18. Oktober 2016

Überblick KIT Nord ehemals Kernforschungszentrum Karlsruhe

KIT-Nord ehemals Kernforschungszentrum Karlsruhe

 

WAK

Verglasungsanlage: 60.000 Liter atomaren Flüssigabfalls aus der Wiederaufarbeitung, eingeschmolzen in Glaskokillen, aus der früheren Wiederaufarbeitungsanlage Karlsruhe (WAK) in         5 Castoren nach Lubmin ins  ZLN gebracht (2011).

 

WAK GmbH: Die WAK Rückbau und Entsorgungs- GmbH bündelt alle Rückbauaktivitäten an stillgelegten kerntechnischen Versuchs- und Prototypanlagen sowie die Verarbeitung radioaktiver Abfälle am Standort.

(Unter dem EWN-Konzern (Energiewerke Nord GmbH) sind Betriebe zusammengefasst, die sich mit dem Rückbau von kerntechnischen Anlagen beschäftigen:

WAK GmbH Karlsruhe /  JEN mbH Jülich /  EWN GmbH Greifswald / EWN GmbH Rheinsberg  
Die beim Abbau anfallenden radioaktiven Reststoffe/Abfälle werden zerlegt, behandelt, zwischengelagert und langfristig dem Bundesendlager zugeführt.)

 

KIT-Nord

Die ehemaligen Reaktoren (KNK II = Schneller Brüter Karlsruhe + Mehrzweckforschungsreaktor = MZFR) des ehemaligen Kernforschungszentrums Karlsruhe (KfK) sind bis heute erst etwa zu 25 % abgerissen. Die Wiederaufarbeitungsanlage befindet sich im Rückbau. Die Verglasungsanlage muss ebenfalls noch abgerissen werden. 

Das größte deutsche Zwischenlager für schwach- und mittelaktiven Atommüll (mittelaktiver Atommüll ist radioaktiv kontaminiert, aber nicht wärmeentwickelnd wie hochaktiver Atommüll) liegt im Hardtwald bei Karlsruhe

Dieses Zwischenlager befindet sich auf dem heutigen Campus Nord des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT)

65 000 Atommüllfässer lagern hier (in ca. 6.500 Containern) auf dem Gelände der HDB – davon sind bereits 1692 verrostet (Stand 20.11.2014)

 1,80 m dicke Betonwände

Bestand an mittelaktivem Atommüll inzwischen rund 78 000 Fässer

Neubau für gleiche Menge beantragt mit gleicher Wand-Betonstärke.

 

ITU:

Das Institut für Transurane (JRC-ITU) (englische Version des Namens: Joint Research Centre – Institute for Transuranium Elements, JRC-ITU) ist eines von sieben Forschungsinstituten der Gemeinsamen Forschungsstelle der Europäischen Kommission in Brüssel.

 Als Referenz-Zentrum für Forschung und Technologie unterstützt sie die politischen Entscheidungen der Europäischen Union.

Europäisches Institut für Transurane (ITU) in Karlsruhe auf dem Gelände von KIT-Nord

Das ITU wird in den Medien als  lobenswerte Institution

mit folgenden Forschungsinhalten gepriesen:

        Medizin (Anwendungen für Umwelt und Medizin)

        Detektion und Forensik  (Sicherheitsüberwachung von Kernmaterial)

        Aktinidengrundlagenforschung

        Kernbrennstoffe / Endlagerung / Umweltaspekte

        Aus- und Weiterbildung von Zoll und Polizei

 

Die nach der Mediation erteilte Genehmigung des grünen Umweltministers enthält unter anderem:

eine atomrechtliche Genehmigung für

                  - 180 Kilo Plutoninum, freiwillig vom ITU auf 80 Kilo reduziert

- 50 Kilo Uran 233 mit einer Anreicherung von 93 Prozent

- 300 Kilo schwachangereichertes Uran

- 30 Kilo Neptunium 237

- 450 Kilo Thorium.

 

Das sind riesige Mengen für ein Forschungslabor, und es stellte sich damals wie heute sofort die Frage: Was machen die damit? Für Sicherheitsforschung, Ausbildung von Zoll und Inspektoren der IAEO sowie für medizinische Forschung würden wenige Gramm reichen.

 

Es wird unter dem Begriff „Sicherheitsforschung“ auch Brennstoffforschung betrieben. Das Institut stellt neuartige „Brennstäbe“ her, die zur Entwicklung fortgeschrittener Reaktoren der vierten Generation benötigt werden. In der Genehmigung steht zwar, dass Forschungen im Zusammenhang mit Reaktorsystemen der so genannten vierten Generation ausgeschlossen seien. So ist es aber nicht. Im ITU forscht man nicht am Reaktor, aber am Brennstoff für die vierten Generation, was aber deren Voraussetzung ist, und „das können weltweit nur wir“ laut mehrfach öffentlich geäußerter Aussage von Professor Dr. Fanghänel, damals Chef vom ITU und jetzt in Brüssel beim JRC (gemeinsame Forschungsstelle der EU) Berater für die vierte Generation.

 Seine Nachfolgerin Dr. Maria Betti sagte auf den Karlsruher Atomtagen 2015, dass das ITU mache, was Brüssel, das heißt die JRC, beauftragt.

Schon bei der Mediation musste der Vertreter des Umweltministeriums zugeben, dass das Institut in Sachen Forschung eine weitgehende Autonomie genieße, welche die Behörde in der Genehmigung nicht einschränken könne.

KIT – Atomforschung á la Karlsruhe - immer noch weltweit vernetzt

 

Der BUND ist in Karlsruhe Mitglied der Bürgerinitiative Anti-Atom Karlsruhe. Diese hatte sich nach der Mediationsveranstaltung zum Neubau des ITU (Europäisches Institut für Transurane) zusammengefunden u.a. mit dem Ziel, die Forschung und die Abrissvorgänge im KIT-Nord kritisch zu begleiten.

Als Ergebnis haben wir den Versuch unternommen, den Schleier über die immer noch ungebremste Atomforschung auf dem Gelände des KIT-Nord so weit wie uns möglich zu lüften und der Öffentlichkeit vorzustellen. Das Land, als Genehmigungsbehörde aller atomaren Anlagen nach Strahlenschutzverordnung (ohne Öffentlichkeitsbeteiligung) und nicht nach Atomgesetz (wäre öffentlich), hat sich auch unter GRÜNER Federführung des Umweltministeriums bisher nicht alsechte Kontrollbehörde hervorgetan. Das Ministerium  genehmigte den Bau und die damit verbundene Lagerung von allen nur denkbaren radioaktiven Substanzen mit dem Hinweis, dass das ITU ja nicht an Reaktoren der IV Generation arbeiten darf. Dies hat es auch noch nie getan. Es baut aber ´neue Brennstoffe´=Brennelemente für diese Art von neuen Reaktoren.

Da die Öffentlichkeitsarbeit aller der in Sachen atombeteiligten Institute, vor allem auch das ITU, zu wünschen übrig lässt, müssen wir bei einigen Sachverhalten uns als Fragende und nicht als Wissende bezeichnen. Der erste Teil bezieht sich auf das von Bund und Land finanzierte KIT. Der zweite Teil wird dann sich mit dem ITU befassen.

 

 

Teil 1: Greenwashing durch Atom-Gurus?

 

Die Führung des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT) hat in der Person von Prof. Hanselka in Publikationen und öffentlichen Auftritten eine klare Richtung in allen Bereichen, die für die Energiewende notwendig sind, vorgegeben, und diese gilt es umzusetzen. Die Widerstände gegen diese Absichtserklärungen sind jedoch immer noch deutlich spürbar. Diese gravierenden Zusammenhänge aufzuzeigen, ist das Ziel unseres folgenden Artikels, um „etwas“ Licht in dieses Dunkel zu bringen.

 

Trotz Energiewende und einiger guter neuer Projekte dazu finden am KIT immer noch höchst problematische Vorträge, Lehrveranstaltungen und Forschungsarbeiten statt.

Die Presseinformation des KIT zur „Erzeugung von Wasserstoff aus Methan durch Cracken ohne Kohlendioxid-Emissionen“ z.B., wobei das Flüssigmetalllabor KALLA des KIT eine Rolle spielt   [ 43 ], wirft daher eine ganze Reihe von Fragen auf:

 

Warum u.a. wird nicht die Möglichkeit genannt, Wasserstoff bereits jetzt regenerativ aus Wind und Solarkraft zu erzeugen (Power to gas)? Der Umweg über den fossilen Energieträger Erdgas ist fragwürdig, zumal das beschriebene Prinzip auch als weiterer Steigbügel für Fracking und mögliche Tiefsee-Methan-Hydrat-Industrien verstanden werden kann, was wiederum weitere Risiken nach sich zieht... Es fehlt auch der Vergleich der Wirkungs- und Effizienzgrade zwischen dem beschriebenen „Cracken“ und dem bereits erprobten Power to gas-Verfahren mit regenerativen Energien.

Viel spannender aber ist die Frage, warum das KALLA-Flüssigmetall-Labor gerade zum jetzigen

Zeitpunkt einen Fürsprecher wie Carlo Rubbia bekommen darf:

Rubbia ist der Erfinder des „beschleunigergetriebenen Rubbiatron-Atom-Reaktors“, der mit Thorium betrieben werden kann, und den Rubbia in den 1990er Jahren am CERN entwickelte (der Europäischen Organisation für Kernforschung). Er gilt als Vorläufer der für Transmutation geeigneten Atomreaktoren. Der etwa 80-jährige Rubbia war u.a. Leiter des CERN und wird in der Atom-Szene fast wie ein Übervater verehrt. Ein langjähriger Mitarbeiter von Rubbia ist Dr. Yacine Kadi, der in den 1990er-Jahren mit Rubbia zusammen an einem thoriumbetriebenen, beschleunigergetriebenen System, das flüssiges Blei als Kühlmittel nutzt“, arbeitete. Kadi ist Projektleiter am CERN und gleichzeitig als Professor im Energiebereich der Universität von Südkorea angestellt, in beratender Position war er für die südkoreanische Regierung tätig: in Bezug auf die Entwicklung von thoriumgetriebenen Atomreaktoren für die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) [ 6 ], denn die VAE bestellten in Südkorea im Jahr 2009 vier Atomkraftwerke.

