Vortrag Dr. Moormann: Atomforschung in Dt Forschung für Sicherheit oder auch Atomwaffen

 

 Gefahr globaler Bedrohung 

„Forschung unter dem Deckmantel Sicherheit“ 

Zu „Forschung an neuartigen Atomreaktoren?“ vom 18. November: 

Auf dem Gelände des KIT-Nord befinden sich zurzeit zwei millionenschwere Großbaustellen. Auf der einen baut die Kerntechnische Entsorgung Karlsruhe (KTE, eine Firma der Bundesrepublik Deutschland) derzeit ein neues Zwischenlager für Tausende von Fässern, gefüllt mit „mittelaktivem Atommüll“. 

Der Bau mit seinen bis zwei Meter dicken Stahlbetonwänden und Decken dient der Zwischenlagerung der strahlenden Abrissreste von „Altlasten“ auf dem Gelände des ehemaligen Kernforschungszentrums Karlsruhe (drei Kernreaktoren, Verglasungsanlage und die Wiederaufarbeitungsanlage Karlsruhe). Transparent gegenüber der Öffentlichkeit und den Umweltschutzverbänden geht der Rohbau dieses Zwischenlagers in die Endphase. 

Unter weitestgehender Geheimhaltung jedoch wird – nur einige hundert Meter entfernt – von der gleichen Baufirma der Neubau des „Flügels M“ des Joint Research Centre (JRC) der Europäischen Kommission errichtet. Früher gab es auf dem Gelände des KIT Nord das zum JRC gehörende Institut für Transurane (ITU). Die Europäische Kommission hat alle bisher in Europa verteilten Forschungseinrichtungen von Euratom nach Karlsruhe verlegt, so dass die Forschung und Entwicklung neuer Kernreaktoren – von Euratom finanziert – hier konzentriert mit dem ITU als Kerninstitut weiter verfolgt werden kann. 

Mit Genehmigung des Umweltministeriums Baden-Württemberg entsteht ein neues Lager- und Forschungsgebäude zur Unterstützung der Atomindustrie in Europa. 

Wir wissen, dass in dem (bisher unzureichend gesicherten) Lagergebäude des ITU bereits große Mengen an Plutonium, angereichertem Uran 235 und Thorium gelagert werden. Wir wissen auch, dass dort neue Atombrennstäbe gebaut und – nach einer Bestrahlung im Ausland – in Karlsruhe dann auf die Zusammensetzung der radioaktiven Substanzen untersucht werden. Wir kennen den Namen der Forschungsprojekte, darunter „Samofar“, in dem es um Thorium-Flüssigsalzreaktoren der vierten Generation geht. Da es dem JRC nach der Genehmigung untersagt ist, an neuen Reaktoren zu forschen, wird unter dem Deckmantel der „Sicherheitsforschung“ dennoch an diesem Reaktortyp und seinen Brennstoffen geforscht. 

Das „Karlsruher Bündnis gegen neue Generationen von Atomreaktoren“ will sich und die Öffentlichkeit kundig machen, was sich hinter diesem und anderen neuen Reaktortypen verbirgt. Wir hatten deshalb Dr. Rainer Moormann, einen profunden Kenner dieser schwierigen Materie, als ehemaligen Mitarbeiter an einem Thorium-Versuchsreaktor in der Kernforschungsanlage Jülich, zu dem Vortrag eingeladen. Sein Vortrag zeigte deutlich auf, dass diese Hochtemperatur-Flüssigsalzreaktoren eine einfache Möglichkeit bieten, bei der Atomstromgewinnung ohne Umwege kontinuierlich waffenfähiges Uran 233 „abzuzapfen“. 

Die Weitergabe (Proliferation) nicht nur von Atomwaffenwissen, sondern vor allem auch der mögliche Bau von Atombomben durch sogenannte Zwergstaaten kann durch diese Technologie zu einer globalen Bedrohung werden. Da diese Art von Reaktoren von den Befürwortern mit vielen Vorteilen gegenüber herkömmlichen Leichtwasser-Kernreaktoren beworben wird, entlarvte Referent Rainer Moormann kenntnisreich dies als „Verkaufspropaganda“. 

Wer sich genauer informieren will, kann sich die Folien des Vortrags auf der Homepage des BUND Karlsruhe ansehen (karlsruhe.bund.net). 

Harry Block 

Karlsruhe 

Dr. Dirk-M. Harmsen 

Karlsruhe 

Badische Neueste Nachrichten | Karlsruhe | AUS DER REGION | 23.11.2017 Seite 30 

JRC Gefahr globaler Bedrohung BNN 23.11.2017

 

 Gefahr globaler Bedrohung 

„Forschung unter dem Deckmantel Sicherheit“ 

Zu „Forschung an neuartigen Atomreaktoren?“ vom 18. November: 

Auf dem Gelände des KIT-Nord befinden sich zurzeit zwei millionenschwere Großbaustellen. Auf der einen baut die Kerntechnische Entsorgung Karlsruhe (KTE, eine Firma der Bundesrepublik Deutschland) derzeit ein neues Zwischenlager für Tausende von Fässern, gefüllt mit „mittelaktivem Atommüll“. 

Der Bau mit seinen bis zwei Meter dicken Stahlbetonwänden und Decken dient der Zwischenlagerung der strahlenden Abrissreste von „Altlasten“ auf dem Gelände des ehemaligen Kernforschungszentrums Karlsruhe (drei Kernreaktoren, Verglasungsanlage und die Wiederaufarbeitungsanlage Karlsruhe). Transparent gegenüber der Öffentlichkeit und den Umweltschutzverbänden geht der Rohbau dieses Zwischenlagers in die Endphase. 

Unter weitestgehender Geheimhaltung jedoch wird – nur einige hundert Meter entfernt – von der gleichen Baufirma der Neubau des „Flügels M“ des Joint Research Centre (JRC) der Europäischen Kommission errichtet. Früher gab es auf dem Gelände des KIT Nord das zum JRC gehörende Institut für Transurane (ITU). Die Europäische Kommission hat alle bisher in Europa verteilten Forschungseinrichtungen von Euratom nach Karlsruhe verlegt, so dass die Forschung und Entwicklung neuer Kernreaktoren – von Euratom finanziert – hier konzentriert mit dem ITU als Kerninstitut weiter verfolgt werden kann. 

Mit Genehmigung des Umweltministeriums Baden-Württemberg entsteht ein neues Lager- und Forschungsgebäude zur Unterstützung der Atomindustrie in Europa. 

Wir wissen, dass in dem (bisher unzureichend gesicherten) Lagergebäude des ITU bereits große Mengen an Plutonium, angereichertem Uran 235 und Thorium gelagert werden. Wir wissen auch, dass dort neue Atombrennstäbe gebaut und – nach einer Bestrahlung im Ausland – in Karlsruhe dann auf die Zusammensetzung der radioaktiven Substanzen untersucht werden. Wir kennen den Namen der Forschungsprojekte, darunter „Samofar“, in dem es um Thorium-Flüssigsalzreaktoren der vierten Generation geht. Da es dem JRC nach der Genehmigung untersagt ist, an neuen Reaktoren zu forschen, wird unter dem Deckmantel der „Sicherheitsforschung“ dennoch an diesem Reaktortyp und seinen Brennstoffen geforscht. 

Das „Karlsruher Bündnis gegen neue Generationen von Atomreaktoren“ will sich und die Öffentlichkeit kundig machen, was sich hinter diesem und anderen neuen Reaktortypen verbirgt. Wir hatten deshalb Dr. Rainer Moormann, einen profunden Kenner dieser schwierigen Materie, als ehemaligen Mitarbeiter an einem Thorium-Versuchsreaktor in der Kernforschungsanlage Jülich, zu dem Vortrag eingeladen. Sein Vortrag zeigte deutlich auf, dass diese Hochtemperatur-Flüssigsalzreaktoren eine einfache Möglichkeit bieten, bei der Atomstromgewinnung ohne Umwege kontinuierlich waffenfähiges Uran 233 „abzuzapfen“. 

Die Weitergabe (Proliferation) nicht nur von Atomwaffenwissen, sondern vor allem auch der mögliche Bau von Atombomben durch sogenannte Zwergstaaten kann durch diese Technologie zu einer globalen Bedrohung werden. Da diese Art von Reaktoren von den Befürwortern mit vielen Vorteilen gegenüber herkömmlichen Leichtwasser-Kernreaktoren beworben wird, entlarvte Referent Rainer Moormann kenntnisreich dies als „Verkaufspropaganda“. 

Wer sich genauer informieren will, kann sich die Folien des Vortrags auf der Homepage des BUND Karlsruhe ansehen (karlsruhe.bund.net). 

Harry Block 

Karlsruhe 

Dr. Dirk-M. Harmsen 

Karlsruhe 

 

Badische Neueste Nachrichten | Karlsruhe | AUS DER REGION | 23.11.2017 Seite 30 

Ohne „heiße Zellen“ keine Lagerung in Philippsburg

Ohne „heiße Zellen“ keine Lagerung

 

„Wer nicht entsorgen kann, muss abschalten“

 

Zu „Irritationen um Atommüll“ vom 30. September:

 

Noch bis ins Jahr 2005 durfte die deutsche Atomindustrie laut „Konsens“ ihren Strahlenmüll ins Ausland verschieben. Die sogenannte Wiederaufarbeitung fand in Frankreich statt. Damit wurde die laut Atomgesetz vorgeschriebene Entsorgung weiter nur vorgetäuscht. Wenn damals die Betreiber verpflichtet wären nachzuweisen, dass es eine sichere Endlagerung für den hochgefährlichen Strahlenmüll gibt, müssten damals wie heute sämtliche Atomkraftwerke sofort vom Netz genommen werden.

 

Denn ein Endlager, das den Strahlenmüll über den notwendigen Zeitraum sicher von der Biosphäre abschneidet, existiert nicht. Wer nicht entsorgen kann, muss abschalten!

