/de/aktuell/e-bulletin

[ 9 ] KIT, Presseinformation 139 vom 16.11.2015

[10] Thorium als Kernbrennstoff-Potenzial für die Zukunft, Faktenblatt NFS vom 03.11.2015

www.nuklearforum.ch/de/fakten-und-wissen/faktenblaetter

[11] Bericht Universität Sussex

sro.sussex.ac.uk/63568/

[12] U-Boote im britischen Atomkraft-Puzzle

www.sonnenseite.com/de/politik/u-boote-sind-ein-wesentlicher-teil-im-britischenatomkraft

-puzzle

Hidden money für Atom-U-Boote

www.taz.de/Archiv-Suche/!5356383&s=Hidden+money/

[13] Vertrag über die Nichtverbreitung von Kernwaffen (NVV), IAEO

www.auswaertiges-amt.de/DE/Aussenpolitik/Friedenspolitik/Abruestung/Nukleares/

NVV_node.html

[14] Kleine Modulare Reaktoren, SMR: Faktenblatt NFS vom 04.11.2015

Reaktorsysteme der Zukunft. Vielfältige Entwicklungen mit neuer Dynamik,

www.nuklearforum.ch/de/fakten-und-wissen/faktenblaetter

[15] IAEO, vierte Generation: http//aris.iaea.org

[16] Flüssigsalzreaktor, Wikipedia

-9-

[17] KIT-IKET: www.iket.kit.edu

numerische Werkzeuge, Brennstoffzyklus: www.iket.kit.edu/162.php

[18] AREVA Nuklear-Schule ANPS, angegliedert an KIT-IKET: www.anps.kit.edu

[19] KIT-INR, Profil: www.inr.kit.edu/379.php

INR-Flyer: www.inr.kit.edu/downloads/INR_FLYER.2016.dt.pdf

[20] KIT-IFTR, Startseite: www.ifrt.kit.edu/

IFRT, Forschung an der vierten Generation am INS unter Chen: www.ifrt.kit.edu/26.php

und www.ifrt.kit.edu/91.php

[21] KIT-IAM: Korrosion und Flüssigmetalltechnologie: www.iam.kit.edu/awp/398.php

und www.iam.kit.edu/wpt/468.php

[22] https://de.wikipedia.org/wiki/Brutreaktor

[23] JRC-ITU: Änderungsgenehmigung nach § 9AtG, K/132/2012, BaWü 16.03.2012, Seite 3-4

https://um.baden-wuerttemberg.de/fileadmin/redaktion/mum/

intern/Dateien/Dokumente/3_Umwelt/Kernenergie/Genehmigungsverfahren/ITU/ITU_Aend

erungsgenehmigung_Flügel_M_03_12.pdf

[24] www.plage.at/arbeitsschwerpunkte/who-iaeo

[25] Verleihung der KTG-Ehrenmitgliedschaft an M. Popp, 2007: Festrede M. Popp und Laudatio

P. Fritz:

www.ktg.org/ktg/veranstaltungen/ktg/2007/2007-11-06_Verleihung-der-KTGEhrenmitgliedschaft-

an-Professor-Dr-Manfred-Popp.php

[26] Manfred Popp, Wikipedia

[27] Kernkraftwerk THTR-300, Wikipedia

[28] „Bill Gates zwischen Schein und Sein“, vom 31.01.2016, heise.de/tp/artikel/47/47271/

[29] „Sind Mini-Atommeiler die Zukunft der Kernenergie?“ „Die Welt“ online vom 22.04.2014,

www.welt.de/127182746

terrapower.com

[30] KIT-IKET Kolloquium „Travelling Wave Reactor: Technology Development and Deployment“,

08. Februar 2011, Pavel Hejzlar, USA, Terra Power

KIT-IKET Kolloquium „A Paradigm Shift in Nuclear Reactor Safety with the Molten Salt

Reactor“, 30. Juni 2015, Jan Leen Klostermann, TU Delft

[31] TerraPower, Wikipedia

-10-

Atomkatastrophe oder Staatsräson: französische Atomaufsicht

UND Pressemitteilung 

 

Atomkatastrophe oder Staatsräson: Hilferuf der französischen Atomaufsicht

 

 

Die französische Atomaufsicht ASN steht vor dem Dilemma, die beiden mangelhaften Teile der AREVA-Skandal-Schmiede Le Creusot des Reaktordruckbehälters (RDB) - in Flamanville zu genehmigen: Boden und Deckel sind allerdings wegen Carbon-Einschlüssen im Stahl deutlich zu spröde. Wenn hier ein Riss zum Durchbruch führt, fallen die Brennstäbe trocken - was dann kommt, kennt man aus Fukushima.  