 

Rubbia hat als langjähriger Mitarbeiter und dann Leiter des CERN noch lange nach seinem Ausscheiden vor zwei Jahren den Eröffnungsvortrag der Internationalen Thorium-Konferenz ThEC13 am CERN gehalten. In diesem Vortrag beschreibt er die Möglichkeit, Thorium aus den Abgasen von Kohlekraftwerken zu gewinnen, um es anschließend als Brennstoff in Atomkraftwerken zu nutzen [ 44 ]. Auch auf der Thorium-Konferenz in Indien (ThEC15) wurde er häufig zu atomaren Themen zitiert. U.a. wird dort  unter Beteiligung seines Mitstreiters Kadi für den Bau einer Thorium verwendenden beschleunigergetriebenen Demonstrationsanlage, genannt Troitsk“, geworben. Die Anlage soll in Russland u.a. genutzt werden für „Studien zu Materialwissenschaften, Nuklear-Physik, Nuklear-Technologien, Flüssigmetall-Kühlung und (Atom-)Brennstoffzusammensetzung ...“ Angestrebt wird des Weiteren die „Entwicklung eines künftigen industriellen Prototypen zur Energieproduktion von einigen hundert Megawatt, und um die Zerstörung von Minoren Actiniden zu demonstrieren.“ (= Transmutation). In nächsten Schritten soll die weitere Zusammenarbeit mit dem CERN für Machbarkeitsstudien, sowie mit ROSATOM erfolgen, um „Design und Konstruktion des Reaktorkerns zu optimieren.  [ 45 ]

 

Am CERN finden auch Experimente zu „Machbarkeitsstudien von innovativen nuklearen Systemen (ADS und Generation IV-Reaktoren) statt, die für die Energieproduktion und Transmutation … in Betracht kommen“.  Weiterhin gibt es Untersuchungen zu Uran 233, Thorium-Uran- Brennstoffkreisläufen und minoren Actiniden. [ 46 ]

 

Technologien zur Flüssigmetallkühlung spielen eine zentrale Rolle bei Atomkraftwerken. Und zwar insbesondere bei der Entwicklung von AKWs der Vierten Generation, die auch „Kleine Modulare Atomreaktoren“ = SMR beinhalten. (Nicht zu verwechseln mit der ebenfalls SMR genannten Methan-Dampf-Technologie der KIT-Pressemitteilung). Auch in russischen Atom-U- Booten wurde die Flüssigmetallkühlung bereits eingesetzt. Der in Dimitrowgrad im Bau befindliche

„Schnelle Hochfluss-Mehrzweck-Atom-Forschungsreaktor MBIR“ soll zur Entwicklung von Materialien für Schnelle Reaktoren der vierten Generation verwendet werden. Er verfügt über Versuchskreisläufe, die mit Flüssigmetallen, Flüssigsalzen oder Gas beschickt werden können“. (Eine Firma aus St. Petersburg,  die zum russischen Staatskonzerns ROSATOM gehört, liefert dazu den Reaktordruckbehälter und die Reaktoreinbauten). [ 47 ]

 

In Rumänien realisiert das Konsortium FALCON, das aus ca. 90 Interessengruppen aus Wirtschaft und Forschung besteht, zur Zeit den atomaren Demonstrationsreaktor ALFRED. Damit soll ein

bleigekühlter schneller atomarer Demonstrationsreaktor der vierten Generation“ zum Einsatz kommen. Er soll als europäische Forschungsleistung“ die „Sicherheit der nächsten Generation Atomkraftwerke verbessern“. Dieses Projekt ist Teil des strategischen SET-Planes der Europäischen Union und wird unter dem  Schirm der „Sustainable Nuclear Energy Technology Platform (= SNETP) geführt. [ 1 ] Der jetzige Bereichsleiter des KIT, Dr. Knebel war von 2008 bis 2010 Mitglied des Vorstandes der SNETP.

Die „Europäische Nuclear Society“, ENS, deren Vizepräsident Knebel von 2008-2011 war, sieht mit  der  „Realisierung des ALFRED – Demonstrationsreaktors die europäischen Organisationen während der kommenden Dekaden in einer Vorreiterrolle bei der nuklearen Kernspaltung.“

 

Die Technologie der Flüssigmetall-Kühlung spielt also mit den eben erwähnten Forschungsreaktoren „Troitsk“ und „MBIR“ in Russland und mit dem rumänischen FALCON / ALFRED-Reaktor in Europa eine absolut entscheidende Rolle bei der Entwicklung von Atomreaktoren der vierten Generation. (Als „Kleine Modulare Atomreaktoren“ (= SMR) konzipiert, können diese dann industriell quasi „am Band“ produziert werden, sind – weil kleiner als normale AKWs – leichter zu transportieren und können  in Modulbauweise wieder zu größeren Einheiten kombiniert werden.

 

Das Flüssigmetalllabor KALLA, das zum Bereich von Dr. Knebel, einem ausgewiesenen Atombefürworter, gehört ist nach Eigenauskunft ein „strategischer Focus-Punkt im Feld der Blei-Bismuth Technologien in Deutschland, es finden Experimente für beschleuniger-getriebene Anwendungen (ADS) statt, sowie zu dem belgischen Atom-Forschungsreaktor MYRRHA. Forschungsziel sind Experimente zur „Auslegung von Komponenten für z.B. Neutronenquellen oder innovative Reaktorsysteme zur Transmutation...“ KALLA beinhaltet:

–     Mehrere Flüssigmetallkreisläufe mit den Arbeitsmedien Blei, Blei-Wismut, Natrium und

Indium-Gallium

–     Versuche zu „Beheiztem Stab in zylindrischem Rohr“ finden statt, im Klartext bedeutet dies: Dummyversuche zur Haltbarkeit von Rohrummantelungen, die auch Brennstab- Ummantelungen sein können.

–     „Stabbündelkühlung mit Blei-Wismut“: Klartext: Dummyversuche zu Brennstabbündeln im Reaktorkern           [ 40 ]  (www.iket.edu/580.php)

(Warum finden sich gerade im Atombereich des KIT so viele verschleiernde, ungenaue Formulierungen, die an strategisch gewollte Ambivalenzen denken lassen? Gerade auch die Begriffe SMR“ und Reaktor“ gehören dazu, weil sie oft in einem Kontext ohne präzise Atom-Benennungen verwendet werden, aber dennoch genau dafür stehen. Stattdessen werden für die

Öffentlichkeit oft weitschweifige Umschreibungen oder nur unverständliche Abkürzungen verwendet...)

 

Warum wird nun am KIT ein Atom-Übervater wie Carlo Rubbia zum Bejubeln des KALLA- Flüssigmetalllabors eingeladen, noch dazu mit der fragwürdigen Technologie des Methan- Crackens, die auch als vorgeschobenes Feigenblatt dienen könnte, um den hochbrisanten atomaren

Nutzen“ des Kalla-Labors zu verdecken? Zumal Rubbia in den 1990er Jahren ein thoriumbetriebenes, beschleunigergetriebenes System, das flüssiges Blei als Kühlmittel nutzt“,

also einen atomaren Transmutationsreaktor entwickelte? Warum wird die hochriskante zweite Seite von KALLA verschwiegen? In der KIT-Pressemitteilung werden weder  atomare Nutzungsmöglichkeiten für KALLA, noch die enorme Bedeutung für die internationale Atomindustrie genannt, geschweige denn mögliche Gefahren der Proliferation. Die Zeitleiste in

Teil 2 zeigt jedoch u.a., in welchem internationalen atomaren Kontext die Nuklearkonzerne bereits

Flüssigmetall-Technologien einsetzen oder einplanen können.

Immer noch werden entscheidende Informationen in der Presseabteilung des KIT weggelassen, die Berichterstattung auch der KIT Nuklear-Institute bei atomar relevanten Themen ist häufig unvollständig, intransparent, einseitig, verschleiernd, desinformierend und einer redlichen universitären Wissenschaft  unwürdig.

 

Am KIT-Nord und besonders in den dortigen Nuklear-Instituten waren und sind seit vielen Jahren auch chinesische und russische (Gast-) Wissenschaftler beschäftigt, deren Wissenstransfer in ihre Heimatländer man billigend in Kauf nimmt. Sowohl Russland als auch China versuchen massiv, Atomtechnik und Atom-Reaktoren in andere Länder, auch an Schwellen- und Entwicklungsländer, die bislang keine Reaktoren hatten, zu verkaufen. Auch instabile Staaten mit massiven Demokratiedefiziten, Menschenrechtsproblemen und hoher Korruption sind darunter, womit eine massiv erhöhte Terror- und Proliferationsgefahr einhergeht.

Die Internationale Atom-Energie-Organisation IAEO leistet dazu im Vorfeld durch Ausbildungs- und Lizenzierungsprogramme für atomare Neueinsteigerstaaten Vorschub und hat entsprechende Programme dazu aufgelegt. [ 3 Ein ausführlicher Überblick dazu, sowie von atombezogenen KIT- Veranstaltungen ist im untenstehenden Teil 2 zusammengestellt.

 

Trotz Energiewende und einiger guter neuer Projekte dazu finden am KIT immer noch höchst problematische Vorträge, Lehrveranstaltungen und Forschungsarbeiten statt, und zwar hauptsächlich am IKET, am INR und am INE, sowie an  der am KIT-IKET angesiedelten AREVA- Nuclear-Schule, z. B.:

 

Institut für Neutronenphysik und Reaktortechnik (INR)

- Stmungssimulation eines bleigekühlten Kernreaktors (Prof. X. Cheng, Dr. X. Jin

- Innovative nukleare Systeme (darunter fällt auch die Vierte Generation von AKWs), Gen. III

(z.B. Druckwasserreaktoren wie EPR)

- Entwicklung und Kopplung von Methoden auch zur (Atom-)Brennstabmechanik

- Untersuchungen zur Transmutation, Weiterentwicklung und Qualifizierung von

Rechenprogrammen zu ihrer Auslegung

 

Institut für Kern- und Energietechnik (IKET)

AREVA-Nuclear-Schule (angesiedelt am IKET): einige Beispiele aus Kursinhalten 2015:

- Leichtwasserreaktoren: Kern-Design und Brennstoff-Management

- Stmungsmodellierung in Brennstoffanordnungen

- Siedewasserreaktoren: radiolytisches Gas-Management

- Simulation von schweren Unfällen in Flüssigmetall-Reaktoren

 

Der französische Staatskonzern AREVA  ist weltweit tätig im AKW-Bau, in der Brennelemente-

Entwicklung und im Uran-Bergbau. AREVA liefert auch Forschungs-Reaktoren mit einigen Dutzend Megawatt oder weniger. Sie werden für Schulungen oder kerntechnische Studien gebaut oder für Länder, die Atomenergieprogramme planen. AREVA ist auch an Arbeiten zum MYRRHA Forschungs-Reaktor beteiligt, er dient der Entwicklung von Transmutations- Reaktoren. Zur Zeit läuft die Übernahme von AREVA durch den ebenfalls französischen Staatskonzern EDF (= Electricité de France), die atomare Brennstoffsparte ist davon aber ausgenommen.

 

Die Nuklearinstitute IKET, INR, INE und das Flüssigmetalllabor KALLA gehören zum Bereich des erst kürzlich wiederernannten Bereichsleiters Dr. Joachim Knebel, der seinen einzigen Professorentitel als „Honoris causa“ (= ehrenhalber) von der Universität St. Petersburg verliehen bekam.  Knebel ist als Atomlobbyist bekannt, er war im Verwaltungsrat des Deutschen

Atomforums (DAtF),  Vorstandsmitglied der Kerntechnischen Gesellschaft (KTG), und Vizepräsident der Europäischen Kerntechnischen Gesellschaft (ENS), um nur drei zu nennen. Knebel war Angestellter am Institut für Reaktorbauelemente, dann Abteilungsleiter am Institut für Kern- und Energietechnik IKET. Er arbeitete am Forschungszentrum Karlsruhe u.a. an passiven Wärmeabfuhrsystemen für Leichtwasserreaktoren, (speziell Europäischen Druckwasserreaktoren, EPR), zu beschleunigergetriebenen Transmutationssystemen und am Flüssigmetall-Labor KALLA.