Für eine Einlagerung der Castoren aus Frankreich im Kernkraftwerk Philippsburg fehlen zwei wesentliche Voraussetzungen:

1. Das Zwischenlager für hoch radioaktive Brennelemente ist gegen die Einwirkungen von außen nicht genügend gesichert und muss massiv „gehärtet“ werden.

2. Es bedarf einer Nachrüstung mit sogenannten Heißen Zellen im Zwischenlager. Der BUND hat mit anderen Umweltverbänden die Forderung dieser Nachrüstung schon mehrfach erhoben.

Das Problem ist also, dass es für diese speziellen Atomabfälle am Ort keine Reparaturmöglichkeiten gibt, sollten die Behälter undicht werden. Während Castoren mit bestrahlten Brennelementen noch im Abklingbecken des Philippsburger KKP 2 repariert werden könnten – das erfolgt dort in der Sicherheitszone unter Wasser – ist dies bei dem Atommüll, der in Glas eingeschmolzen ist, nicht möglich, da dieses strahlende Glas unter keinen Umständen mit Wasser in Verbindung kommen darf. Für die Abfälle aus Frankreich und England kommt diese Möglichkeit also nicht in Betracht.

 

Wir teilen nicht die Sicht der Entsorgungskommission (ESK) der Bundesregierung, die sich mit weniger Maßnahmen einverstanden erklärte.

 

Eine Studie von INTAC Hannover, verfasst von dem Physiker Wolfgang Neumann, widerspricht der ESK in zahlreichen Punkten und legt umfänglich auch weitere Gründe dar, die eine Nachrüstung von Heißen Zellen als Sicherheitsvorkehrung unbedingt erforderlich machen.

 

In dieser Stellungnahme wurden die Aussagen bezüglich des Doppeldeckeldichtungssystems beim Castor HAW 28 M zur Notwendigkeit von Heißen Zellen an Zwischenlagerstandorten vom Mai 2014 bestätigt.

Vor einem Rücktransport müssen diese am Standort Philippsburg gebaut werden.

 

Harry Block

BUND Mittlerer Oberrhein

Karlsruhe

 

Badische Neueste Nachrichten | Karlsruhe | AUS DER REGION | 21.10.2017         Seite 33

Atomforschung á la Karlsruhe

KIT – Atomforschung á la Karlsruhe - immer noch weltweit vernetzt

 

Der BUND ist in Karlsruhe Mitglied der Bürgerinitiative Anti-Atom Karlsruhe. Diese hatte sich nach der Mediationsveranstaltung zum Neubau des ITU (Europäisches Institut für Transurane) zusammengefunden u.a. mit dem Ziel, die Forschung und die Abrissvorgänge im KIT-Nord kritisch zu begleiten.

Als Ergebnis haben wir den Versuch unternommen, den Schleier über die immer noch ungebremste Atomforschung auf dem Gelände des KIT-Nord so weit wie uns möglich zu lüften und der Öffentlichkeit vorzustellen. Das Land, als Genehmigungsbehörde aller atomaren Anlagen nach Strahlenschutzverordnung (ohne Öffentlichkeitsbeteiligung) und nicht nach Atomgesetz (wäre öffentlich), hat sich auch unter GRÜNER Federführung des Umweltministeriums bisher nicht alsechte Kontrollbehörde hervorgetan. Das Ministerium  genehmigte den Bau und die damit verbundene Lagerung von allen nur denkbaren radioaktiven Substanzen mit dem Hinweis, dass das ITU ja nicht an Reaktoren der IV Generation arbeiten darf. Dies hat es auch noch nie getan. Es baut aber ´neue Brennstoffe´=Brennelemente für diese Art von neuen Reaktoren.

Da die Öffentlichkeitsarbeit aller der in Sachen atombeteiligten Institute, vor allem auch das ITU, zu wünschen übrig lässt, müssen wir bei einigen Sachverhalten uns als Fragende und nicht als Wissende bezeichnen. Der erste Teil bezieht sich auf das von Bund und Land finanzierte KIT. Der zweite Teil wird dann sich mit dem ITU befassen.

 

 

Teil 1: Greenwashing durch Atom-Gurus?

 

Die Führung des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT) hat in der Person von Prof. Hanselka in Publikationen und öffentlichen Auftritten eine klare Richtung in allen Bereichen, die für die Energiewende notwendig sind, vorgegeben, und diese gilt es umzusetzen. Die Widerstände gegen diese Absichtserklärungen sind jedoch immer noch deutlich spürbar. Diese gravierenden Zusammenhänge aufzuzeigen, ist das Ziel unseres folgenden Artikels, um „etwas“ Licht in dieses Dunkel zu bringen.

 

Trotz Energiewende und einiger guter neuer Projekte dazu finden am KIT immer noch höchst problematische Vorträge, Lehrveranstaltungen und Forschungsarbeiten statt.

Die Presseinformation des KIT zur „Erzeugung von Wasserstoff aus Methan durch Cracken ohne Kohlendioxid-Emissionen“ z.B., wobei das Flüssigmetalllabor KALLA des KIT eine Rolle spielt   [ 43 ], wirft daher eine ganze Reihe von Fragen auf:

 

Warum u.a. wird nicht die Möglichkeit genannt, Wasserstoff bereits jetzt regenerativ aus Wind und Solarkraft zu erzeugen (Power to gas)? Der Umweg über den fossilen Energieträger Erdgas ist fragwürdig, zumal das beschriebene Prinzip auch als weiterer Steigbügel für Fracking und mögliche Tiefsee-Methan-Hydrat-Industrien verstanden werden kann, was wiederum weitere Risiken nach sich zieht... Es fehlt auch der Vergleich der Wirkungs- und Effizienzgrade zwischen dem beschriebenen „Cracken“ und dem bereits erprobten Power to gas-Verfahren mit regenerativen Energien.

Viel spannender aber ist die Frage, warum das KALLA-Flüssigmetall-Labor gerade zum jetzigen

Zeitpunkt einen Fürsprecher wie Carlo Rubbia bekommen darf:

Rubbia ist der Erfinder des „beschleunigergetriebenen Rubbiatron-Atom-Reaktors“, der mit Thorium betrieben werden kann, und den Rubbia in den 1990er Jahren am CERN entwickelte (der Europäischen Organisation für Kernforschung). Er gilt als Vorläufer der für Transmutation geeigneten Atomreaktoren. Der etwa 80-jährige Rubbia war u.a. Leiter des CERN und wird in der Atom-Szene fast wie ein Übervater verehrt. Ein langjähriger Mitarbeiter von Rubbia ist Dr. Yacine Kadi, der in den 1990er-Jahren mit Rubbia zusammen an einem thoriumbetriebenen, beschleunigergetriebenen System, das flüssiges Blei als Kühlmittel nutzt“, arbeitete. Kadi ist Projektleiter am CERN und gleichzeitig als Professor im Energiebereich der Universität von Südkorea angestellt, in beratender Position war er für die südkoreanische Regierung tätig: in Bezug auf die Entwicklung von thoriumgetriebenen Atomreaktoren für die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) [ 6 ], denn die VAE bestellten in Südkorea im Jahr 2009 vier Atomkraftwerke.

 

Rubbia hat als langjähriger Mitarbeiter und dann Leiter des CERN noch lange nach seinem Ausscheiden vor zwei Jahren den Eröffnungsvortrag der Internationalen Thorium-Konferenz ThEC13 am CERN gehalten. In diesem Vortrag beschreibt er die Möglichkeit, Thorium aus den Abgasen von Kohlekraftwerken zu gewinnen, um es anschließend als Brennstoff in Atomkraftwerken zu nutzen [ 44 ]. Auch auf der Thorium-Konferenz in Indien (ThEC15) wurde er häufig zu atomaren Themen zitiert. U.a. wird dort  unter Beteiligung seines Mitstreiters Kadi für den Bau einer Thorium verwendenden beschleunigergetriebenen Demonstrationsanlage, genannt Troitsk“, geworben. Die Anlage soll in Russland u.a. genutzt werden für „Studien zu Materialwissenschaften, Nuklear-Physik, Nuklear-Technologien, Flüssigmetall-Kühlung und (Atom-)Brennstoffzusammensetzung ...“ Angestrebt wird des Weiteren die „Entwicklung eines künftigen industriellen Prototypen zur Energieproduktion von einigen hundert Megawatt, und um die Zerstörung von Minoren Actiniden zu demonstrieren.“ (= Transmutation). In nächsten Schritten soll die weitere Zusammenarbeit mit dem CERN für Machbarkeitsstudien, sowie mit ROSATOM erfolgen, um „Design und Konstruktion des Reaktorkerns zu optimieren.  [ 45 ]

 

Am CERN finden auch Experimente zu „Machbarkeitsstudien von innovativen nuklearen Systemen (ADS und Generation IV-Reaktoren) statt, die für die Energieproduktion und Transmutation … in Betracht kommen“.  Weiterhin gibt es Untersuchungen zu Uran 233, Thorium-Uran- Brennstoffkreisläufen und minoren Actiniden. [ 46 ]

 

Technologien zur Flüssigmetallkühlung spielen eine zentrale Rolle bei Atomkraftwerken. Und zwar insbesondere bei der Entwicklung von AKWs der Vierten Generation, die auch „Kleine Modulare Atomreaktoren“ = SMR beinhalten. (Nicht zu verwechseln mit der ebenfalls SMR genannten Methan-Dampf-Technologie der KIT-Pressemitteilung). Auch in russischen Atom-U- Booten wurde die Flüssigmetallkühlung bereits eingesetzt. Der in Dimitrowgrad im Bau befindliche

„Schnelle Hochfluss-Mehrzweck-Atom-Forschungsreaktor MBIR“ soll zur Entwicklung von Materialien für Schnelle Reaktoren der vierten Generation verwendet werden. Er verfügt über Versuchskreisläufe, die mit Flüssigmetallen, Flüssigsalzen oder Gas beschickt werden können“. (Eine Firma aus St. Petersburg,  die zum russischen Staatskonzerns ROSATOM gehört, liefert dazu den Reaktordruckbehälter und die Reaktoreinbauten). [ 47 ]

 

In Rumänien realisiert das Konsortium FALCON, das aus ca. 90 Interessengruppen aus Wirtschaft und Forschung besteht, zur Zeit den atomaren Demonstrationsreaktor ALFRED. Damit soll ein

bleigekühlter schneller atomarer Demonstrationsreaktor der vierten Generation“ zum Einsatz kommen. Er soll als europäische Forschungsleistung“ die „Sicherheit der nächsten Generation Atomkraftwerke verbessern“. Dieses Projekt ist Teil des strategischen SET-Planes der Europäischen Union und wird unter dem  Schirm der „Sustainable Nuclear Energy Technology Platform (= SNETP) geführt. [ 1 ] Der jetzige Bereichsleiter des KIT, Dr. Knebel war von 2008 bis 2010 Mitglied des Vorstandes der SNETP.