 

Der Boden des Reaktordruckbehälters ist schon fest verbaut, das Auswechseln käme einem Abriß gleich. Der Deckel kann im Prinzip noch ausgetauscht werden, aber das entspräche einer weiteren Zeitverzögerung um 6-8 Jahre. Die ASN steht einerseits unter dem enormen Druck der Atomwirtschaft, die ihr Flaggschiff Flamanville zum Erfolg geführt sehen will und natürlich künftige Märkte bedienen will, aber andererseits muß sie natürlich die Sicherheit der europäischen Bevölkerung garantieren, was mit den defizitären Teilen nicht möglich ist. Auch ein "vorläufiges Genehmigen" wie sie es anvisieren, kann das Problem nicht lösen, denn der Boden ist schon fest eingebaut und bleibt als Risiko immer bestehen, der Deckel wäre das Risiko auf Zeit, bis er ausgetauscht würde...

Die ASN hat sich nun in einer bisher nie dagewesenen Weise an die Öffentlichkeit gewandt, und um Stellungnahmen zur Inbetriebnahme von Flamanville gebeten: (Dies ist noch bis 12. September 2017 möglich, auf englisch oder französisch. Angehängt ist die Beschreibung, wie man auf die richtige Seite der ASN kommt, um die Stellungnahme abzugeben.)

Die Publikmachung der ASN kann als eine Art Hilferuf an die Öffentlichkeit gesehen werden, weil sie sich der internationalen wirtschaftlichen Dimension für die Atomgemeinde bewußt sind, aber auch des Risikos eines Unfalls - für den sie dann die Verantwortung trügen, weil sie defizitäre Teile genehmigt haben... 

J.-F. Victor, (der ehemalige Präsident und Vorstandsvorsitzende einer der Stahl- und Metallverarbeitungs-Betriebe von Le Creusot), sagt dazu: 

„Ja, genau das ist auch meine Meinung. Die ASN ist unter einem enormen Druck, von dem es unmöglich ist, sich selbst zu befreien: Das heißt in Französisch „Staatsraison“. Genau damit bin ich konfrontiert, trotz der vielen Briefe die ich an hohe Verantwortliche des Staates geschrieben habe. Daher appelliert ASN an die öffentliche Meinung, es ist ihr letzter Ausweg und viele Leute verstehen es.“

https://www.freitag.de/autoren/evastegen/ein-hilferuf-der-atomaufsicht

Zudem entstehen Auswirkungen von Flamanville auf Hinkley Point C in Großbritannien: Es entstehen massivste finanzielle Probleme für Hinkley Point, wenn Flamanville nicht bis Dezember 2020 ans Netz geht und Strom erzeugt. 

"..Solche Verzögerungen könnten neue und / oder bestehende Bestellungen von Reaktordruckbehältern für Kernkraftwerke wie das britische Hinkley Point C (HPC) gefährden, da die Kreditgarantie der britischen Regierung für HPC unter der Bedingung steht, dass Flamanville 3 bis Dezember 2020 fertiggestellt und vollständig in Betrieb genommen ist und über eine Probezeit auslegungsgemäß Strom erzeugt. Wenn diese Grundbedingung in Flamanville nicht erfüllt werden kann, wird bei wegfallender britischer Kreditgarantie die Inanspruchnahme der Geldmittel vollständig auf EdF und seine Co-Investoren entfallen.“

https://www.greenpeace.de/sites/www.greenpeace.de/files/publications/areva_summary_john_large_report_2016.pdf

Der BUND wird weiter über die Situation der ausländischen Atomreaktoren berichten auch auf dieser Seite berichten.

 

 

Kurzer Überblick der atomaren Anlagen im KIT Nord ehemals Kernforschungszentrum KA

Im Norden von Karlsruhe, in der Nähe der kleinen Gemeinde Eggenstein-Leopoldshafen, liegt das

ehemalige Kernforschungszentrum Karlsruhe – heute Karlsruher Institut für Technologie (KIT-Nord).