 

Wir versuchen mit dieser Aufstellung der Zusammenhänge, die Maske einer unkontrollierten Forschungseinrichtung zu lüften. Dabei bleiben aber viele Fragen auch bei uns offen, weil wir die komplexen Beziehungen zwischen Instituten, Organisationen und Personen nicht immer eindeutig zuordnen können. Deshalb haben wir die noch unklaren Zusammenhänge als Fragen formuliert:

 

- Wofür genau  bekam Dr. Knebel in 2013 den „Ehrenprofessor-Titel“ aus St. Petersburg verliehen? Welche konkreten Verdienste“ aus seinem atomaren Berufsleben liegen dem zugrunde? Dazu machte die KIT-Presseabteilung leider keine näheren Angaben...

- Warum wird der Bereich drei des KIT, zu dem Maschinenbau-, Elektrotechnik- und die

Nuklear-Institute des KIT gehören, nicht von einem wirklich unabhängigen Professor geleitet, der einen „richtigen, d.h. akademisch relevanten Professorentitel vorweisen kann? Fehlte da sonst evtl. der lobbyistische Hintergrund?

- Warum leitet Dr. Knebel nach seiner kürzlich erfolgten erneuten Ernennung zum Bereichsleiter diesen gerade für die Energiewende so wichtigen Teil des KIT nun wieder für weitere 5 Jahre, vor allem, da die oben beschriebenen und ihm zugeordneten Institute und Einrichtungen wie IKET, INR, IFRT, AREVA-Nuklear-Schule, KALLA-Flüssigmetall-labor offensichtlich so massiv weiter im Dienste der Atomwirtschaft agieren?

- Welche Rolle spielt KALLA für die vierte Generation AKWs, insbesondere im Hinblick auf das rumänische Projekt FALCON? Gibt es dazu konkrete oder geplante Kooperationen des KIT?

-  Gab oder gibt es Kooperationen des KIT bzw. KALLA mit Russland, insbesondere zu den

russischen Forschungsreaktor-Projekten MBIR und Troitsk?

-  Gab oder gibt es Kooperationen des KIT oder einzelner Wissenschaftler des KIT mit

ROSATOM oder einer der Tochterfirmen?

-  Welche Länder haben durch ihre Wissenschaftler Zugang bzw. Forschungsmöglichkeiten am KALLA-Labor?

-  Wie wird der Austausch / Wissenstransfer russischer und chinesischer Gastwissenschaftler

des KIT mit ihren Heimatländern kontrolliert?

    Haben Wissenschaftler oder Studenten aus atomaren Neueinsteiger-Ländern Zugang zur

Forschung von Nuklear-Instituten des KIT-Nord, bzw. deren Lehrveranstaltungen?

-  Gibt es bereits Patente oder Lizenzen des KIT, die für Atomkonzerne von Interesse sind, oder werden diese angestrebt?

-  Welchen Anteil hat das KIT über die bereits genannten Veranstaltungen hinaus an der in der Zeitleiste in Teil 2 dargestellten internationalen Entwicklung? Bestehen konkrete Projekte zu atomaren Kleinen Modularen Reaktor-Technologien (SMR), bzw. welche Institute sind daran beteiligt?

-  Welche Rolle spielt die Zusammenarbeit von Nuklear-Instituten des KIT und dem Institut

für Transurane (ITU) am KIT-Nord? Letzteres beschäftigt sich intensiv mit der

Zusammensetzung von Brennstoffen der Vierten Generation von AKWs.

 

Weder vom Präsidium, noch von der KIT-Ethikkommission, noch von der KIT-Technikfolgen- Abschätzung, die auch ein eigenes Büro zur Politikberatung am deutschen Bundestag betreibt (TAB), scheinen diese gravierenden Zusammenhänge bislang wahrgenommen worden zu sein. Das gleiche gilt für die steuernzahlende Öffentlichkeit und die Bundes- oder Landesregierung, denn es war hierzu bisher nichts zu vernehmen.

 

Die wichtigste Frage jedoch lautet:

 -  Wie soll verhindert werden, dass weiterhin Verwertbares“ für die internationale Atomwirtschaft mit deutschen Steuergeldern entsteht? Haben die politisch Verantwortlichen aus den Proliferationsvorwürfen aus den 1980er Jahren gegen das ehemalige Kernforschungszentrum Karlsruhe (heute KIT-Nord) nichts gelernt, denn dessen heutige Zusammenarbeit u.a. mit der Internationalen Atomorganisation IAEO, AREVA und Westinghouse kann atomare Neueinsteiger-Länder bei Aktivitäten zum Bau von Atomkraftwerken unterstützen. Werden CANDU-Reaktoren gebaut, ist auch die Möglichkeit der Produktion von Waffen-Plutonium gegeben. Weltweit gehören zu den (sich in unterschiedlichen Stadien befindlichen) Neueinsteigerstaaten Länder wie: Weißrussland, Türkei, Aserbaidschan, Jordanien, Vereinigte Arabische Emirate, Ägypten, Nigeria, Vietnam, Bangladesh, Bolivien, Paraguay, Peru, Ecuador, Kuba. Wollen diese Länder, die für regenerative Energien meist wesentlich geeigneter wären und darin ihre Zukunft tten, wirklich nur die sogenannte „friedliche Nutzung der Atomenergie“?

 

Zu jeder stolzen Präsentation von Drittmitteln des KIT, sowie zu jeder gefeierten „Grundlagen- oder Sicherheitsforschung“ gehört der Transparenz halber die nachvollziehbare Aufschlüsselung gegenüber der Öffentlichkeit, ob und wieviel davon z.B. auf  Firmen wie AREVA und

Westinghouse entllt, und zu welchen evtl. höchst problematischen Projekten Kooperationen mit anderen Ländern bestehen. Gleiches gilt für Dual Use – oder militärisch relevante Themen.

All die schönen Worte und Hochglanz-Broschüren des KIT über Transparenz etc. – was sind sie wert? Es gibt bis heute kein öffentlich einsehbares Verzeichnis über Drittmittel oder sonstige Zuwendungen der Atom- oder Rüstungsindustrie an das KIT, ebenso wenig wie es öffentlich nahvollziehbare und vollständige Listen mit Projektbeschreibungen und Kooperationen auch internationaler Atom- und Rüstungsfirmen gibt. Stattdessen werden bestimmte Formulierungen im atomaren Bereich offensichtlich verschleiernd gewählt oder bestimmte Fakten gleich ganz weggelassen ...

 

Ist den Verantwortlichen in Ministerien und am KIT eigentlich klar, in welch hochgefährlichem und brisantem internationalen Kontext sich die sogenannte „Sicherheits- und Grundlagenforschung“ des KIT abspielt? Ist allen Beteiligten wirklich klar, in welchem Umfang die interessierten, gierigen

und nur profitorientierten Kreise der weltweit agierenden Atomkonzerne wie AREVA, Westinghouse und ROSATOM von den direkten Ergebnissen oder Synergien der KIT- Atomforschung profitieren können? Und all dies geschieht angesichts der weltweit zunehmenden Krisenherde und Terrorgefahren. Too big to control?

 

Es drängt sich mehr und mehr der Verdacht auf, als sei der eigentliche Zweck der KIT-Gründung der gewesen, das frühere Kernforschungszentrum wieder salonfähig zu machen und unter Vereinnahmung universitärer Strukturen und Ressourcen eine Renaissance der Kernenergie herbeizuführen. Warum sonst wäre Greenwashing durch Atom-Gurus“ nötig?


Teil 2: Willfährige Handlanger oder verantwortliche Akteure?

 

Die folgende Zeitleiste gibt einen (unvollständigen) Überblick über atomrelevante Ereignisse der letzten 10 Jahre. In der Zusammenstellung zeigt sich erst die Tragweite und Dimension der hochriskanten und bis heute nicht beherrschbaren Atom-Technologie, sowie einer perfiden Strategie, bei der international die einzelnen Pro-Atom-Akteure aus Politik, Wirtschaft und Wissenschaft geschickt positioniert werden, und zu der das KIT offensichtlich einen wesentlichen Teil beiträgt.

 

2005   < USA genehmigen die abschließende Zertifizierung des AP 1000 (Gen. III+).

 

2006  < Toshiba Japan kauft für 5,4 Mrd US$ die nukleare Sparte von Westinghouse, USA, und ist damit Weltmarktführer im Nukleargeschäft, der Name Westinghouse bleibt erhalten.

 

< England: Das Programm Energy Review“ setzt eine robuste Pro-Atom-Politik in Kraft.

 

< Der heutige Bereichsleiter des KIT, Dr. Joachim Knebel, wird Vorstandsmitglied der

Lobbyvereinigung „Kerntechnische Gesellschaft KTG.

 

2007  < Der Präsident der EU-Kommission in Brüssel, Barroso, will europaweit über den Bau neuer Kernkraftwerke diskutieren, und zwar mit Blick auf den Klimaschutz. „Er warte für diese neue Atomdebatte nur noch auf das Startzeichen der führenden Politiker in den EU- Staaten. … Barrosos plötzliche Erwärmung für die Atomenergie hatte auch in seiner Behörde zu journalistischen Ermittlungen geführt. Dabei wurde bekannt, dass sein EU- Energiekommissar einen bekannten Lobbyisten der Atom-Industrie zum bezahlten

„Sonderberater“ ernannt hatte. Rolf Linkohr ist ein Ex-SPD-Europaabgeordneter und

Ehrenmitglied der Kerntechnischen Gesellschaft....“  [ 48 ]

 

< Dr. Knebel wird Mitglied im Verwaltungsrat des Deutschen Atomforums (DAtF), sowie Vizepräsident der „Europäischen Kerntechnischen Gesellschaft“ (ENS). Beides sind Lobbyorganisationen der Atomwirtschaft.

 

< Gründung der „Europäischen nachhaltigen Nuklear-Industrie-Initiative“ (ESNII), die über

90 Industrie- und Forschungspartner für das FALCON / ALFRED -Projekt zusammenbringt, um die sogenannte „Generation IV Schnelle Neutronen-Reaktor- Technologie“ voranzutreiben. Dies findet statt unter dem Schutzschirm der „European Sustainable Nuclear Energy Technology Platform“, SNETP,  deren Vorstandsmitglied   Dr. Knebel 2008 wird.  [ 1 ]

 

< Carlo Rubbia wird Mitglied der hochrangigen EU-Beratergruppe für Energie-und

Klimawandel, eingerichtet durch Barroso.

(Rubbia ist der Erfinder des beschleunigergetriebenen Rubbiatron-Reaktors, der mit Thorium betrieben werden kann, und den Rubbia in den 1990er Jahren am CERN entwickelte. Er gilt als Vorläufers der für Transmutation geeigneten Atomreaktoren. Rubbia war u.a. Leiter des CERN, der Europäischen Organisation für Kernforschung.)

 

< Putin gründet sechs Gesellschaften, die man am ehesten als Staatskorporationen“ bezeichnen kann. Sie bündeln staatliche Aktivitäten in als strategisch wichtig geltenden Bereichen. Das Spektrum reicht von Rüstungsgütern (Konglomerat Rostec) bis zu Finanzen (Entwicklungsbank VEB). Grundlage jeder Gesellschaft bildet ein eigenes Gesetz, das ihr weitreichende Befugnisse einräumt. Die Korporationen unterliegen keiner


Rechenschaftspflicht gegenüber anderen Behörden und werden von keiner unabhängigen

Instanz überwacht. Sie berichten allein an den Staatspräsidenten.

Typisch für die Staatskorporationen sind ihre Größe und die Vielzahl an Unternehmen, die unter ihrem Dach versammelt wurden.