Die „Europäische Nuclear Society“, ENS, deren Vizepräsident Knebel von 2008-2011 war, sieht mit  der  „Realisierung des ALFRED – Demonstrationsreaktors die europäischen Organisationen während der kommenden Dekaden in einer Vorreiterrolle bei der nuklearen Kernspaltung.“

 

Die Technologie der Flüssigmetall-Kühlung spielt also mit den eben erwähnten Forschungsreaktoren „Troitsk“ und „MBIR“ in Russland und mit dem rumänischen FALCON / ALFRED-Reaktor in Europa eine absolut entscheidende Rolle bei der Entwicklung von Atomreaktoren der vierten Generation. (Als „Kleine Modulare Atomreaktoren“ (= SMR) konzipiert, können diese dann industriell quasi „am Band“ produziert werden, sind – weil kleiner als normale AKWs – leichter zu transportieren und können  in Modulbauweise wieder zu größeren Einheiten kombiniert werden.

 

Das Flüssigmetalllabor KALLA, das zum Bereich von Dr. Knebel, einem ausgewiesenen Atombefürworter, gehört ist nach Eigenauskunft ein „strategischer Focus-Punkt im Feld der Blei-Bismuth Technologien in Deutschland, es finden Experimente für beschleuniger-getriebene Anwendungen (ADS) statt, sowie zu dem belgischen Atom-Forschungsreaktor MYRRHA. Forschungsziel sind Experimente zur „Auslegung von Komponenten für z.B. Neutronenquellen oder innovative Reaktorsysteme zur Transmutation...“ KALLA beinhaltet:

–     Mehrere Flüssigmetallkreisläufe mit den Arbeitsmedien Blei, Blei-Wismut, Natrium und

Indium-Gallium

–     Versuche zu „Beheiztem Stab in zylindrischem Rohr“ finden statt, im Klartext bedeutet dies: Dummyversuche zur Haltbarkeit von Rohrummantelungen, die auch Brennstab- Ummantelungen sein können.

–     „Stabbündelkühlung mit Blei-Wismut“: Klartext: Dummyversuche zu Brennstabbündeln im Reaktorkern           [ 40 ]  (www.iket.edu/580.php)

(Warum finden sich gerade im Atombereich des KIT so viele verschleiernde, ungenaue Formulierungen, die an strategisch gewollte Ambivalenzen denken lassen? Gerade auch die Begriffe SMR“ und Reaktor“ gehören dazu, weil sie oft in einem Kontext ohne präzise Atom-Benennungen verwendet werden, aber dennoch genau dafür stehen. Stattdessen werden für die

Öffentlichkeit oft weitschweifige Umschreibungen oder nur unverständliche Abkürzungen verwendet...)

 

Warum wird nun am KIT ein Atom-Übervater wie Carlo Rubbia zum Bejubeln des KALLA- Flüssigmetalllabors eingeladen, noch dazu mit der fragwürdigen Technologie des Methan- Crackens, die auch als vorgeschobenes Feigenblatt dienen könnte, um den hochbrisanten atomaren

Nutzen“ des Kalla-Labors zu verdecken? Zumal Rubbia in den 1990er Jahren ein thoriumbetriebenes, beschleunigergetriebenes System, das flüssiges Blei als Kühlmittel nutzt“,

also einen atomaren Transmutationsreaktor entwickelte? Warum wird die hochriskante zweite Seite von KALLA verschwiegen? In der KIT-Pressemitteilung werden weder  atomare Nutzungsmöglichkeiten für KALLA, noch die enorme Bedeutung für die internationale Atomindustrie genannt, geschweige denn mögliche Gefahren der Proliferation. Die Zeitleiste in

Teil 2 zeigt jedoch u.a., in welchem internationalen atomaren Kontext die Nuklearkonzerne bereits

Flüssigmetall-Technologien einsetzen oder einplanen können.

Immer noch werden entscheidende Informationen in der Presseabteilung des KIT weggelassen, die Berichterstattung auch der KIT Nuklear-Institute bei atomar relevanten Themen ist häufig unvollständig, intransparent, einseitig, verschleiernd, desinformierend und einer redlichen universitären Wissenschaft  unwürdig.

 

Am KIT-Nord und besonders in den dortigen Nuklear-Instituten waren und sind seit vielen Jahren auch chinesische und russische (Gast-) Wissenschaftler beschäftigt, deren Wissenstransfer in ihre Heimatländer man billigend in Kauf nimmt. Sowohl Russland als auch China versuchen massiv, Atomtechnik und Atom-Reaktoren in andere Länder, auch an Schwellen- und Entwicklungsländer, die bislang keine Reaktoren hatten, zu verkaufen. Auch instabile Staaten mit massiven Demokratiedefiziten, Menschenrechtsproblemen und hoher Korruption sind darunter, womit eine massiv erhöhte Terror- und Proliferationsgefahr einhergeht.

Die Internationale Atom-Energie-Organisation IAEO leistet dazu im Vorfeld durch Ausbildungs- und Lizenzierungsprogramme für atomare Neueinsteigerstaaten Vorschub und hat entsprechende Programme dazu aufgelegt. [ 3 Ein ausführlicher Überblick dazu, sowie von atombezogenen KIT- Veranstaltungen ist im untenstehenden Teil 2 zusammengestellt.

 

Trotz Energiewende und einiger guter neuer Projekte dazu finden am KIT immer noch höchst problematische Vorträge, Lehrveranstaltungen und Forschungsarbeiten statt, und zwar hauptsächlich am IKET, am INR und am INE, sowie an  der am KIT-IKET angesiedelten AREVA- Nuclear-Schule, z. B.:

 

Institut für Neutronenphysik und Reaktortechnik (INR)

- Stmungssimulation eines bleigekühlten Kernreaktors (Prof. X. Cheng, Dr. X. Jin

- Innovative nukleare Systeme (darunter fällt auch die Vierte Generation von AKWs), Gen. III

(z.B. Druckwasserreaktoren wie EPR)

- Entwicklung und Kopplung von Methoden auch zur (Atom-)Brennstabmechanik

- Untersuchungen zur Transmutation, Weiterentwicklung und Qualifizierung von

Rechenprogrammen zu ihrer Auslegung

 

Institut für Kern- und Energietechnik (IKET)

AREVA-Nuclear-Schule (angesiedelt am IKET): einige Beispiele aus Kursinhalten 2015:

- Leichtwasserreaktoren: Kern-Design und Brennstoff-Management

- Stmungsmodellierung in Brennstoffanordnungen

- Siedewasserreaktoren: radiolytisches Gas-Management

- Simulation von schweren Unfällen in Flüssigmetall-Reaktoren

 

Der französische Staatskonzern AREVA  ist weltweit tätig im AKW-Bau, in der Brennelemente-

Entwicklung und im Uran-Bergbau. AREVA liefert auch Forschungs-Reaktoren mit einigen Dutzend Megawatt oder weniger. Sie werden für Schulungen oder kerntechnische Studien gebaut oder für Länder, die Atomenergieprogramme planen. AREVA ist auch an Arbeiten zum MYRRHA Forschungs-Reaktor beteiligt, er dient der Entwicklung von Transmutations- Reaktoren. Zur Zeit läuft die Übernahme von AREVA durch den ebenfalls französischen Staatskonzern EDF (= Electricité de France), die atomare Brennstoffsparte ist davon aber ausgenommen.

 

Die Nuklearinstitute IKET, INR, INE und das Flüssigmetalllabor KALLA gehören zum Bereich des erst kürzlich wiederernannten Bereichsleiters Dr. Joachim Knebel, der seinen einzigen Professorentitel als „Honoris causa“ (= ehrenhalber) von der Universität St. Petersburg verliehen bekam.  Knebel ist als Atomlobbyist bekannt, er war im Verwaltungsrat des Deutschen

Atomforums (DAtF),  Vorstandsmitglied der Kerntechnischen Gesellschaft (KTG), und Vizepräsident der Europäischen Kerntechnischen Gesellschaft (ENS), um nur drei zu nennen. Knebel war Angestellter am Institut für Reaktorbauelemente, dann Abteilungsleiter am Institut für Kern- und Energietechnik IKET. Er arbeitete am Forschungszentrum Karlsruhe u.a. an passiven Wärmeabfuhrsystemen für Leichtwasserreaktoren, (speziell Europäischen Druckwasserreaktoren, EPR), zu beschleunigergetriebenen Transmutationssystemen und am Flüssigmetall-Labor KALLA.