Nach 23 Jahren Wiederaufarbeitung steht hier das nun größte oberirdische Zwischenlager der Republik mit Zigtausend Fässern Atommüll. Fast 1.700 davon sind rostig. Dennoch sind weitere Hallen für noch mehr Strahlenmüll geplant. Und ungeachtet der Entsorgungs-Probleme vor der eigenen Haustür forscht man fleißig weiter an einem Atomreaktor der „IV. Generation“

 Das KIT-Nord wurde 1956 gegründet und betrieb mehrere Forschungsreaktoren. Darunter den Forschungsreaktor 2 (FR 2) als ersten in Eigenbau realisierten deutschen Natururanreaktor, den Brutreaktor-Prototyp „Kompakte Natriumgekühlte

Kernreaktoranlage“ (KNK II – der erste hatte vor seiner Beladung mit Brennstäben einen Natriumbrand), die 1990 stillgelegte Wiederaufarbeitungsanlage Karlsruhe

(WAK) sowie den Mehrzweckforschungsreaktor (MZFR).

In der WAK wurde die Technologie erprobt, die später einmal im

bayerischen Wackersdorf kommerziell genutzt werden sollte. Daraus

wurde dort aber nichts, weil der Widerstand der Bevölkerung

zu stark war. 1991 war in Karlsruhe Schluss mit der Wiederaufarbeitung von Brennstäben. Übrig blieben 70.000 Liter hochradioaktive Flüssigabf.lle,

„High Activ Waste Concentrate“ (HAWC) genannt, die zwischen September 2009 und November 2010 in der eigens dafür gebauten Verglasungsanlage bearbeitet,

verglast und in sogenannte Kokillen gefüllt wurden. Diese, immer noch hochradioaktiv, wurden dann in Castor-Behältern nach Lubmin gebracht. 

Der Rückbau der kerntechnischen Versuchsanlagen am ehemaligen Kernforschungszentrum Karlsruhe (KfK) geschah bis zum Jahr 2009 in der Verantwortung des KfK durch den "Geschäftsbereich Stilllegung". Bei der Gründung des "Karlsruher Instituts für Technologie (KIT)" ging dieser Geschäftsbereich in die "WAK GmbH" über, einem Tochterunternehmen der "Energiewerke Nord GmbH (EWN)". Im Februar 2017 wurde aus der WAK GmbH die Firma "Kerntechnische Entsorgung Karlsruhe GmbH (KTE)". Seither sind

die über 600 Beschäftigten mit dem weiteren Abriss der Atomreaktoren und der WAK beschäftigt.

 

• Bau des ersten Atommüll-Lagers: 1958

• Reaktion auf zu hohe Strahlungswerte 1974:

Zaun wird weiter nach außen versetzt

• Lager für schwach- und mittelradioaktive Abfälle heute: 6

• Gelagerte Atommüll-Menge (Oktober 2012): 67.200 m.

• Lagerkapazität: 78.000 Kubikmeter

• Erweiterung beantragt um: 30.000 Kubikmeter

• Hoffnung: Einlagerung in „Schacht Konrad“ ab 2023

• „Wiederaufarbeitungsanlage“ Karlsruhe (WAK): 1971–1990

• Baukosten: ca. 30 Mio. €

• Angefallene hochradioaktive „Atomsuppe“: 70.000 Liter

• Bisherige „Lösung“ dafür: Verglasung und Abtransport ins Zwischenlager Lubmin

Derzeit baut die KET an einem neuen ´Zwischenlager´für mittelaktivem Atommüll

 

 HB

Freigemessener Atommüll auch aus Karlsruhe

Freigemessener Atommüll 

 

Tausende von Tonnen aus den Atomanlagen des KIT Nord und dem Abriss der Atomkraftwerke in Philippsburg

 

Im Kit Nord, ehemals Kernforschungszentrum Karlsruhe, und in Philippsburg fallen in den nächsten Jahrzehnten hunderttausende von Tonnen sogenannter freigemessener Atommüll an.