Die Staatskorporation ROSATOM kontrolliert alle russischen Atomaktivitäten und den Reaktor-Export. Selber darf sich die weitverzweigte Staatsgesellschaft fast jeder Kontrolle entziehen, obwohl von der Forschung über die Erzeugung von Uran, dem Bau und Export von Kraftwerken, über eine Flotte von atombetriebenen Eisbrechern, der Pflege von Atomwaffen bis zur Überwachung von Atomanlagen alle Teile der nuklearen Wert- schöpfungskette Russlands bei dem Monopolisten vereint sind. ROSATOM-Chef Kirijenko sagt 2015, dass aufgrund der russischen Wirtschaftskrise Verträge mit dem Ausland die wichtigste Wachstumsquelle darstellten. Beinahe im Wochentakt gibt die Atomgesellschaft Fortschritte bei Verhandlungen bekannt, allein im Oktober 2015  mit Bulgarien, Jordanien, Ägypten, weiterhin existieren Pläne für Projekte in Finnland, der Türkei, Südafrika und Iran.    [ 2 ]

 

< Die Internationale Atom Energie Organisation IAEO, die die weltweite Förderung der Atomenergie als ihr Organisationsziel angibt, veröffentlicht die Richtlinien „Milestones in the Development of a National Infrastructure for Nuclear Power. Damit werden ihre Mitgliedsstaaten unterstüzt, neue Kernenergieprogramme zu entwickeln, die IAEO wendet sich damit vor allem an atomare Neueinsteigerstaaten. Der Leitfaden zeigt ein

strukturiertes Vorgehen“ auf und bietet „Checklisten für Länder, die nationale Infrastrukturprogramme zur nuklearen Stromerzeugung aufbauen wollen“. Beschrieben wird darin eine detaillierte Auflistung von Aktivitäten für den Einstieg in die Kernenergie und ein Vorschlag, wie sich die verschiedenen Akteure untereinander koordinieren können. Dieses Regelwerk der IAEA wird im September 2015 in der überarbeiteten, aktualisierten Version neu herausgegeben.  [ 3 ]

Ca. 2014: Mit dem „Internationalen Abdus Salam Zentrum für Theoretische Physik“ in Trieste, Italien, betreibt die IAEO dreiwöchige Kurse, die sich an junge, potentielle Führungskräfte aus atomaren Neueinsteiger-Entwicklungsländern richten. Das Ziel ist es, künftige Führungskräfte auszubilden, die in Institutionen und Behörden Atomenergie- Programme managen können und zwar für den Sektor der Atomindustrie, sowie den akademischen und öffentlichen Bereich. In Japan und Amerika wurden ähnliche Schulen eröffnet.

Die IAEO hat Neueinsteigerprogramme entwickelt, die weltweit in folgenden Regionen eingeführt und ausgebaut werden, globale Netzwerke sollen entstehen:

Asien- und Pazifik-Region

Europa

Latein Amerika

Afrika   [ 4 ]

 

2008  < China beginnt mit dem Bau des AP 1000.

 

< Das Deutsche Atomforum „kauft die Düsseldorfer  Agentur DAA, um Journalisten mit gezielter Lobbypropaganda zu beeinflussen. Es geht in der millionenteuren Kampagne um

strategische Kommunikationsberatung, die Atomkonzerne E.on, RWE, EnBW und Vattenfall schicken ihre Kommunikationsexperten. „Die Dokumente (im taz-Artikel zum Download verlinkt) bieten Einblick in die Arbeit einer Lobby, die sich für eine hochprofitable und hochgefährliche Technologie einsetzt. Sie geben Einblick in eine Welt von Hintergrundgesprächen und bezahlter wissenschaftlicher Expertise, lancierten Presseartikeln und verdeckten Einflussnahmen.“ Ziel war es, die Laufzeitverlängerung der deutschen Atomkraftwerke zu erreichen, was nach der Bundestagswahl 2009 dann


zunächst auch gelang. [ 5 ]

 

2009  < Rubbia wird Sonderberater für Energie des Generalsekretärs der UN-Wirtschafts- kommission für Lateinamerika und die Karibik (ECLAC / CEPAL).

 

< Gründung des KIT mit Atomlobbyist Peter Fritz als Vizepräsident; Fritz wird im Jahr darauf Vizepräsident des Deutschen Atomforums (DAtF).

 

< Die belgische Regierung verschiebt den geplanten Kernenergieausstieg.

 

< Die internationale Atomenergieorganisation IAEA veranstaltet die International Conference on Opportunities and Challenges for water cooled reactors in the 21. century“ und gibt mit dem weltweit agierenden AKW- Weltmarktführer Westinghouse die Broschüre heraus: „AP 1000: The PWR revised“.

 

< England: Eröffnung des „Global Nuclear Skills Institute“, dieses soll Verbindungen für die entscheidenden Kompetenzen zwischen dem zivilen Sektor und dem Verteidigungsbereich knüpfen.

 

< Die Vereinigten Arabischen Emirate bestellen in Südkorea 4 Atomkraftwerke. Undatiert: Ein Projektleiter des CERN, Dr. Yacine Kadi, der auch Professor im Energiebereich der Universität von Südkorea ist, erklärt das Potential von Atomreaktoren der nächsten Generation, sowie „die Vorteile von Thorium als alternative Quelle für atomaren Brennstoff“. Ende der der 1990er Jahre arbeitete er mit Rubbia zusammen an einem „thoriumbetriebenen, beschleunigergetriebenen System, das flüssiges Blei als Kühlmittel nutzt. Danach war Kadi in beratender Position für die südkoreanische Regierung tätig und zwar in Bezug auf die Entwicklung von thoriumgetriebenen Atomreaktoren für die Vereinigten Arabischen Emirate. Kadi setzt seine Arbeit am CERN fort, wo er ein Projekt zu einer radioaktiven Ionenstrahl-Anlage leitet.  [ 6 ]

Am CERN befindet sich u.a. die Beschleuniger-Anlage ISOLDE, damit können radioaktive Ionenstrahlen für Atom- und Kernexperimente erzeugt werden. Kadi führte hier Versuche mit Flüssigmetall-Targets durch und verglich diese mit numerischen Simulationen.  [ 7 ]

 

2010  < Die französische Atomenergiekommission CEA initiiert mit dem Programm ASTRID

einen  Demonstrationsreaktor der vierten Generation.

 

2011  < China gründet den Staatskonzern CNNC New Energy Company, um SMR-Technologien zu fördern (dies sind Kleine Modulare Atom-Reaktoren bis ca. 300MW).  Im November

2015 plant die CNNC eine Minderheitsbeteiligung an dem finanziell angeschlagenen

AREVA-Konzern zu übernehmen.   [ 8 ]

 

< Die IAEO etabliert in Wien das sogenannte Nuclear Law Institute“, um die „zunehmende Nachfrage nach juristischer Unterstützung der Mitgliedsstaaten, speziell zum Verfassen nationaler, atomrelevanter Gesetzgebung“ zu befriedigen.  [ 13 ]

 

2012  < Die IAEO unterzeichnet mit der Präfektur Fukushima ein Memorandum of Cooperation“, in dem u.a. vereinbart wurde, dass die IAEO die Medizinische Universität Fukushima im Bereich  der Fukushima-Gesundheitsfolgen „unterstützt“. Das heißt, die IAEA ist damit unmittelbar an der Schilddrüsenkrebsstudie beteiligt. Dies wirft Fragen hinsichtlich der Unabhängigkeit und Objektivität der Ergebnisse auf.  [ 9 ]

 

< Am CERN wird das Internationale Thorium Energy Committee“ (= iThEC) von


Wissenschaftlern, Ingenieuren, Politikern und Wirtschaftsvertretern gegründet, um Carlo Rubbias Idee der mit Thorium betriebenen, flüssigmetallgekühlten und beschleunigergetriebenen Transmutationsreaktoren voranzutreiben.  [ 10 ]

 

< Das CERN erhält einen Beobachterstatus bei der Generalversammlung der UN. Dieser besondere Status verleiht dem CERN das Recht, bei Konferenzen der Generalversammlung zu sprechen, bei formellen Abstimmungen zu votieren und UN-Resolutionen zu unterstützen und zu unterzeichnen, nicht jedoch über sie mit abzustimmen.

 

2013  < Vertragsverlängerung der am KIT-IKET angesiedelten AREVA-Nuklearschule ANPS mit dem KIT.

 

< Die FALCON-Konsortium-Vereinbarung wird in Bukarest / Rumänien unterzeichnet, unter Beteiligung der italienische ENEA. Es ist der erste Schritt hin zur Konstruktion einer ALFRED genannten  Demonstrationsanlage für die vierte Generation eines schnellen, mit flüssigem Blei gekühlten Atom-Reaktors. (= Advanced Lead Fast Reactor European Demonstrator)   [ 1 ]

 

< Rubbia hält auf der Internationalen Thorium-Konferenz ThEC13 am CERN den Eröffnungsvortrag, in dem er u.a. darlegt, das radioaktives Thorium aus den Abgasen von Kohlekraftwerken gewonnen werden kann, um es anschliend als nuklearen Brennstoff für Atomkraftwerke zu verwenden.

Die IAEO beteiligt sich an der ThEC13-Konferenz mit dem Abgesandten U. Basak und dem Thema Thorium fuel cycle activities in IAEA.  [ 11 ]

2015 findet die ThEC15 in Mumbai, Indien statt.

 

2014  < Die Türkei wird assoziiertes Mitglied des CERN

 

< AREVA stellt in Aserbaidschan Pläne zum Bau eines Forschungsreaktors vor. Minister Abbasow erklärt, Aserbaidschan habe bereits begonnen, mit der IAEO und dem CERN zusammenzuarbeiten.  [ 12 ]

 

< Seit 2009 wurden von der IAEO 12 „Integrierte Nukleare Infrastrukturbewertungen“ (= INIR) durchgeführt, und zwar in Weißrussland, Bangladesh, Indonesien, Jordanien, Polen, Südafrika, Thailand, Türkei, Vereinigte Arabische Emirate und Vietnam.