 

Wir versuchen mit dieser Aufstellung der Zusammenhänge, die Maske einer unkontrollierten Forschungseinrichtung zu lüften. Dabei bleiben aber viele Fragen auch bei uns offen, weil wir die komplexen Beziehungen zwischen Instituten, Organisationen und Personen nicht immer eindeutig zuordnen können. Deshalb haben wir die noch unklaren Zusammenhänge als Fragen formuliert:

 

- Wofür genau  bekam Dr. Knebel in 2013 den „Ehrenprofessor-Titel“ aus St. Petersburg verliehen? Welche konkreten Verdienste“ aus seinem atomaren Berufsleben liegen dem zugrunde? Dazu machte die KIT-Presseabteilung leider keine näheren Angaben...

- Warum wird der Bereich drei des KIT, zu dem Maschinenbau-, Elektrotechnik- und die

Nuklear-Institute des KIT gehören, nicht von einem wirklich unabhängigen Professor geleitet, der einen „richtigen, d.h. akademisch relevanten Professorentitel vorweisen kann? Fehlte da sonst evtl. der lobbyistische Hintergrund?

- Warum leitet Dr. Knebel nach seiner kürzlich erfolgten erneuten Ernennung zum Bereichsleiter diesen gerade für die Energiewende so wichtigen Teil des KIT nun wieder für weitere 5 Jahre, vor allem, da die oben beschriebenen und ihm zugeordneten Institute und Einrichtungen wie IKET, INR, IFRT, AREVA-Nuklear-Schule, KALLA-Flüssigmetall-labor offensichtlich so massiv weiter im Dienste der Atomwirtschaft agieren?

- Welche Rolle spielt KALLA für die vierte Generation AKWs, insbesondere im Hinblick auf das rumänische Projekt FALCON? Gibt es dazu konkrete oder geplante Kooperationen des KIT?

-  Gab oder gibt es Kooperationen des KIT bzw. KALLA mit Russland, insbesondere zu den

russischen Forschungsreaktor-Projekten MBIR und Troitsk?

-  Gab oder gibt es Kooperationen des KIT oder einzelner Wissenschaftler des KIT mit

ROSATOM oder einer der Tochterfirmen?

-  Welche Länder haben durch ihre Wissenschaftler Zugang bzw. Forschungsmöglichkeiten am KALLA-Labor?

-  Wie wird der Austausch / Wissenstransfer russischer und chinesischer Gastwissenschaftler

des KIT mit ihren Heimatländern kontrolliert?

    Haben Wissenschaftler oder Studenten aus atomaren Neueinsteiger-Ländern Zugang zur

Forschung von Nuklear-Instituten des KIT-Nord, bzw. deren Lehrveranstaltungen?

-  Gibt es bereits Patente oder Lizenzen des KIT, die für Atomkonzerne von Interesse sind, oder werden diese angestrebt?

-  Welchen Anteil hat das KIT über die bereits genannten Veranstaltungen hinaus an der in der Zeitleiste in Teil 2 dargestellten internationalen Entwicklung? Bestehen konkrete Projekte zu atomaren Kleinen Modularen Reaktor-Technologien (SMR), bzw. welche Institute sind daran beteiligt?

-  Welche Rolle spielt die Zusammenarbeit von Nuklear-Instituten des KIT und dem Institut

für Transurane (ITU) am KIT-Nord? Letzteres beschäftigt sich intensiv mit der

Zusammensetzung von Brennstoffen der Vierten Generation von AKWs.

 

Weder vom Präsidium, noch von der KIT-Ethikkommission, noch von der KIT-Technikfolgen- Abschätzung, die auch ein eigenes Büro zur Politikberatung am deutschen Bundestag betreibt (TAB), scheinen diese gravierenden Zusammenhänge bislang wahrgenommen worden zu sein. Das gleiche gilt für die steuernzahlende Öffentlichkeit und die Bundes- oder Landesregierung, denn es war hierzu bisher nichts zu vernehmen.

 

Die wichtigste Frage jedoch lautet:

 -  Wie soll verhindert werden, dass weiterhin Verwertbares“ für die internationale Atomwirtschaft mit deutschen Steuergeldern entsteht? Haben die politisch Verantwortlichen aus den Proliferationsvorwürfen aus den 1980er Jahren gegen das ehemalige Kernforschungszentrum Karlsruhe (heute KIT-Nord) nichts gelernt, denn dessen heutige Zusammenarbeit u.a. mit der Internationalen Atomorganisation IAEO, AREVA und Westinghouse kann atomare Neueinsteiger-Länder bei Aktivitäten zum Bau von Atomkraftwerken unterstützen. Werden CANDU-Reaktoren gebaut, ist auch die Möglichkeit der Produktion von Waffen-Plutonium gegeben. Weltweit gehören zu den (sich in unterschiedlichen Stadien befindlichen) Neueinsteigerstaaten Länder wie: Weißrussland, Türkei, Aserbaidschan, Jordanien, Vereinigte Arabische Emirate, Ägypten, Nigeria, Vietnam, Bangladesh, Bolivien, Paraguay, Peru, Ecuador, Kuba. Wollen diese Länder, die für regenerative Energien meist wesentlich geeigneter wären und darin ihre Zukunft tten, wirklich nur die sogenannte „friedliche Nutzung der Atomenergie“?

 

Zu jeder stolzen Präsentation von Drittmitteln des KIT, sowie zu jeder gefeierten „Grundlagen- oder Sicherheitsforschung“ gehört der Transparenz halber die nachvollziehbare Aufschlüsselung gegenüber der Öffentlichkeit, ob und wieviel davon z.B. auf  Firmen wie AREVA und

Westinghouse entllt, und zu welchen evtl. höchst problematischen Projekten Kooperationen mit anderen Ländern bestehen. Gleiches gilt für Dual Use – oder militärisch relevante Themen.

All die schönen Worte und Hochglanz-Broschüren des KIT über Transparenz etc. – was sind sie wert? Es gibt bis heute kein öffentlich einsehbares Verzeichnis über Drittmittel oder sonstige Zuwendungen der Atom- oder Rüstungsindustrie an das KIT, ebenso wenig wie es öffentlich nahvollziehbare und vollständige Listen mit Projektbeschreibungen und Kooperationen auch internationaler Atom- und Rüstungsfirmen gibt. Stattdessen werden bestimmte Formulierungen im atomaren Bereich offensichtlich verschleiernd gewählt oder bestimmte Fakten gleich ganz weggelassen ...

 

Ist den Verantwortlichen in Ministerien und am KIT eigentlich klar, in welch hochgefährlichem und brisantem internationalen Kontext sich die sogenannte „Sicherheits- und Grundlagenforschung“ des KIT abspielt? Ist allen Beteiligten wirklich klar, in welchem Umfang die interessierten, gierigen

und nur profitorientierten Kreise der weltweit agierenden Atomkonzerne wie AREVA, Westinghouse und ROSATOM von den direkten Ergebnissen oder Synergien der KIT- Atomforschung profitieren können? Und all dies geschieht angesichts der weltweit zunehmenden Krisenherde und Terrorgefahren. Too big to control?

 

Es drängt sich mehr und mehr der Verdacht auf, als sei der eigentliche Zweck der KIT-Gründung der gewesen, das frühere Kernforschungszentrum wieder salonfähig zu machen und unter Vereinnahmung universitärer Strukturen und Ressourcen eine Renaissance der Kernenergie herbeizuführen. Warum sonst wäre Greenwashing durch Atom-Gurus“ nötig?


Teil 2: Willfährige Handlanger oder verantwortliche Akteure?

 

Die folgende Zeitleiste gibt einen (unvollständigen) Überblick über atomrelevante Ereignisse der letzten 10 Jahre. In der Zusammenstellung zeigt sich erst die Tragweite und Dimension der hochriskanten und bis heute nicht beherrschbaren Atom-Technologie, sowie einer perfiden Strategie, bei der international die einzelnen Pro-Atom-Akteure aus Politik, Wirtschaft und Wissenschaft geschickt positioniert werden, und zu der das KIT offensichtlich einen wesentlichen Teil beiträgt.

 

2005   < USA genehmigen die abschließende Zertifizierung des AP 1000 (Gen. III+).

 

2006  < Toshiba Japan kauft für 5,4 Mrd US$ die nukleare Sparte von Westinghouse, USA, und ist damit Weltmarktführer im Nukleargeschäft, der Name Westinghouse bleibt erhalten.

 

< England: Das Programm Energy Review“ setzt eine robuste Pro-Atom-Politik in Kraft.

 

< Der heutige Bereichsleiter des KIT, Dr. Joachim Knebel, wird Vorstandsmitglied der

Lobbyvereinigung „Kerntechnische Gesellschaft KTG.

 

2007  < Der Präsident der EU-Kommission in Brüssel, Barroso, will europaweit über den Bau neuer Kernkraftwerke diskutieren, und zwar mit Blick auf den Klimaschutz. „Er warte für diese neue Atomdebatte nur noch auf das Startzeichen der führenden Politiker in den EU- Staaten. … Barrosos plötzliche Erwärmung für die Atomenergie hatte auch in seiner Behörde zu journalistischen Ermittlungen geführt. Dabei wurde bekannt, dass sein EU- Energiekommissar einen bekannten Lobbyisten der Atom-Industrie zum bezahlten

„Sonderberater“ ernannt hatte. Rolf Linkohr ist ein Ex-SPD-Europaabgeordneter und

Ehrenmitglied der Kerntechnischen Gesellschaft....“  [ 48 ]

 

< Dr. Knebel wird Mitglied im Verwaltungsrat des Deutschen Atomforums (DAtF), sowie Vizepräsident der „Europäischen Kerntechnischen Gesellschaft“ (ENS). Beides sind Lobbyorganisationen der Atomwirtschaft.

 

< Gründung der „Europäischen nachhaltigen Nuklear-Industrie-Initiative“ (ESNII), die über

90 Industrie- und Forschungspartner für das FALCON / ALFRED -Projekt zusammenbringt, um die sogenannte „Generation IV Schnelle Neutronen-Reaktor- Technologie“ voranzutreiben. Dies findet statt unter dem Schutzschirm der „European Sustainable Nuclear Energy Technology Platform“, SNETP,  deren Vorstandsmitglied   Dr. Knebel 2008 wird.  [ 1 ]

 

< Carlo Rubbia wird Mitglied der hochrangigen EU-Beratergruppe für Energie-und

Klimawandel, eingerichtet durch Barroso.