Im KIT haben die  Energiewerke Nord, ein Unternehmen des Bundes, den Abriss vom ehemaligen Schnellen Brüter (KNK II) und dem Mehrzweckforschungsreaktor (MZFR) sowie der Wiederaufarbeitungsanlage mit Verglasungsanlage übernommen. Der Terminplan zum Abriss der WAK hat sich bis ca. 2030 verschoben, statt einer Milliarde Euro (wie geplant) sind nunmehr ca. drei Milliarden erforderlich. Derzeit passiert im KIT nichts, weil erst zwei neue Zwischenläger für schwach- und mittelaktiven Atommüll  genehmigt und gebaut werden müssen. Das bereits bestehende große Zwischenlager – mit rund 80 000 Fässern, von denen rund 1700 schon verrostet sind – ist randvoll.

Beim Abriss allein von KKP 1 in Philippsburg werden tausende von Tonnen Abbruchmaterial anfallen. Darunter rund 50.000 Tonnen, die freigemessen werden sollen.

Wir müssen uns also mit der Gesamtproblematik „Atommüll“ intensiv befassen.

 

Die im Auftrag des BUND erstellte „Stellungnahme zu Defiziten der Regelung von Freigaben radioaktiver Stoffe in der Bundesrepublik Deutschland“ von Wolfgang Neumann beleuchtet das verdrängte Problem beim Rückbau von Atomkraftwerken.

In Deutschland existiert die Möglichkeit, schwach radioaktive Reststoffe und Abfälle aus dem Zuständigkeitsbereich von Atomgesetz und Strahlenschutzverordnung in den konventionellen Bereich zu entlassen („Freigabe“). Dies bedeutet, dass Materialien aus einem Atomkraftwerk, das rückgebaut wird, nach so einer „Freimessung“ auf einer normalen Hausmülldeponie landen können oder als Wertstoff wiederverwendet werden. Bei einer Stilllegung von Atomkraftwerken fällt eine besonders große Menge solcher Materialien an. Wegen der derzeit anstehenden gleichzeitigen Stilllegung von acht Reaktoren können die freigegebenen Mengen so groß sein, dass die Einhaltung des Strahlenschutzzieles für die Bevölkerung durch Freigaben gefährdet ist.

 

Radioaktivität wird unterschätzt – mehr Kontrolle nötig

Durch die großen jährlichen Freigabemassen und die unterstellte Verteilung auf viele Deponien wird die auf einer Deponie abgelagerte Radioaktivität unterschätzt. Bei der Entwicklung des sogenannten. 10 Mikrosievert-(μSv)-Konzepts durch die IAEA im Jahr 1998 wurde noch von einem zu hohem Risikofaktor für Krebssterblichkeit  ausgegangen. Dies wurde im Jahre 2005 geändert. Daraus folgt, dass die Freigabewerte zur Deponierung im Sinne eines vorbeugenden Strahlenschutzes zu hoch sind und uner 2 Mikrosievert-(μSv) liegen müsste. 

 

Deshalb muss die Entlassung von Reststoffen und Abfällen in den konventionellen Bereich auf jeden Fall stärker überwacht und reglementiert werden. Ein weitergehender Schutz der Bevölkerung wäre durch die Aufgabe der Freigaberegelung und die Verfolgung des französischen Konzepts mit einem gesonderten Entsorgungsweg für schwächer radioaktive Stoffe möglich.

 

Es muss dringend geprüft werden, ob eine Konzentration dieser Stoffe in einem, die notwendigen Rückhalteanforderungen erfüllenden, oberflächennahen Endlager sinnvoller ist als die Verteilung der Radioaktivität in verschiedenen Hausmülldeponien und Gegenständen für den menschlichen Umgang.

 

Der BUND lehnt grundsätzlich jegliche Freigaberegelungen, wie sie in der Strahlenschutzverordnung vorgesehen sind, ab. Dies hat zuletzt die Bundesdelegiertenversammlung des BUND im Jahr 2000 bestätigt.

 

HB, November 2016

Überschrift zu Atomreaktoren

Beispieltext...



BUND Kindergruppen in Karlsruhe

Weitere Infos / Kontakt:
Simone Gilbert
kindergruppen.mittlerer-oberrhein@bund.net
Telefon 0721 35 85 82

Neuigkeiten:

BUND OV Karlsruhe engagiert sich gegen Verwendung von Plastiktüten.

Größtes deutsches Zwischenlager für schwach- und mittelaktiven Atommüll liegt im Hardtwald bei Karlsruhe

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