Des Weiteren hat die IAEA „Integrierte Nukleare Sicherheits-Unterstützungs-Pläne“ (= INSSP) mit mehreren Staaten, die Atomkraft-Programme beginnen, entwickelt oder beendet, darunter Bangladesh, Weißrussland, Jordanien, Nigeria, Vereinigte Arabische Emirate und Vietnam. Entwicklungen mit verschiedenen weiteren Neueinsteigerstaaten sind auf den Weg gebracht.  [ 13 ]

 

< Ein Abgesandter der IAEO referiert am KIT-IKET zu einem Überblick von CANDU- Reaktor-Technologie und superkritischen SCWR-Reaktoren.  [ 14 ]

CANDU-Reaktoren sind mit Natururan betriebene Druckröhrenreaktoren, was technisch den Bau solcher AKW erleichtert und zugleich eine relativ einfache Gewinnung von Waffenplutonium ermöglicht. Zusammen machen diese Merkmale den Reaktortyp besonders interessant für Schwellen- und Entwicklungsländer, ergeben damit aber auch ein erhöhtes Risiko der Weiterverbreitung von Kernwaffen. … Indien baute mit CANDU- Know-How und Technologie sein Atomwaffen-Arsenal auf.  [ 15 ]

 

< In fortgeschrittenen CANDU-Reaktoren wie dem AFCR kann sowohl wiedergewonnenes

Uran als auch Thorium als atomarer Brennstoff eingesetzt werden. Eine Absichtserklärung


zum Bau dieser Reaktoren zwischen Kanada und der chinesischen CNNC dient auch als Rahmen bei Uranabbauprojekten in China. In Rumänien sind bereits CANDU-Reaktoren in Betrieb.         [ 39 ]

 

< Bolivien schmiedet sein erstes Atomprogramm, die IAEA berät den Andenstaat beim Einstieg in die Nutzung der Kernenergie. In Vorbereitung zum Atomeinstieg soll im zweiten Halbjahr 2015 an der bolivianischen Universität von San Andrés ein virtueller Reaktor gestartet werden, der sein Betriebssignal aus Argentinien beziehen wird. Ecuador und Kuba werden es Bolivien gleichtun.  [ 16 ]

2015: Der russische Staatskonzern ROSATOM und der bolivianische Energieminister Sanchez unterzeichnen eine Vereinbarung zum Aufbau eines Kernenergieprojekts in Bolivien, damit zieht Bolivien nunmehr mit Ländern wie Venezuela, Argentinien, Peru, Kuba und Brasilien gleich, die bereits Kooperationen mit ROSATOM eingegangen sind. ROSATOM gilt als eine der weltgrößten Institutionen in der zivilen und militärischen Atomindustrie. Nach eigener Darstellung ist der Staatskonzern weltweit führend im laufenden Aufbau von Atomreaktoren und kontrolliert etwas mehr als ein Drittel des globalen Marktes für Urananreicherung.  [ 17 ]

 

< Ein in St. Petersburg ansässiges Tochterunternehmen von ROSATOM soll für den russischen Schnellen Hochfluss-Mehrzweck-Forschungsreaktor MBIR den Reaktordruckbehälter und Reaktoreinbauten liefern. Der MBIR soll nach Fertigstellung

über Versuchskreisläufe mit Flüssigmetallen, Flüssigsalzen und Gas verfügen.   [ 41 ]

 

< Am KIT-INR findet das Seminar CFD-Simulation zum Übergang an strukturierten Oberflächen“ statt. Dies geschieht in Anlehnung an gasgekühlte Gen. IV- Reaktorsysteme“.   [ 18 ]

 

< Ebenfalls am KIT-IKET findet eine Kolloquium genannte Werbeveranstaltung des atomaren Weltmarktführers  Westinghouse statt zum Thema SMR- For Electricity and Alternative Applications“.  [ 19 ]

 

< China betreibt mit der CNNC Vorstudien zum Bau eines ACP100-Reaktors. Dieses Reaktorsystem zählt zu den SMR, nach Angaben der IAEO handelt es sich um ein fortgeschrittenes, mit Leichtwasser gekühltes Mehrzweck-Reaktormodul, bei dem bis zu sechs hintereinander kombiniert werden können.  [ 20 ]

 

2015  < Nach Angaben der iranischen Nachrichtenagentur Fars unterstützt China den Iran bei Kernkraftwerksprojekten. Der Leiter der iran. Atomenergiekommission Salehi besuchte zudem mehrere Nukleareinrichtungen in China und sprach mit chinesischen Vertretern

über den Bau kleiner modularer Reaktorsysteme des Typs ACP 100.     [ 21 ]

 

< Die beiden Staatskonzerne AREVA (Frankreich) und die chinesische CNNC unterzeichneten eine Absichtserklärung, wonach die CNNC eine Minderheitsbeteiligung an der AREVA übernehmen könnte. Diese mögliche Partnerschaft würde laut AREVA sämtliche Aktivitäten des Brennstoffzyklus umfassen. Diese sind von der derzeit laufenden Übernahme des Geschäftsbereichs AREVA NP durch die franz. EDF nicht betroffen.   [ 22 ]

 

< Der französische Energieversorger EDF plant den Bau von 30-40 der vom französischen Atomkonzern AREVA entwickelten Druckwasserreaktoren EPR. Dies teilte der Chef des Staatskonzerns EDF, Levy, mit [ 23 ]

 

< AREVA entwickelt Kernbrennstoff für Kleine Modulare Reaktoren (SMR) der


amerikanischen Firma NuScale. Es geht dabei um einen Leichtwasserreaktor, die NuScale will den Kernbrennstoff in die Reaktor-Auslegungszertifizierung integrieren. [ 24 ]

 

< In Piacenza, Italien laufen NuScale-Dampferzeugertests für den Einsatz in kleinen modularen Leichtwasserreaktoren (SMR) an.  [ 25 ]

 

< Eine von Westinghouse geführte internationale Gruppe von Nuklear-Instituten, darunter das Institut für Transurane ITU am KIT Nord, erhält EU-Förderung, um die Kernbrennstoffversorgung  für Atomreaktoren russischer Bauart in der EU zu sichern und voranzutreiben. Westinghouse übernimmt dabei u.a. die Rolle des Projektkoordinators.

Es geht um die Entwicklung, Lizenzierung und Herstellung von Nuklear-Brennstoff, Lizenzierungsprozesse für Druckwasserreaktoren, ect. In der EU gibt es zur Zeit 131

Kernkraftwerke, von denen mehr als 60% auf Westinghouse-Technologie basieren. [ 26 ]

 

< Der Vizepräsident von Westinghouse Lateinamerika, Carlos Leipner, äußert sich im Rahmen des 26. Jahreskongresses der Nuklear Society von Mexiko wie folgt: „Kernenergie sei in einzigartiger Weise geeignet, den Energiebedarf Mexikos durch eine verlässliche Stromerzeugung zu decken und damit Wirtschaftswachstum und einen hohen Lebensstandard zu ermöglichen. Bei der Kooperation von Westinghouse mit Partnern in Mexiko wird das Unternehmen seine langjährigen Erfahrungen in der Zusammenarbeit mit Ländern in aller Welt einflien lassen, damit diese ihre kommerziellen Kernenergieprogramme vorantreiben können. Dabei werden eine umfassende Palette an Dienstleistungen und Brennelementen für den Betrieb der Anlagen bereitgestellt. Westinghouse bietet u.a. das AP 1000, ein Kernkraftwerk der Generation III+ an,  dieses soll für Mexiko ganz besonders geeignet sein, so Leipner.  [ 27 ]

 

< Wieder findet am KIT-IKET eine Westinghouse-Veranstaltung statt, diesmal zu deren

Druckwasserreaktor vom Typ AP1000, dessen Technologie, und Projekt-Updates  [ 28 ]

 

< Das dritte AKW der Türkei soll nahe der bulgarischen Grenze gebaut werden. Sowohl Westinghouse als auch ein chinesischer Mitbieter hoffen, den Auftrag zum Bau von vier Einheiten des Typs AP 1000 zu erhalten. [ 29 ]

 

< Der chinesische Staatskonzern CNNC will das vierte argentinische Atomkraftwerk bauen (Atucha 3), es soll die CANDU-Reaktortechnologie verwendet werden, die auch Waffenplutonium erzeugen kann. Ein Rahmenwerk für ein fünftes AKW wurde unterzeichnet, es soll ein Druckwasserreaktor der dritten Generation werden.  [ 30 ]

 

< Die kanadische Terrestrial Energy Inc. will die Entwicklung ihres Integralen Schmelzsalz- Reaktors (IMSR) vorantreiben und arbeitet zu diesem Zweck neu mit dem amerikanischen Oak Ridge National Laboratory (ORNL) zusammen. Der IMSR ist modular aufgebaut und kann zu den SMR gerechnet werden. Das ORNL zählt zu den Spitzenreitern in der Erforschung neuer Reaktortechnologien.   [ 31 ]

(Das ORNL wurde in den 1940er Jahren zur Atombombenherstellung gegründet, es ist seit dieser Zeit Amerikas nationales Zentrum zur Entwicklung und Anwendung von Techno- logien zur Anreicherung von Uran, was auch der nuklearen Brennstoffentwicklung  dient.) Am KIT-INR finden 2014 zwei Seminare mit Vortragenden des ORNL zu atomaren Anwendungen statt, einmal geht es um „nuclear data needs [ 32 ], das andere Mal geht es um „reactor physics“, accelerator design“, Monte Carlo Codes“.   [ 33 ]

 

< Am KIT-IKETwird ein Kolloquium zu Schmelz-Salz-Reaktoren abgehalten. Der sogenannte MSFR kann als Brüter-Reaktor im Thorium-Brennstoffkreislauf operieren oder


als Transmutationsreaktor gefüllt mit Plutonium und minoren Aktiniden. [ 34 ]

 

< Anlässlich eines Auftritts in Singapur bekräftigte IAEO-Generaldirektor Amano seine Unterstützung zur Erforschung und Weiterentwicklung von SMR. Besonders kleine Länder wie etwa Singapur würden davon profitieren, je nach Bedarf auch im Rahmen regionaler Kooperationen. Weltweit befänden sich 45 unterschiedliche innovative SMR-Konzepte in verschiedenen Forschungsstadien und in Argentinien, China, Indien und Russland würden bereits SMR gebaut.

 

< Eine neue britische Studie hat untersucht, wie sich große Kernenergieeinheiten  und kleine

Modulare Reaktoren (SMR) in Zukunft ergänzen können  [ 35 ]

 

< Ein KIT-INR- Seminar zum belgischen MYRRHA – Demonstrationsreaktor findet statt; behandelt werden beschleunigergetriebene Anwendungen (ADS), Materialtests für die vierte Generation von Atomkraftwerken, sowie die Technologie von bleigekühlten schnellen Reaktoren.   [ 36 ]

 

< Ein weiteres Seminar des KIT-INR befaßt sich mit Brennstoffen von Druckwasser- Reaktoren [ 37 ]

 

< Die ROSATOM gibt bekannt, dass sie ihre Tochtergesellschaft „JSC Rusatom Overseas

in

drei Unternehmen aufteilt. Eines davon, die neue „JSC Rusatom Overseas Inc.“ werde zur russischen Drehscheibe für Kernenergie, welche die Verantwortung für die weltweite Vermarktung von ROSATOMs nuklearen Neubauprojekten übernimmt.

 

< ROSATOM und Ägypten beschliessen die Zusammenarbeit über den Bau von vier AKWs, die ca. 300 km westnordwestlich von Kairo entstehen sollen. [ 49 ]

 

< Die EU gründet eine „hochrangige Gruppe wissenschaftlicher Berater“, die die EU- Kommission in einem weiten Spektrum wissenschaftlicher Belange beraten soll.

Genügend Unterstützung und Unabhängigkeit vorausgesetzt, werden sie eine wertvolle Ressource sein“, so die Hoffnungen... Der einzige Wissenschaftler, der darin für Energiefragen zuständig ist, ist der Leiter des Kernforschungszentrums CERN, Rolf-Dieter Heuer... [ 38 ]

 

Die IAEO hat bereits in den oben erwähnten Neueinsteigerstaaten Lizenzierungs- und Trainingsprogramme zum Kernenergieeinstieg absolviert. Dies geschieht weitgehend ungeachtet von teilweise massiven Demokratiedefiziten, erhöhter Terror- und Proliferationsgefahr. Staatsfirmen wie die französische AREVA, die russische ROSATOM oder die chinesische CNNC, sowie der Konzern Westinghouse sind bereits sehr aktiv, um weltweit Absichtserklärungen und Verträge über den Absatz ihrer jeweiligen Nukleartechnik abzuschlien.