(Rubbia ist der Erfinder des beschleunigergetriebenen Rubbiatron-Reaktors, der mit Thorium betrieben werden kann, und den Rubbia in den 1990er Jahren am CERN entwickelte. Er gilt als Vorläufers der für Transmutation geeigneten Atomreaktoren. Rubbia war u.a. Leiter des CERN, der Europäischen Organisation für Kernforschung.)

 

< Putin gründet sechs Gesellschaften, die man am ehesten als Staatskorporationen“ bezeichnen kann. Sie bündeln staatliche Aktivitäten in als strategisch wichtig geltenden Bereichen. Das Spektrum reicht von Rüstungsgütern (Konglomerat Rostec) bis zu Finanzen (Entwicklungsbank VEB). Grundlage jeder Gesellschaft bildet ein eigenes Gesetz, das ihr weitreichende Befugnisse einräumt. Die Korporationen unterliegen keiner


Rechenschaftspflicht gegenüber anderen Behörden und werden von keiner unabhängigen

Instanz überwacht. Sie berichten allein an den Staatspräsidenten.

Typisch für die Staatskorporationen sind ihre Größe und die Vielzahl an Unternehmen, die unter ihrem Dach versammelt wurden.

Die Staatskorporation ROSATOM kontrolliert alle russischen Atomaktivitäten und den Reaktor-Export. Selber darf sich die weitverzweigte Staatsgesellschaft fast jeder Kontrolle entziehen, obwohl von der Forschung über die Erzeugung von Uran, dem Bau und Export von Kraftwerken, über eine Flotte von atombetriebenen Eisbrechern, der Pflege von Atomwaffen bis zur Überwachung von Atomanlagen alle Teile der nuklearen Wert- schöpfungskette Russlands bei dem Monopolisten vereint sind. ROSATOM-Chef Kirijenko sagt 2015, dass aufgrund der russischen Wirtschaftskrise Verträge mit dem Ausland die wichtigste Wachstumsquelle darstellten. Beinahe im Wochentakt gibt die Atomgesellschaft Fortschritte bei Verhandlungen bekannt, allein im Oktober 2015  mit Bulgarien, Jordanien, Ägypten, weiterhin existieren Pläne für Projekte in Finnland, der Türkei, Südafrika und Iran. [ 2 ]

 

< Die Internationale Atom Energie Organisation IAEO, die die weltweite Förderung der Atomenergie als ihr Organisationsziel angibt, veröffentlicht die Richtlinien „Milestones in the Development of a National Infrastructure for Nuclear Power. Damit werden ihre Mitgliedsstaaten unterstüzt, neue Kernenergieprogramme zu entwickeln, die IAEO wendet sich damit vor allem an atomare Neueinsteigerstaaten. Der Leitfaden zeigt ein

strukturiertes Vorgehen“ auf und bietet „Checklisten für Länder, die nationale Infrastrukturprogramme zur nuklearen Stromerzeugung aufbauen wollen“. Beschrieben wird darin eine detaillierte Auflistung von Aktivitäten für den Einstieg in die Kernenergie und ein Vorschlag, wie sich die verschiedenen Akteure untereinander koordinieren können. Dieses Regelwerk der IAEA wird im September 2015 in der überarbeiteten, aktualisierten Version neu herausgegeben.                                                 [ 3 ]

Ca. 2014: Mit dem „Internationalen Abdus Salam Zentrum für Theoretische Physik“ in Trieste, Italien, betreibt die IAEO dreiwöchige Kurse, die sich an junge, potentielle Führungskräfte aus atomaren Neueinsteiger-Entwicklungsländern richten. Das Ziel ist es, künftige Führungskräfte auszubilden, die in Institutionen und Behörden Atomenergie- Programme managen können und zwar für den Sektor der Atomindustrie, sowie den akademischen und öffentlichen Bereich. In Japan und Amerika wurden ähnliche Schulen eröffnet.

Die IAEO hat Neueinsteigerprogramme entwickelt, die weltweit in folgenden Regionen eingeführt und ausgebaut werden, globale Netzwerke sollen entstehen:

Asien- und Pazifik-Region

Europa

Latein Amerika

Afrika   [ 4 ]

 

2008  < China beginnt mit dem Bau des AP 1000.

 

< Das Deutsche Atomforum „kauft die Düsseldorfer  Agentur DAA, um Journalisten mit gezielter Lobbypropaganda zu beeinflussen. Es geht in der millionenteuren Kampagne um

strategische Kommunikationsberatung, die Atomkonzerne E.on, RWE, EnBW und Vattenfall schicken ihre Kommunikationsexperten. „Die Dokumente (im taz-Artikel zum Download verlinkt) bieten Einblick in die Arbeit einer Lobby, die sich für eine hochprofitable und hochgefährliche Technologie einsetzt. Sie geben Einblick in eine Welt von Hintergrundgesprächen und bezahlter wissenschaftlicher Expertise, lancierten Presseartikeln und verdeckten Einflussnahmen.“ Ziel war es, die Laufzeitverlängerung der deutschen Atomkraftwerke zu erreichen, was nach der Bundestagswahl 2009 dann


zunächst auch gelang. [ 5 ]

 

2009  < Rubbia wird Sonderberater für Energie des Generalsekretärs der UN-Wirtschafts- kommission für Lateinamerika und die Karibik (ECLAC / CEPAL).

 

< Gründung des KIT mit Atomlobbyist Peter Fritz als Vizepräsident; Fritz wird im Jahr darauf Vizepräsident des Deutschen Atomforums (DAtF).

 

< Die belgische Regierung verschiebt den geplanten Kernenergieausstieg.

 

< Die internationale Atomenergieorganisation IAEA veranstaltet die International Conference on Opportunities and Challenges for water cooled reactors in the 21. century“ und gibt mit dem weltweit agierenden AKW- Weltmarktführer Westinghouse die Broschüre heraus: „AP 1000: The PWR revised“.

 

< England: Eröffnung des „Global Nuclear Skills Institute“, dieses soll Verbindungen für die entscheidenden Kompetenzen zwischen dem zivilen Sektor und dem Verteidigungsbereich knüpfen.

 

< Die Vereinigten Arabischen Emirate bestellen in Südkorea 4 Atomkraftwerke. Undatiert: Ein Projektleiter des CERN, Dr. Yacine Kadi, der auch Professor im Energiebereich der Universität von Südkorea ist, erklärt das Potential von Atomreaktoren der nächsten Generation, sowie „die Vorteile von Thorium als alternative Quelle für atomaren Brennstoff“. Ende der der 1990er Jahre arbeitete er mit Rubbia zusammen an einem „thoriumbetriebenen, beschleunigergetriebenen System, das flüssiges Blei als Kühlmittel nutzt. Danach war Kadi in beratender Position für die südkoreanische Regierung tätig und zwar in Bezug auf die Entwicklung von thoriumgetriebenen Atomreaktoren für die Vereinigten Arabischen Emirate. Kadi setzt seine Arbeit am CERN fort, wo er ein Projekt zu einer radioaktiven Ionenstrahl-Anlage leitet.  [ 6 ]

Am CERN befindet sich u.a. die Beschleuniger-Anlage ISOLDE, damit können radioaktive Ionenstrahlen für Atom- und Kernexperimente erzeugt werden. Kadi führte hier Versuche mit Flüssigmetall-Targets durch und verglich diese mit numerischen Simulationen.  [ 7 ]

 

2010  < Die französische Atomenergiekommission CEA initiiert mit dem Programm ASTRID

einen  Demonstrationsreaktor der vierten Generation.

 

2011  < China gründet den Staatskonzern CNNC New Energy Company, um SMR-Technologien zu fördern (dies sind Kleine Modulare Atom-Reaktoren bis ca. 300MW).  Im November

2015 plant die CNNC eine Minderheitsbeteiligung an dem finanziell angeschlagenen

AREVA-Konzern zu übernehmen.   [ 8 ]

 

< Die IAEO etabliert in Wien das sogenannte Nuclear Law Institute“, um die „zunehmende Nachfrage nach juristischer Unterstützung der Mitgliedsstaaten, speziell zum Verfassen nationaler, atomrelevanter Gesetzgebung“ zu befriedigen.  [ 13 ]

 

2012  < Die IAEO unterzeichnet mit der Präfektur Fukushima ein Memorandum of Cooperation“, in dem u.a. vereinbart wurde, dass die IAEO die Medizinische Universität Fukushima im Bereich  der Fukushima-Gesundheitsfolgen „unterstützt“. Das heißt, die IAEA ist damit unmittelbar an der Schilddrüsenkrebsstudie beteiligt. Dies wirft Fragen hinsichtlich der Unabhängigkeit und Objektivität der Ergebnisse auf.  [ 9 ]

 

< Am CERN wird das Internationale Thorium Energy Committee“ (= iThEC) von


Wissenschaftlern, Ingenieuren, Politikern und Wirtschaftsvertretern gegründet, um Carlo Rubbias Idee der mit Thorium betriebenen, flüssigmetallgekühlten und beschleunigergetriebenen Transmutationsreaktoren voranzutreiben.  [ 10 ]

 

< Das CERN erhält einen Beobachterstatus bei der Generalversammlung der UN. Dieser besondere Status verleiht dem CERN das Recht, bei Konferenzen der Generalversammlung zu sprechen, bei formellen Abstimmungen zu votieren und UN-Resolutionen zu unterstützen und zu unterzeichnen, nicht jedoch über sie mit abzustimmen.

 

2013  < Vertragsverlängerung der am KIT-IKET angesiedelten AREVA-Nuklearschule ANPS mit dem KIT.

 

< Die FALCON-Konsortium-Vereinbarung wird in Bukarest / Rumänien unterzeichnet, unter Beteiligung der italienische ENEA. Es ist der erste Schritt hin zur Konstruktion einer ALFRED genannten  Demonstrationsanlage für die vierte Generation eines schnellen, mit flüssigem Blei gekühlten Atom-Reaktors. (= Advanced Lead Fast Reactor European Demonstrator)   [ 1 ]

 

< Rubbia hält auf der Internationalen Thorium-Konferenz ThEC13 am CERN den Eröffnungsvortrag, in dem er u.a. darlegt, das radioaktives Thorium aus den Abgasen von Kohlekraftwerken gewonnen werden kann, um es anschliend als nuklearen Brennstoff für Atomkraftwerke zu verwenden.

Die IAEO beteiligt sich an der ThEC13-Konferenz mit dem Abgesandten U. Basak und dem Thema Thorium fuel cycle activities in IAEA.  [ 11 ]

2015 findet die ThEC15 in Mumbai, Indien statt.

 

2014  < Die Türkei wird assoziiertes Mitglied des CERN

 

< AREVA stellt in Aserbaidschan Pläne zum Bau eines Forschungsreaktors vor. Minister Abbasow erklärt, Aserbaidschan habe bereits begonnen, mit der IAEO und dem CERN zusammenzuarbeiten.  [ 12 ]

 

< Seit 2009 wurden von der IAEO 12 „Integrierte Nukleare Infrastrukturbewertungen“ (= INIR) durchgeführt, und zwar in Weißrussland, Bangladesh, Indonesien, Jordanien, Polen, Südafrika, Thailand, Türkei, Vereinigte Arabische Emirate und Vietnam.

Des Weiteren hat die IAEA „Integrierte Nukleare Sicherheits-Unterstützungs-Pläne“ (= INSSP) mit mehreren Staaten, die Atomkraft-Programme beginnen, entwickelt oder beendet, darunter Bangladesh, Weißrussland, Jordanien, Nigeria, Vereinigte Arabische Emirate und Vietnam. Entwicklungen mit verschiedenen weiteren Neueinsteigerstaaten sind auf den Weg gebracht.  [ 13 ]

 

< Ein Abgesandter der IAEO referiert am KIT-IKET zu einem Überblick von CANDU- Reaktor-Technologie und superkritischen SCWR-Reaktoren.  [ 14 ]

CANDU-Reaktoren sind mit Natururan betriebene Druckröhrenreaktoren, was technisch den Bau solcher AKW erleichtert und zugleich eine relativ einfache Gewinnung von Waffenplutonium ermöglicht. Zusammen machen diese Merkmale den Reaktortyp besonders interessant für Schwellen- und Entwicklungsländer, ergeben damit aber auch ein erhöhtes Risiko der Weiterverbreitung von Kernwaffen. … Indien baute mit CANDU- Know-How und Technologie sein Atomwaffen-Arsenal auf.  [ 15 ]

 

< In fortgeschrittenen CANDU-Reaktoren wie dem AFCR kann sowohl wiedergewonnenes

Uran als auch Thorium als atomarer Brennstoff eingesetzt werden. Eine Absichtserklärung


zum Bau dieser Reaktoren zwischen Kanada und der chinesischen CNNC dient auch als Rahmen bei Uranabbauprojekten in China. In Rumänien sind bereits CANDU-Reaktoren in Betrieb.    [ 39 ]

 

< Bolivien schmiedet sein erstes Atomprogramm, die IAEA berät den Andenstaat beim Einstieg in die Nutzung der Kernenergie. In Vorbereitung zum Atomeinstieg soll im zweiten Halbjahr 2015 an der bolivianischen Universität von San Andrés ein virtueller Reaktor gestartet werden, der sein Betriebssignal aus Argentinien beziehen wird. Ecuador und Kuba werden es Bolivien gleichtun.  [ 16 ]

2015: Der russische Staatskonzern ROSATOM und der bolivianische Energieminister Sanchez unterzeichnen eine Vereinbarung zum Aufbau eines Kernenergieprojekts in Bolivien, damit zieht Bolivien nunmehr mit Ländern wie Venezuela, Argentinien, Peru, Kuba und Brasilien gleich, die bereits Kooperationen mit ROSATOM eingegangen sind. ROSATOM gilt als eine der weltgrößten Institutionen in der zivilen und militärischen Atomindustrie. Nach eigener Darstellung ist der Staatskonzern weltweit führend im laufenden Aufbau von Atomreaktoren und kontrolliert etwas mehr als ein Drittel des globalen Marktes für Urananreicherung.  [ 17 ]

 

< Ein in St. Petersburg ansässiges Tochterunternehmen von ROSATOM soll für den russischen Schnellen Hochfluss-Mehrzweck-Forschungsreaktor MBIR den Reaktordruckbehälter und Reaktoreinbauten liefern. Der MBIR soll nach Fertigstellung

über Versuchskreisläufe mit Flüssigmetallen, Flüssigsalzen und Gas verfügen.   [ 41 ]

 

< Am KIT-INR findet das Seminar CFD-Simulation zum Übergang an strukturierten Oberflächen“ statt. Dies geschieht in Anlehnung an gasgekühlte Gen. IV- Reaktorsysteme“.   [ 18 ]

 

< Ebenfalls am KIT-IKET findet eine Kolloquium genannte Werbeveranstaltung des atomaren Weltmarktführers  Westinghouse statt zum Thema SMR- For Electricity and Alternative Applications“.  [ 19 ]

 

< China betreibt mit der CNNC Vorstudien zum Bau eines ACP100-Reaktors. Dieses Reaktorsystem zählt zu den SMR, nach Angaben der IAEO handelt es sich um ein fortgeschrittenes, mit Leichtwasser gekühltes Mehrzweck-Reaktormodul, bei dem bis zu sechs hintereinander kombiniert werden können.  [ 20 ]

 

2015  < Nach Angaben der iranischen Nachrichtenagentur Fars unterstützt China den Iran bei Kernkraftwerksprojekten. Der Leiter der iran. Atomenergiekommission Salehi besuchte zudem mehrere Nukleareinrichtungen in China und sprach mit chinesischen Vertretern

über den Bau kleiner modularer Reaktorsysteme des Typs ACP 100.     [ 21 ]

 

< Die beiden Staatskonzerne AREVA (Frankreich) und die chinesische CNNC unterzeichneten eine Absichtserklärung, wonach die CNNC eine Minderheitsbeteiligung an der AREVA übernehmen könnte. Diese mögliche Partnerschaft würde laut AREVA sämtliche Aktivitäten des Brennstoffzyklus umfassen. Diese sind von der derzeit laufenden Übernahme des Geschäftsbereichs AREVA NP durch die franz. EDF nicht betroffen.   [ 22 ]

 

< Der französische Energieversorger EDF plant den Bau von 30-40 der vom französischen Atomkonzern AREVA entwickelten Druckwasserreaktoren EPR. Dies teilte der Chef des Staatskonzerns EDF, Levy, mit [ 23 ]

 

< AREVA entwickelt Kernbrennstoff für Kleine Modulare Reaktoren (SMR) der


amerikanischen Firma NuScale. Es geht dabei um einen Leichtwasserreaktor, die NuScale will den Kernbrennstoff in die Reaktor-Auslegungszertifizierung integrieren. [ 24 ]

 

< In Piacenza, Italien laufen NuScale-Dampferzeugertests für den Einsatz in kleinen modularen Leichtwasserreaktoren (SMR) an.  [ 25 ]

 

< Eine von Westinghouse geführte internationale Gruppe von Nuklear-Instituten, darunter das Institut für Transurane ITU am KIT Nord, erhält EU-Förderung, um die Kernbrennstoffversorgung  für Atomreaktoren russischer Bauart in der EU zu sichern und voranzutreiben. Westinghouse übernimmt dabei u.a. die Rolle des Projektkoordinators.

Es geht um die Entwicklung, Lizenzierung und Herstellung von Nuklear-Brennstoff, Lizenzierungsprozesse für Druckwasserreaktoren, ect. In der EU gibt es zur Zeit 131

Kernkraftwerke, von denen mehr als 60% auf Westinghouse-Technologie basieren. [ 26 ]

 

< Der Vizepräsident von Westinghouse Lateinamerika, Carlos Leipner, äußert sich im Rahmen des 26. Jahreskongresses der Nuklear Society von Mexiko wie folgt: „Kernenergie sei in einzigartiger Weise geeignet, den Energiebedarf Mexikos durch eine verlässliche Stromerzeugung zu decken und damit Wirtschaftswachstum und einen hohen Lebensstandard zu ermöglichen. Bei der Kooperation von Westinghouse mit Partnern in Mexiko wird das Unternehmen seine langjährigen Erfahrungen in der Zusammenarbeit mit Ländern in aller Welt einflien lassen, damit diese ihre kommerziellen Kernenergieprogramme vorantreiben können. Dabei werden eine umfassende Palette an Dienstleistungen und Brennelementen für den Betrieb der Anlagen bereitgestellt. Westinghouse bietet u.a. das AP 1000, ein Kernkraftwerk der Generation III+ an,  dieses soll für Mexiko ganz besonders geeignet sein, so Leipner.  [ 27 ]

 

< Wieder findet am KIT-IKET eine Westinghouse-Veranstaltung statt, diesmal zu deren

Druckwasserreaktor vom Typ AP1000, dessen Technologie, und Projekt-Updates  [ 28 ]

 

< Das dritte AKW der Türkei soll nahe der bulgarischen Grenze gebaut werden. Sowohl Westinghouse als auch ein chinesischer Mitbieter hoffen, den Auftrag zum Bau von vier Einheiten des Typs AP 1000 zu erhalten. [ 29 ]

 