 

Wie kann auf ehrliche Weise der von der Bundesregierung beschlossene Atomausstieg gelingen, wenn die Brisanz und das Risiko gerade im oben beschriebenen internationalen Atom-Kontext so ignoriert werden und wenn mit denselben Personen eine Lösung angestrebt wird, die offensichtlich Teil des Problems sind? Wie sollen Atomlobbyisten und Verfechter von neuen Atomreaktor- systemen eine integre Energiewende vorantreiben, während sie offensichtlich  überwiegend daran arbeiten, die internationalen Atomkonzerne zu unterstützen und auf vielltige Weise einem weltweiten Nuklearen Markt den Weg zu ebnen. Steuergelder, Forschungskapazitäten und entsprechendes Know-How fließen immer noch – auch unter Beteiligung des KIT in die falsche Richtung.


Wie kann es sein, das das KIT angesichts dessen weiterhin Konzernen wie AREVA, Westinghouse und Institutionen wie ORNL und IAEO zu diesen Themen ein Podium bietet? Offensichtlich wird der deutsche Atomausstieg mit Unterstützung des KIT auf dem internationalen Parkett hintertrieben.

Der schöne Schein“ oder das „zweite Gesicht“, was trifft mehr zu??

Ist das KIT willfähriger Handlanger in diesem desaströsen Spiel oder verantwortlicher Akteur? Wer trägt die Verantwortung für diese offensichtlich strategisch gewollte Entstehung der internationalen nuklearen Begehrlichkeiten und Versuche, die Atomwirtschaft wieder anzukurbeln und für nukleare Neueinsteigerstaaten attraktiv zu machen?

 

 

 

Quellenverzeichnis:

 

[ 1 ]    European Nuclear Society ENS: (www.euronuclear.org/e-news/e-news-43/ansaldo.htm) [ 2 ]           (www.nzz.ch/wirtschaft/unternehmen/grosse-plaene-mit-kleinen-teilchen-1.18634826)

[ 3 ]    (IAEA-Broschüre „Milestones in the Development of a National Infrastructure for Nuclear

 

           Power“, 2015,  www.nuklearforum.ch/de/aktuell/e-bulletin vom 14.09.2015)

[ 4 ]    (IAEA-Broschüre „Developing Infrastructure, S. 11 und 19-20, März 2014)

[ 5 ]    (taz vom 29.10.2011)

 

[ 6 ]    (Homepage der Universität von Waterloo, Kanada:  www.wgsi/yacine-kadi) [ 7 ]           (http://publications.crs4.it/pubdocs/2010)

[ 8 ]    (www.nuklearforum.ch/de/aktuell/e-bulletin   vom 05.11.2015) [ 9 ]           (Newsletter IPPNW, 11.11.2015)

[ 10 (www.ithec.org)

 

[ 11 ]  (Programm ThEC13)

 

[ 12 ]  (www.nuklearforum.ch/de/aktuell/e-bulletin   vom 16.09.2014)

 

[ 13 ]  (IAEA-Broschüre „Developing Infrastructure“, S. 6-9, März 2014)

 

[ 14 ]  (28.10.2014 am KIT-IKET, Dr. M. Krause von IAEO.

           Kolloqien:  www.iket.kit.edu) [ 15 ]  (Wikipedia – CANDU)

[ 16 ]  (amerika 21, 23.11.2014)

 

[ 17 ]  (amerika 21, 10.10.2015, Autor: A. Hetzer) [ 18 ]  (08.12.2014, M. Böttcher, vom INR)

[ 19 ]  (Kolloquium 17.06.2014, KIT-IKET, Dr. H. Herbell, Westinghouse: „SMR...) [ 20 ]  (www.nuklearforum.ch/de/aktuell/e-bulletin    vom 03.07.2014)

[ 21 ]  (www.nuklearforum.ch/de/aktuell/e-bulletin   vom 08.09.2015) [ 22 ]  (www.nuklearforum.ch/de/aktuell/e-bulletin   vom 05.11.2015) [ 23 ]  (tageblatt.lu/AFP, 23.10.2015)

[ 24 ]  (www.nuklearforum.ch/de/aktuell/e-bulletin   vom 27.02.2015) [ 25 ]  (www.nuklearforum.ch/de/aktuell/e-bulletin   vom 18.02.2015)

[ 26 ]  www.businesswire.com/news/home/20150629005557/de/) [ 27 ]   www.businesswire.com/news/home/20150707006642/de/)

[ 28 ]  (07.Juli 2015, KIT-IKET, Dr. H. Herbell, Westinghouse.

           Kolloqien:  www.iket.kit.edu)

[ 29 ]  (www.nuklearforum.ch/de/aktuell/e-bulletin      vom 20.10.2015)

[ 30 ]  (www.german.china.org.cn/     vom 7.11.2015)

 

[ 31 ]  (www.nuklearforum.ch/de/aktuell/e-bulletin   vom 9.01.2015)

[ 32 ]  (01.12.2014 am KIT-INR, Dr. Luiz Leal, ORNL)

[ 33]   (30.06.2014 am KIT-INR, Dr. Robert Grove, ORNL)

 

[ 34 ]  (30.06.2015, Klosterman, Delft, Kolloqien:  www.iket.kit.edu)

 

[ 35 ]  (www.nuklearforum.ch/de/aktuell/e-bulletin   vom 21.10.2015)

[ 36 ]  (15.06.2015 am KIT-INR, Giulia Morresi, Pisa, Italien)

[ 37 ]  (19.10.2015 am KIT-INR, Vincenzo Romanello vom INE)

[ 38 ] (Süddeutsche online, 11.11.2015)

[ 39 ]  (www.nuklearforum.ch/de/aktuell/e-bulletin    vom 31.07.2014)

[ 40 ]  (www.iket.edu/580.php)

[ 41 ]  (www.nuklearforum.ch/de/aktuell/e-bulletin    vom   08.05.2014)

[ 42 ]  (www.nuklearforum.ch/de/aktuell/e-bulletin    vom 25.11.2015)

[ 43 ]  (KIT-PI 139)

[ 44 ]  https://cds.cern.ch/record/1624293)

 

[ 45 ]  (ithec.org/wp-ontent/uploads/2015/10/Revol.ThEC15.parallel.04.pdf)

[ 46 ]  (CERN-Thesis-2009-143)

[ 47 ]  (www.nuklearforum.ch/de/aktuell/e-bulletin   vom     08.05.2014    und  vom 14.09.2015)

[ 48 ]  (WAZ online vom 24.05.2007)

  [ 49 ]  (www.nuklearforum.ch/de/aktuell/e-bulletin

Atommüll: Beispiel: Karlsruhe

 

Die Halle ist voll

 

Im Norden von Karlsruhe, in der Nähe der kleinen Gemeinde Eggenstein-Leopoldshafen, liegt das ehemalige Kernforschungszentrum Karlsruhe – heute Karlsruher Institut für Technologie (KIT-Nord).

Nach 23 Jahren Wiederaufarbeitung steht hier das nun größte oberirdische Zwischenlager der Republik mit Zigtausend Fässern Atommüll. Fast 1.700 davon sind rostig. Dennoch sind weitere Hallen für noch mehr Strahlenmüll geplant. Und ungeachtet der Entsorgungs-Probleme vor der eigenen Haustür forscht man fleißig an einem Atomreaktor der „IV. Generation“.

 

Das KIT-Nord wurde 1956 gegründet und betrieb mehrere Forschungsreaktoren. Darunter den Forschungsreaktor 2 (FR 2) als ersten in Eigenbau realisierten deut-schen Natururanreaktor, den Brutreaktor-Prototyp  „Kompakte Natriumgekühlte Kernreaktor-anlage“ (KNK II – der erste hatte vor seiner Beladung mit Brennstäben einen Natrium-brand), die 1990 stillgelegte Wieder-aufarbeitungsanlage Karlsruhe (WAK) sowie den Mehrzweckforschungsreaktor (MZFR).

In der WAK wurde die Technologie erprobt, die später einmal im bayerischen Wackersdorf kommerziell genutzt werden sollte. Daraus wurde dort aber nichts, weil der Widerstand der Bevölkerung zu stark war. 1991 war in Karlsruhe Schluss mit der Wiederaufarbeitung von Brennstäben. Übrig blieben 70.000 Liter hochradioaktive Flüssigabfälle, „High Activ Waste Concentrate“ (HAWC) genannt, die zwischen September 2009 und November 2010 in der eigens dafür gebauten Verglasungsanlage bearbeitet, verglast und in sogenannte Kokillen gefüllt wurden.

Diese, immer noch hochradioaktiv, wurden dann in Castor-Behältern nach Lubmin ge-bracht. Seither sind die über 1.000 Beschäftig-ten mit dem weiteren Abriss der Atom-reaktoren und der WAK beschäftigt.

 

Stetige Freisetzung radioaktiver Teilchen

Auf dem Gelände befindet sich die einzige De-kontaminationsanlage, in der auch Plutoium-kontaminierte Atomabfälle bearbeitet werden. Aus der Verbrennungsanlage kommt es bis heute zur Freisetzung von radioaktiven Teil-chen in die Umgebung. Außerdem ist in Karlsruhe Deutschlands größtes oberirdisches Lager für schwach- und mittelradioaktive Abfälle. Von den dort gelagerten rund 65.000 Atomfässern sind bereits 1.700 von Rost befallen.

Da dieses Lager seine Kapazitätsgrenze erreicht

hat und weil kein „Endlager“ zur Verfügung steht, müssen die Zwischenlagerkapazitäten bei Karlsruhe kräftig aufgestockt werden. Dazu plant die WAK Rückbau- und Entsorgungs-GmbH einen großen Neubau für schwach-radioaktive  Abfälle  und  einen  kleineren    für

mittelradioaktiven Müll. So sollen nach dem Abriss der Atomreaktoren-Prototypen aus der Zeit des früheren Kernforschungszentrums rund weitere 30.000 Kubikmeter radioaktiver Müll untergebracht werden.

In den 1960er und 1970er Jahren wurde Atommüll aus der WAK in großem Stil ins ehemalige

Salzbergwerk Asse bei Wolfenbüttel (siehe

Seite 18) gekippt. Die Hälfte der Fässer und sogar rund 90 Prozent des Aktivitätsinventars in der Asse stammt aus Karlsruhe, darunter 28 Kilogramm Plutonium. Weil das Bergwerk ab-zusaufen droht, soll der strahlende Müll in den nächsten Jahrzehnten wieder geborgen werden. Dabei  kommen   auf    die     SteuerzahlerInnen

Milliardenkosten zu.

Schon ohne die Asse-Kosten dürfte der gesamte

Rückbau der Alt-Atomanlagen bei Karlsruhe deutlich mehr als fünf Milliarden Euro kosten. EnBW, Eon und RWE beteiligten sich daran 1996 mit einer halben Milliarde Euro und sind seither fein raus. Den Großteil finanzieren das Land Baden-Württemberg zu 8,2 Prozent und der Bund zu 91,8 Prozent.

 

„Brennstäble“ für neue Reaktortypen

Auf dem Gelände des KIT-Nord befindet sich auch das Institut für Transurane (ITU). Es wird zu 100 Prozent von der Europäischen Union finanziert. Das Institut beschäftigt rund 400 MitarbeiterInnen.

Unter dem Greenwashing-Deckmantel „Sicher-heitsforschung“ wird hier an Kernbrennstoff für neue AKW der sogenannten IV. Generation ge-forscht und ‚Brennstäble‘ gebaut, ohne die es diese AKW nicht geben wird. Daran wie auch an der Partitionierung und Transmutation von Atommüll (Partitioning and Transmutation, P&T) wird nicht nur im ITU, sondern in vertraulicher Gemeinschaft auch im KIT-Nord – hier unter dem Mantel der Helmholtz-Gesellschaft – geforscht.