< Der chinesische Staatskonzern CNNC will das vierte argentinische Atomkraftwerk bauen (Atucha 3), es soll die CANDU-Reaktortechnologie verwendet werden, die auch Waffenplutonium erzeugen kann. Ein Rahmenwerk für ein fünftes AKW wurde unterzeichnet, es soll ein Druckwasserreaktor der dritten Generation werden.  [ 30 ]

 

< Die kanadische Terrestrial Energy Inc. will die Entwicklung ihres Integralen Schmelzsalz- Reaktors (IMSR) vorantreiben und arbeitet zu diesem Zweck neu mit dem amerikanischen Oak Ridge National Laboratory (ORNL) zusammen. Der IMSR ist modular aufgebaut und kann zu den SMR gerechnet werden. Das ORNL zählt zu den Spitzenreitern in der Erforschung neuer Reaktortechnologien.   [ 31 ]

(Das ORNL wurde in den 1940er Jahren zur Atombombenherstellung gegründet, es ist seit dieser Zeit Amerikas nationales Zentrum zur Entwicklung und Anwendung von Techno- logien zur Anreicherung von Uran, was auch der nuklearen Brennstoffentwicklung  dient.) Am KIT-INR finden 2014 zwei Seminare mit Vortragenden des ORNL zu atomaren Anwendungen statt, einmal geht es um „nuclear data needs [ 32 ], das andere Mal geht es um „reactor physics“, accelerator design“, Monte Carlo Codes“.   [ 33 ]

 

< Am KIT-IKETwird ein Kolloquium zu Schmelz-Salz-Reaktoren abgehalten. Der sogenannte MSFR kann als Brüter-Reaktor im Thorium-Brennstoffkreislauf operieren oder


als Transmutationsreaktor gefüllt mit Plutonium und minoren Aktiniden. [ 34 ]

 

< Anlässlich eines Auftritts in Singapur bekräftigte IAEO-Generaldirektor Amano seine Unterstützung zur Erforschung und Weiterentwicklung von SMR. Besonders kleine Länder wie etwa Singapur würden davon profitieren, je nach Bedarf auch im Rahmen regionaler Kooperationen. Weltweit befänden sich 45 unterschiedliche innovative SMR-Konzepte in verschiedenen Forschungsstadien und in Argentinien, China, Indien und Russland würden bereits SMR gebaut.

 

< Eine neue britische Studie hat untersucht, wie sich große Kernenergieeinheiten  und kleine

Modulare Reaktoren (SMR) in Zukunft ergänzen können  [ 35 ]

 

< Ein KIT-INR- Seminar zum belgischen MYRRHA – Demonstrationsreaktor findet statt; behandelt werden beschleunigergetriebene Anwendungen (ADS), Materialtests für die vierte Generation von Atomkraftwerken, sowie die Technologie von bleigekühlten schnellen Reaktoren.   [ 36 ]

 

< Ein weiteres Seminar des KIT-INR befaßt sich mit Brennstoffen von Druckwasser- Reaktoren [ 37 ]

 

< Die ROSATOM gibt bekannt, dass sie ihre Tochtergesellschaft „JSC Rusatom Overseas

in

drei Unternehmen aufteilt. Eines davon, die neue „JSC Rusatom Overseas Inc.“ werde zur russischen Drehscheibe für Kernenergie, welche die Verantwortung für die weltweite Vermarktung von ROSATOMs nuklearen Neubauprojekten übernimmt.

 

< ROSATOM und Ägypten beschliessen die Zusammenarbeit über den Bau von vier AKWs, die ca. 300 km westnordwestlich von Kairo entstehen sollen. [ 49 ]

 

< Die EU gründet eine „hochrangige Gruppe wissenschaftlicher Berater“, die die EU- Kommission in einem weiten Spektrum wissenschaftlicher Belange beraten soll.

Genügend Unterstützung und Unabhängigkeit vorausgesetzt, werden sie eine wertvolle Ressource sein“, so die Hoffnungen... Der einzige Wissenschaftler, der darin für Energiefragen zuständig ist, ist der Leiter des Kernforschungszentrums CERN, Rolf-Dieter Heuer... [ 38 ]

 

Die IAEO hat bereits in den oben erwähnten Neueinsteigerstaaten Lizenzierungs- und Trainingsprogramme zum Kernenergieeinstieg absolviert. Dies geschieht weitgehend ungeachtet von teilweise massiven Demokratiedefiziten, erhöhter Terror- und Proliferationsgefahr. Staatsfirmen wie die französische AREVA, die russische ROSATOM oder die chinesische CNNC, sowie der Konzern Westinghouse sind bereits sehr aktiv, um weltweit Absichtserklärungen und Verträge über den Absatz ihrer jeweiligen Nukleartechnik abzuschlien.

 

Wie kann auf ehrliche Weise der von der Bundesregierung beschlossene Atomausstieg gelingen, wenn die Brisanz und das Risiko gerade im oben beschriebenen internationalen Atom-Kontext so ignoriert werden und wenn mit denselben Personen eine Lösung angestrebt wird, die offensichtlich Teil des Problems sind? Wie sollen Atomlobbyisten und Verfechter von neuen Atomreaktor- systemen eine integre Energiewende vorantreiben, während sie offensichtlich  überwiegend daran arbeiten, die internationalen Atomkonzerne zu unterstützen und auf vielltige Weise einem weltweiten Nuklearen Markt den Weg zu ebnen. Steuergelder, Forschungskapazitäten und entsprechendes Know-How fließen immer noch – auch unter Beteiligung des KIT in die falsche Richtung.


Wie kann es sein, das das KIT angesichts dessen weiterhin Konzernen wie AREVA, Westinghouse und Institutionen wie ORNL und IAEO zu diesen Themen ein Podium bietet? Offensichtlich wird der deutsche Atomausstieg mit Unterstützung des KIT auf dem internationalen Parkett hintertrieben.

Der schöne Schein“ oder das „zweite Gesicht“, was trifft mehr zu??

Ist das KIT willfähriger Handlanger in diesem desaströsen Spiel oder verantwortlicher Akteur? Wer trägt die Verantwortung für diese offensichtlich strategisch gewollte Entstehung der internationalen nuklearen Begehrlichkeiten und Versuche, die Atomwirtschaft wieder anzukurbeln und für nukleare Neueinsteigerstaaten attraktiv zu machen?

 

 

 

Quellenverzeichnis:

 

[ 1 ]    European Nuclear Society ENS: (www.euronuclear.org/e-news/e-news-43/ansaldo.htm) [ 2 ]           (www.nzz.ch/wirtschaft/unternehmen/grosse-plaene-mit-kleinen-teilchen-1.18634826)

[ 3 ]    (IAEA-Broschüre „Milestones in the Development of a National Infrastructure for Nuclear

 

           Power“, 2015,  www.nuklearforum.ch/de/aktuell/e-bulletin vom 14.09.2015)

[ 4 ]    (IAEA-Broschüre „Developing Infrastructure, S. 11 und 19-20, März 2014)

[ 5 ]    (taz vom 29.10.2011)

 

[ 6 ]    (Homepage der Universität von Waterloo, Kanada:  www.wgsi/yacine-kadi) [ 7 ]           (http://publications.crs4.it/pubdocs/2010)

[ 8 ]    (www.nuklearforum.ch/de/aktuell/e-bulletin   vom 05.11.2015) [ 9 ]           (Newsletter IPPNW, 11.11.2015)

[ 10 (www.ithec.org)

 

[ 11 ]  (Programm ThEC13)

 

[ 12 ]  (www.nuklearforum.ch/de/aktuell/e-bulletin   vom 16.09.2014)

 

[ 13 ]  (IAEA-Broschüre „Developing Infrastructure“, S. 6-9, März 2014)

 

[ 14 ]  (28.10.2014 am KIT-IKET, Dr. M. Krause von IAEO.

           Kolloqien:  www.iket.kit.edu) [ 15 ]  (Wikipedia – CANDU)

[ 16 ]  (amerika 21, 23.11.2014)

 

[ 17 ]  (amerika 21, 10.10.2015, Autor: A. Hetzer) [ 18 ]  (08.12.2014, M. Böttcher, vom INR)

[ 19 ]  (Kolloquium 17.06.2014, KIT-IKET, Dr. H. Herbell, Westinghouse: „SMR...) [ 20 ]  (www.nuklearforum.ch/de/aktuell/e-bulletin    vom 03.07.2014)

[ 21 ]  (www.nuklearforum.ch/de/aktuell/e-bulletin   vom 08.09.2015) [ 22 ]  (www.nuklearforum.ch/de/aktuell/e-bulletin   vom 05.11.2015) [ 23 ]  (tageblatt.lu/AFP, 23.10.2015)

[ 24 ]  (www.nuklearforum.ch/de/aktuell/e-bulletin   vom 27.02.2015) [ 25 ]  (www.nuklearforum.ch/de/aktuell/e-bulletin   vom 18.02.2015)

[ 26 ]  www.businesswire.com/news/home/20150629005557/de/) [ 27 ]   www.businesswire.com/news/home/20150707006642/de/)

[ 28 ]  (07.Juli 2015, KIT-IKET, Dr. H. Herbell, Westinghouse.