 

Plutonium in allen Aggregatzuständen

Mit dem Argument, das ITU kümmere sich um „Sicherheits“-Fragen, erteilte der grüne Um-weltminister 2012 eine Umgangsgenehmigung für 80 Kilogramm Plutonium in allen Aggregat-zuständen, 825 Kilogramm Uran, 450 Kilo-gramm Thorium  plus   viele  andere Nuklide in

kleineren Mengen. Die braucht man nicht – wie behauptet – für die Enttarnung von Atom-schmugglerInnen, der Ausbildung von Zollbe-amtInnen oder für medizinische Forschungen, sondern für die Weiterentwicklung der Atom-Technologie. Was politisch als beendet gilt, wird in Karlsruhe auf wissenschaftlicher Ebene mit dem Segen der grün-roten Landesregierung munter weiter betrieben.

Die EU fördert mit viel Geld die Forschungen

im ITU am Brennstoff für neue Atomreaktoren.

Die 370 MitarbeiterInnen forschen dabei nicht allein an den – in Hochglanzbroschüren ver-breiteten – Arbeitsfeldern für die Medizin oder Forensik.

Vielmehr vernebelt man die Mitarbeit an der von einigen europäischen Staaten gewünschten Fortführung der Atomenergie. Diesmal in einer modernen Ausführung der Schnellbrüter-technologie und der Wiederaufarbeitung.

 

 

Harry Block

Mitglied des BUND-Vorstandes Mittlerer Oberrhein

 

Mehr Infos:

www.bund-mittlerer-oberrhein.de

 


 

 

Kernforschungszentrum und Wiederaufarbeitungsanlage Karlsruhe

 

Zahlen und Fakten

 

• Bau des ersten Atommüll-Lagers: 1958

• Reaktion auf zu hohe Strahlungswerte 1974:

   Zaun wird weiter nach außen versetzt

• Lager für schwach- und mittelradioaktive   

   Abfälle heute: 6

• Gelagerte Atommüll-Menge (Oktober 2012):

   67.200 m³

• Lagerkapazität: 78.000 m³

• Erweiterung beantragt um: 30.000 m³

• Hoffnung: Einlagerung in „Schacht Konrad“    

   ab 2023

• „Wiederaufarbeitungsanlage“ Karlsruhe   

   (WAK):     1971–1990

• Baukosten: ca. 30 Mio. €

• Angefallene hochradioaktive „Atomsuppe“:

   70.000 Liter

• Bisherige „Lösung“ dafür: Verglasung und

   Abtransport ins Zwischenlager Lubmin

• Gesamtkosten für Abriss der WAK:

   ca. 5 Mrd. €

 

 

 

Fazit:

 

Die EU fördert mit viel Geld die Forschungen

im ITU am Brennstoff für neue Atomreaktoren.

 

Weil kein „Endlager“ zur Verfügung steht,

müssen die Zwischenlagerkapazitäten kräftig

aufgestockt werden.

 

 

11. Oktober 2016

Fusionsfiber im KIT Nord ungebremst

Die BNN berichteten  am  23.08.2016 über die Aktivitäten in Sachen Fusion am Karlsruher Institut für Technologie völlig unkritisch unter dem Titel :  KIT bei Kernfusion mit im Boot

 Wie in den Anfangszeiten des Kernforschungszentrum Karlsruhe wurde in dem Artikel völlig unbedarft die Jubelmeldungen aus der Wissenschaft verbreitet.

Einst wurden in die Kernspaltung der heute üblichen Atomkraftwerke euphorische Erwartungen gesetzt. Von Gefahren sprach kaum jemand. Heute wird wieder derselbe Fehler begangen: Es wird so getan, als seien die Risiken der kontrollierten Kernfusion beherrschbar und unsere Energieprobleme mit dieser Technik ohne große Gefahren lösbar.

 

Aber es gibt einige Probleme und Risiken, die mit der Kernfusion verbunden sind, die leider in dem Artikel – wie auch das Wort „radioaktiv“ – nicht erwähnt werden.

 - Die Kernfusion ist mit extremer Neutronenstrahlung verbunden. Deshalb muss der Reaktor mit einem dicken Schutzmantel umgeben sein, der die Strahlung abfängt. Diese Strahlung schädigt aber das Material des Mantels ständig und verursacht außerdem neue radioaktiv verstrahlte Materialien. Daher müssen die Teile des Mantels in bestimmten Zeitabständen ausgetauscht werden. Das heißt, in Kernfusionskraftwerken entstehen ähnliche Problemstoffe wie in Atomkraftwerken: hochaktiver Atommüll.

 

- Wasserstoff ist ein hochexplosives Gas. Die Wasserstoffatome sind die kleinsten Atome, die es gibt, und „schlüpfen“ (diffundieren) daher in kleinen Mengen selbst durch dicke Stahlwände. So natürlich auch die radioaktiven Wasserstoffatome, die bei der Fusion vorkommen.

 - Für die Fusion braucht man radioaktiven Wasserstoff. Wasserstoff existiert in der Natur in Form von drei Isotopen. Zwei sind stabil: „normaler“ Wasserstoff H1 und schwerer Wasserstoff H2. Überschwerer Wasserstoff D3, wird auch „Tritium“ (T) genannt, ist das dritte Isotop. Es ist instabil (also radioaktiv) und kommt in der Natur nur in kleinsten Spuren vor. Im Fusionsreaktor hat man es mit Deuterium und Tritium zu tun. Tritium muss, weil es in der Natur praktisch nicht vorkommt, mit Hilfe der Neutronenstrahlung aus Lithium „erbrütet“ werden. Tritium ist ein Beta-Strahler mit einer Halbwertszeit von 12,323 Jahren, der sich in allen Lebewesen anreichert.

 

- Für das Gelingen der Kernfusion in einem Fusionsreaktor ist eine extrem hohe Temperatur Voraussetzung (über 100 Millionen Grad). Dass damit Probleme und Gefahren verbunden sind, bedarf wohl keiner Erläuterung. Im Innern der Sonne herrscht hingegen extremer Druck (350 Millionen Mal so groß wie in der Erdatmosphäre in Bodennähe), sodass die Kernfusion bereits bei 16 Millionen Grad stattfindet.

 - Die Verwendung des Alkalimetalls Lithium, das in geschmolzenem Zustand zum Einsatz kommt, stellt ein weiteres Risiko dar. Aus Lithium wird – wie bereits erwähnt – Tritium erbrütet. Zugleich dient es aber auch als Mittel zum Transport der Hitze vom Reaktor zum Kessel („Kühlmittel“). Dieses Metall ist äußerst reaktionsfreudig und darf daher auf keinen Fall mit Wasser in Berührung kommen, weil es sonst zu heftigen Reaktionen=Explosionen kommen kann. Von der ständigen Brandgefahr ganz zu schweigen.

 „Die Sonne nachahmen“, das klingt natürlich sehr verführerisch. Wenn Befürworter der Kernfusion zugeben, dass bezüglich der friedlichen Nutzung der Fusion noch entscheidende Fragen offen sind, so weckt das Wörtchen „noch“ Hoffnung und rechtfertigt sozusagen großzügige staatliche Förderungen auch im KIT.

Es wäre tausendmal besser, die Finger von der Kernfusion zu lassen, sich somit eine Menge nachfolgender Sachzwänge zu ersparen und stattdessen im KIT  in den Bereichen erneuerbare Energie und Energieeffizienz die Forschung großzügig zu fördern.

Stattdessen liest man: „Beim internationalen Forschungsprojekt Iter und auch bei anderen Großprojekten zur Kernfusion hat das KIT einen großen Fuß in der Tür.“

 

HB September 2016

16.03.2011

BUND: Auch Philippsburg I muss sofort und dauerhaft vom Netz

Karlsruhe/Philippsburg. Nach der Ankündigung von Ministerpräsident Stefan Mappus, das Atomkraftwerk Neckarwestheim I dauerhaft abzuschalten und stillzulegen, fordert der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland, Regionalverband Mittlerer Oberrhein, auch das Sicherheitsbedürfnis der Bürger rund um das Atomkraftwerk Philippsburg I ernst zu nehmen. Mindestens vier gravierende Sicherheitsmängel von Philippsburg I seien lange bekannt und könnten nicht nachgerüstet werden. Hartmut Weinrebe, Regionalgeschäftsführer des BUND Mittlerer Oberrhein fordert deshalb: „Philippsburg I muss sofort und endgültig abgeschaltet werden. Dieser so genannte Siedewasserreaktor ähnelt in seiner Bauart und seinen Schwachpunkten erschreckend den Katastrophenreaktoren in Fukushima. Zugleich liegt das vor einem Flugzeugabsturz nur unzureichend geschützte Reaktorgebäude unterhalb eines viel beflogenen Luftraums, von der Verwundbarkeit durch Terrorangriffe ganz zu schweigen.“

Mindestens vier nicht gravierende, nicht nachrüstbare Sicherheitsmängel

Schon vor den am Dienstag von der Landesregierung beschlossenen Analysen durch ein neu begründetes Expertengremium sind vier gravierende und nicht nachrüstbare Sicherheitsmängel bekannt:
Das Reaktorgebäude ist kastenförmig und daher im Falle eines terroristischen Angriffs relativ leicht wirkungsvoll zu treffen. Die Decken und Wände des Reaktorgebäudes sind dabei mit einer Wandstärke von 60 cm dünnwandig. Philippsburg I ist damit einer der gegen starke Einwirkungen von außen am schlechtesten geschützten Reaktoren in Deutschland.

Zur besonderen Gefährdung trägt ein zusätzliches Auslegungsdefizit bei: Das Lagerbecken für abgebrannte Brennelemente ist im oberen, ungeschützten Bereich des Reaktorgebäudes untergebracht. Ein Sicherheitsrisiko dessen Fatalität sich derzeit beim Reaktorblock Fukushima 4 beweist.

Gravierende Auslegungsschwäche des Sicherheitsbehälters ist seine stählerne Bodenwanne. Dies ist eine ebenfalls lange bekannte Schwachstelle, die sich bei einem Kernschmelzunfall verheerend auswirken würde. Es wäre mit einem Durchschmelzen dieser Wanne zu rechnen.

Als nicht nachrüstbares und nur unzureichend kontrollierbares Sicherheitsrisiko ist zudem zu nennen, dass der Reaktordruckbehälter nicht wie in neueren Reaktoren aus nahtlosen Schmiederingen gefertigt ist. Bei Philippsburg I besteht deshalb aufgrund der größeren Zahl von Schweißnähten eine erhöhte Gefahr für Rissbildungen im Reaktordruckbehälter. Diese Gefahr nimmt mit jeder Verlängerung des Reaktorbetriebs weiter zu.

Die Pressemitteilung enthält 2589 Zeichen (mit Leerzeichen).

Die BUND-Studie zu den EnBW-Atomkraftwerken finden Sie unter: http://bund.net/fileadmin/bundnet/publikationen/atomkraft/20110309_atomkraft_sicherheit_akw_kurzexpertise.pdf

Pressekontakt:
Hartmut Weinrebe, 0721 358582, bund.mittlerer-oberrhein@bund.net

 

10. Februar 2011

Fragwürdiger Transport von hochgiftigem Atommüll
BUND ruft zu Protest auf

Karlsruhe. Voraussichtlich in der Nacht vom 15. auf den 16. Februar soll ein Transport mit hochgiftigem Atommüll aus der Wiederaufarbeitungsanlage des ehemaligen Kernforschungszentrums Karlsruhe nach Lubmin stattfinden. Ziel der gefährlichen Fahrt, die durch Wohngebiete in Eggenstein-Leopoldshafen und Karlsruhe führt, ist das Zwischenlager Nord beim Ostseebad Lubmin. Die fünf Castorbehälter, die die verglaste „Karlsruher Atomsuppe“ mit 16 Kilogramm Plutonium und 500 Kilogramm Uran enthalten, sollen dort die nächsten 40 Jahre zwischengelagert werden. Eine so genannte „Heiße Zelle“ für die Reparatur beschädigter Castoren steht in diesem Zwischenlager nicht zur Verfügung.

Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), Regionalverband Mittlerer Oberrhein, ruft die Bevölkerung zu Protesten gegen den Transport auf. Nach Einschätzung des BUND ist der Atommüll auch in Lubmin nicht bedeutend sicherer zu lagern. Der geplante Transport ist zudem abzulehnen, weil mit ihm ein Unfallrisiko im dichten Bahnverkehr unter der Woche bei der Fahrt quer durch Deutschland in Kauf genommen wird. Hartmut Weinrebe, Regionalgeschäftsführer des BUND Mittlerer Oberrhein erklärt dazu: „Der hier geplante sinnlose Atommülltourismus verdeutlicht das Drama der Hochrisikotechnologie Atomkraft. Die AKWs müssen jetzt stillgelegt werden und dürfen keine weiteren Abfälle mehr produzieren. Das sinnlose Hin-und-Her-Karren von Atommüll gehört untersagt."

Für den voraussichtlichen Abfahrtstermin des Castors (15./16.2) sind Aktionen und Mahnwachen in Karlsruhe-Neureut und entlang der Transportstrecke unter dem Motto „Nachttanzblockade“ angekündigt.

- Aktuelle Informationen zu Aktionen gibt es hier: http://www.nachttanzblockade.de/
- Informationen zur aktuellen Position und Strecke des Transports: www.castorticker.de
- Hintergrund zur WAK Karlsruhe: www.bund-bawue.de/themen-projekte/atomenergie/wak-karlsruhe/

Hintergrund:
Der Atom-Forschungsreaktor Karlsruhe wurde 1961 in Betrieb genommen. 1971 wurde eine so genannte „Wiederaufbereitungsanlage (WAA) für Versuchszwecke“ auf dem Gelände des Kernforschungszentrums errichtet. Hier entstand durch das Bearbeiten von abgebrannten Brennstäben eine hochgiftige und hochradioaktive Atomsuppe. Diese soll ins Zwischenlager Nord bei Lubmin verbracht werden. Die fünf Castorbehälter enthalten rund 500 Kilogramm Uran und 16 Kilogramm extrem giftiges und Krebs erregendes Plutonium.

Für Rückfragen: Hartmut Weinrebe, BUND Regionalverband Mittlerer Oberrhein: 0721 358582

 



29. Oktober 2016

KIT Nord Atommüll ohne Ende

Atommüll: Beispiel: Karlsruhe

 

Die Halle ist voll HB 2016

 

Im Norden von Karlsruhe, in der Nähe der kleinen Gemeinde Eggenstein-Leopoldshafen, liegt das ehemalige Kernforschungszentrum Karlsruhe – heute Karlsruher Institut für Technologie (KIT-Nord).

Nach 23 Jahren Wiederaufarbeitung steht hier das nun größte oberirdische Zwischenlager der Republik mit Zigtausend Fässern Atommüll. Fast 1.700 davon sind rostig. Dennoch sind weitere Hallen für noch mehr Strahlenmüll geplant. Und ungeachtet der Entsorgungs-Probleme vor der eigenen Haustür forscht man fleißig an einem Atomreaktor der „IV. Generation“.

 

Das KIT-Nord wurde 1956 gegründet und betrieb mehrere Forschungsreaktoren. Darunter den Forschungsreaktor 2 (FR 2) als ersten in Eigenbau realisierten deut-schen Natururanreaktor, den Brutreaktor-Prototyp  „Kompakte Natriumgekühlte Kernreaktor-anlage“ (KNK II – der erste hatte vor seiner Beladung mit Brennstäben einen Natrium-brand), die 1990 stillgelegte Wieder-aufarbeitungsanlage Karlsruhe (WAK) sowie den Mehrzweckforschungsreaktor (MZFR).

In der WAK wurde die Technologie erprobt, die später einmal im bayerischen Wackersdorf kommerziell genutzt werden sollte. Daraus wurde dort aber nichts, weil der Widerstand der Bevölkerung zu stark war. 1991 war in Karlsruhe Schluss mit der Wiederaufarbeitung von Brennstäben. Übrig blieben 70.000 Liter hochradioaktive Flüssigabfälle, „High Activ Waste Concentrate“ (HAWC) genannt, die zwischen September 2009 und November 2010 in der eigens dafür gebauten Verglasungsanlage bearbeitet, verglast und in sogenannte Kokillen gefüllt wurden.

Diese, immer noch hochradioaktiv, wurden dann in Castor-Behältern nach Lubmin ge-bracht. Seither sind die über 1.000 Beschäftig-ten mit dem weiteren Abriss der Atom-reaktoren und der WAK beschäftigt.

 

Stetige Freisetzung radioaktiver Teilchen

Auf dem Gelände befindet sich die einzige De-kontaminationsanlage, in der auch Plutoium-kontaminierte Atomabfälle bearbeitet werden. Aus der Verbrennungsanlage kommt es bis heute zur Freisetzung von radioaktiven Teil-chen in die Umgebung. Außerdem ist in Karlsruhe Deutschlands größtes oberirdisches Lager für schwach- und mittelradioaktive Abfälle. Von den dort gelagerten rund 65.000 Atomfässern sind bereits 1.700 von Rost befallen.

Da dieses Lager seine Kapazitätsgrenze erreicht

hat und weil kein „Endlager“ zur Verfügung steht, müssen die Zwischenlagerkapazitäten bei Karlsruhe kräftig aufgestockt werden. Dazu plant die WAK Rückbau- und Entsorgungs-GmbH einen großen Neubau für schwach-radioaktive  Abfälle  und  einen  kleineren    für

mittelradioaktiven Müll. So sollen nach dem Abriss der Atomreaktoren-Prototypen aus der Zeit des früheren Kernforschungszentrums rund weitere 30.000 Kubikmeter radioaktiver Müll untergebracht werden.

In den 1960er und 1970er Jahren wurde Atommüll aus der WAK in großem Stil ins ehemalige

Salzbergwerk Asse bei Wolfenbüttel (siehe

Seite 18) gekippt. Die Hälfte der Fässer und sogar rund 90 Prozent des Aktivitätsinventars in der Asse stammt aus Karlsruhe, darunter 28 Kilogramm Plutonium. Weil das Bergwerk ab-zusaufen droht, soll der strahlende Müll in den nächsten Jahrzehnten wieder geborgen werden. Dabei  kommen   auf    die     SteuerzahlerInnen

Milliardenkosten zu.

Schon ohne die Asse-Kosten dürfte der gesamte

Rückbau der Alt-Atomanlagen bei Karlsruhe deutlich mehr als fünf Milliarden Euro kosten. EnBW, Eon und RWE beteiligten sich daran 1996 mit einer halben Milliarde Euro und sind seither fein raus. Den Großteil finanzieren das Land Baden-Württemberg zu 8,2 Prozent und der Bund zu 91,8 Prozent.

 

„Brennstäble“ für neue Reaktortypen

Auf dem Gelände des KIT-Nord befindet sich auch das Institut für Transurane (ITU). Es wird zu 100 Prozent von der Europäischen Union finanziert. Das Institut beschäftigt rund 400 MitarbeiterInnen.

Unter dem Greenwashing-Deckmantel „Sicher-heitsforschung“ wird hier an Kernbrennstoff für neue AKW der sogenannten IV. Generation ge-forscht und ‚Brennstäble‘ gebaut, ohne die es diese AKW nicht geben wird. Daran wie auch an der Partitionierung und Transmutation von Atommüll (Partitioning and Transmutation, P&T) wird nicht nur im ITU, sondern in vertraulicher Gemeinschaft auch im KIT-Nord – hier unter dem Mantel der Helmholtz-Gesellschaft – geforscht.

 

Plutonium in allen Aggregatzuständen

Mit dem Argument, das ITU kümmere sich um „Sicherheits“-Fragen, erteilte der grüne Um-weltminister 2012 eine Umgangsgenehmigung für 80 Kilogramm Plutonium in allen Aggregat-zuständen, 825 Kilogramm Uran, 450 Kilo-gramm Thorium  plus   viele  andere Nuklide in

kleineren Mengen. Die braucht man nicht – wie behauptet – für die Enttarnung von Atom-schmugglerInnen, der Ausbildung von Zollbe-amtInnen oder für medizinische Forschungen, sondern für die Weiterentwicklung der Atom-Technologie. Was politisch als beendet gilt, wird in Karlsruhe auf wissenschaftlicher Ebene mit dem Segen der grün-roten Landesregierung munter weiter betrieben.

Die EU fördert mit viel Geld die Forschungen

im ITU am Brennstoff für neue Atomreaktoren.

Die 370 MitarbeiterInnen forschen dabei nicht allein an den – in Hochglanzbroschüren ver-breiteten – Arbeitsfeldern für die Medizin oder Forensik.

Vielmehr vernebelt man die Mitarbeit an der von einigen europäischen Staaten gewünschten Fortführung der Atomenergie. Diesmal in einer modernen Ausführung der Schnellbrüter-technologie und der Wiederaufarbeitung.

 

 

Harry Block

Mitglied des BUND-Vorstandes Mittlerer Oberrhein

 

Mehr Infos:

www.bund-mittlerer-oberrhein.de

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Kernforschungszentrum und Wiederaufarbeitungsanlage Karlsruhe

 

Zahlen und Fakten

 

• Bau des ersten Atommüll-Lagers: 1958

• Reaktion auf zu hohe Strahlungswerte 1974:

   Zaun wird weiter nach außen versetzt

• Lager für schwach- und mittelradioaktive   

   Abfälle heute: 6

• Gelagerte Atommüll-Menge (Oktober 2012):

   67.200 m³

• Lagerkapazität: 78.000 m³

• Erweiterung beantragt um: 30.000 m³

• Hoffnung: Einlagerung in „Schacht Konrad“    

   ab 2023

• „Wiederaufarbeitungsanlage“ Karlsruhe   

   (WAK):     1971–1990

• Baukosten: ca. 30 Mio. €

• Angefallene hochradioaktive „Atomsuppe“:

   70.000 Liter

• Bisherige „Lösung“ dafür: Verglasung und

   Abtransport ins Zwischenlager Lubmin

• Gesamtkosten für Abriss der WAK:

   ca. 5 Mrd. €

 

 

 

Fazit:

 

Die EU fördert mit viel Geld die Forschungen

im ITU am Brennstoff für neue Atomreaktoren.

 

Weil kein „Endlager“ zur Verfügung steht,

müssen die Zwischenlagerkapazitäten kräftig

aufgestockt werden.

 

 

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