           Kolloqien:  www.iket.kit.edu)

[ 29 ]  (www.nuklearforum.ch/de/aktuell/e-bulletin      vom 20.10.2015)

[ 30 ]  (www.german.china.org.cn/     vom 7.11.2015)

 

[ 31 ]  (www.nuklearforum.ch/de/aktuell/e-bulletin   vom 9.01.2015)

[ 32 ]  (01.12.2014 am KIT-INR, Dr. Luiz Leal, ORNL)

[ 33]   (30.06.2014 am KIT-INR, Dr. Robert Grove, ORNL)

 

[ 34 ]  (30.06.2015, Klosterman, Delft, Kolloqien:  www.iket.kit.edu)

 

[ 35 ]  (www.nuklearforum.ch/de/aktuell/e-bulletin   vom 21.10.2015)

[ 36 ]  (15.06.2015 am KIT-INR, Giulia Morresi, Pisa, Italien)

[ 37 ]  (19.10.2015 am KIT-INR, Vincenzo Romanello vom INE)

[ 38 ] (Süddeutsche online, 11.11.2015)

[ 39 ]  (www.nuklearforum.ch/de/aktuell/e-bulletin    vom 31.07.2014)

[ 40 ]  (www.iket.edu/580.php)

[ 41 ]  (www.nuklearforum.ch/de/aktuell/e-bulletin    vom   08.05.2014)

[ 42 ]  (www.nuklearforum.ch/de/aktuell/e-bulletin    vom 25.11.2015)

[ 43 ]  (KIT-PI 139)

[ 44 ]  https://cds.cern.ch/record/1624293)

 

[ 45 ]  (ithec.org/wp-ontent/uploads/2015/10/Revol.ThEC15.parallel.04.pdf)

[ 46 ]  (CERN-Thesis-2009-143)

[ 47 ]  (www.nuklearforum.ch/de/aktuell/e-bulletin   vom     08.05.2014    und  vom 14.09.2015)

[ 48 ]  (WAZ online vom 24.05.2007)

  [ 49 ]  (www.nuklearforum.ch/de/aktuell/e-bulletin   vom  25.11.2015)

Abdeckung des nuklearen Haftungsrisikos für die Anlagen des Joint Research Centre in Karlsruhe

 23.02.2017

Der BUND Mittlerer Oberrhein bittet unter Verweis auf § 3 des Umweltinformationsgesetzes bzw. § 24 des Umweltverwaltungsgesetzes BW um folgende Umweltinformationen zu folgender Frage:

 

Wir haben aus einer Auftragsbekanntmachung

 

  • Abdeckung des nuklearen Haftpflichtsrisikos für die Anlagen der JRC Karlsruhe. Referenznummer der Bekanntmachung: JRC/KRU/2017/R.6/0110/RC.

entnommen, dass das JRC eine Versicherung sucht (veröffentlicht am: 30.08.2017)

Gegenstand dieser  Ausschreibung ist die nukleare Haftpflichtversicherung für den Umgang mit und die Lagerung von Kernbrennstoffen und sonstigen radioaktiven Stoffen in den Anlagen der JRC Karlsruhe.

In der Genehmigung von 2012 des JCR wird unter 4.4.4. festgelegt:

Erforderliche Vorsorge für die Erfüllung gesetzlicher Schadensersatzverpflichtungen (§ 9 Abs. 2 Nr. 4 AtG)

Nach § 13 Abs. 1 Satz 1 AtG hat die atomrechtliche Genehmigungs- und Aufsichtsbehörde im Genehmigungsverfahren Art, Umfang und Höhe der Vorsorge für die Erfüllung gesetzlicher Schadensersatzverpflichtungen (Deckungsvorsorge) überprüft und neu festgesetzt. Die Höhe der Deckungssumme wurde für den beantragten Umgang mit Kernbrennstoffen und sonstigen radioaktiven Stoffen gemäß § 13 Abs. 1 AtG in Verbindung mit § 8 Abs. 1 Satz 1 Nrn. 1 und 2, § 11 Abs. 1, 18 und 19 AtDeckV auf 200,-- Millionen Euro neu festgelegt. Die Festsetzung der Deckungsvorsorge erfolgte mit Bescheid vom 09.02.2011.“

 

-       Ist dies die aktuelle Versicherungssumme?

-       Falls nein, wie lautet die neue?

-       Was genau wird mit dieser Versicherungssumme abgedeckt?

 

 

Freundliche Grüße

 

 

Harry Block

 

 

 

 

 

Castoren von Frankreich nach Philippsburg

BNN „Irritationen um Atommüll

Philippsburger fühlen sich von EnBW überrumpelt“ vom 30.9.2017

Kommentiert von Harry Block wurde  nicht in den BNN abgedruckt:

Noch bis ins Jahr 2005 durfte die deutsche Atomindustrie laut 'Konsens' ihren Strahlenmüll ins Ausland verschieben. Die so genannte Wiederaufarbeitung fand in Frankreich statt. Damit wurde die laut Atomgesetz vorgeschriebene Entsorgung weiter nur vorgetäuscht. Wenn damals die Betreiber verpflichtet wären nachzuweisen, dass es eine sichere Endlagerung für den hochgefährlichen Strahlenmüll gibt, müssten damals wie heute sämtliche Atomkraftwerke sofort vom Netz genommen werden. Denn ein Endlager, das den Strahlenmüll über den notwendigen Zeitraum sicher von der Biosphäre abschneidet, existiert nicht. Wer nicht entsorgen kann, muss abschalten!

Für eine Einlagerung der Castoren aus Frankreich in Philippsburg fehlen zwei wesentliche Voraussetzungen: 

1. Das Zwischenlager für hochradioaktive Brennelemente ist gegen die Einwirkungen von außen nicht genügend gesichert und muss massiv ´gehärtet´ werden.

2. Es bedarf einer Nachrüstung mit  sogenannten Heißen Zellen im Zwischenlager. 

Der BUND hat mit anderen Umweltverbänden die Forderung dieser Nachrüstung schon mehrfach erhoben. 

Das Problem ist also, dass für diese speziellen Atomabfälle es vor Ort keine Reparaturmöglichkeiten gibt, sollten die Behälter undicht werden. Während Castoren mit bestrahlten Brennelementen noch im Abklingbecken von KKP 2 repariert werden könnten  ̶  das erfolgt dort in der Sicherheitszone unter Wasser  ̶  ist dies bei dem Atommüll, der in Glas eingeschmolzen ist, nicht möglich, da diese strahlende Glas unter keinen Umständen mit Wasser in Verbindung kommen darf. Für die Abfälle aus Frankreich und England kommt diese Möglichkeit also nicht in Betracht. 

Wir teilen nicht die Sicht, der Entsorgungskommission (ESK) der Bundesregierung, die sich mit weniger Maßnahmen einverstanden erklärte. 

Eine Studie von INTAC Hannover, verfasst von dem Physiker Wolfgang Neumann, widerspricht der ESK in zahlreichen Punkten und legt umfänglich auch weitere Gründe dar, die eine Nachrüstung von Heißen Zellen als Sicherheitsmaßnahme unbedingt erforderlich machen. 

In dieser Stellungnahme wurden die Aussagen bezüglich des Doppeldeckeldichtungssystems beim CASTOR HAW28M zur Notwendigkeit von Heißen Zellen an Zwischenlagerstandorten vom Mai 2014 bestätigt. Vor einem Rücktransport müssen diese am Standort Philippsburg gebaut werden.

Harry Block

BUND Mittlerer Oberrhein

Freigemessener Atommüll aus Karlsruhe und Philippsburg

Freigemessener Atommüll

 

Tausende von Tonnen aus den Atomanlagen des KIT Nord und dem Abriss der Atomkraftwerke in Philippsburg

 

Im Kit Nord, ehemals Kernforschungszentrum Karlsruhe, und in Philippsburg fallen in den nächsten Jahrzehnten hunderttausende von Tonnen sogenannter freigemessener Atommüll an.

Im KIT haben die  Energiewerke Nord, ein Unternehmen des Bundes, den Abriss vom ehemaligen Schnellen Brüter (KNK II) und dem Mehrzweckforschungsreaktor (MZFR) sowie der Wiederaufarbeitungsanlage mit Verglasungsanlage übernommen. Der Terminplan zum Abriss der WAK hat sich bis ca. 2030 verschoben, statt einer Milliarde Euro (wie geplant) sind nunmehr ca. drei Milliarden erforderlich. Derzeit passiert im KIT nichts, weil erst zwei neue Zwischenläger für schwach- und mittelaktiven Atommüll  genehmigt und gebaut werden müssen. Das bereits bestehende große Zwischenlager – mit rund 80 000 Fässern, von denen rund 1700 schon verrostet sind – ist randvoll.

Beim Abriss allein von KKP 1 in Philippsburg werden tausende von Tonnen Abbruchmaterial anfallen. Darunter rund 50.000 Tonnen, die freigemessen werden sollen.

Wir müssen uns also mit der Gesamtproblematik „Atommüll“ intensiv befassen.

 

Die im Auftrag des BUND erstellte „Stellungnahme zu Defiziten der Regelung von Freigaben radioaktiver Stoffe in der Bundesrepublik Deutschland“ von Wolfgang Neumann beleuchtet das verdrängte Problem beim Rückbau von Atomkraftwerken.

In Deutschland existiert die Möglichkeit, schwach radioaktive Reststoffe und Abfälle aus dem Zuständigkeitsbereich von Atomgesetz und Strahlenschutzverordnung in den konventionellen Bereich zu entlassen („Freigabe“). Dies bedeutet, dass Materialien aus einem Atomkraftwerk, das rückgebaut wird, nach so einer „Freimessung“ auf einer normalen Hausmülldeponie landen können oder als Wertstoff wiederverwendet werden. Bei einer Stilllegung von Atomkraftwerken fällt eine besonders große Menge solcher Materialien an. Wegen der derzeit anstehenden gleichzeitigen Stilllegung von acht Reaktoren können die freigegebenen Mengen so groß sein, dass die Einhaltung des Strahlenschutzzieles für die Bevölkerung durch Freigaben gefährdet ist.

 

Radioaktivität wird unterschätzt – mehr Kontrolle nötig

Durch die großen jährlichen Freigabemassen und die unterstellte Verteilung auf viele Deponien wird die auf einer Deponie abgelagerte Radioaktivität unterschätzt. Bei der Entwicklung des sogenannten. 10 Mikrosievert-(μSv)-Konzepts durch die IAEA im Jahr 1998 wurde noch von einem zu hohem Risikofaktor für Krebssterblichkeit  ausgegangen. Dies wurde im Jahre 2005 geändert. Daraus folgt, dass die Freigabewerte zur Deponierung im Sinne eines vorbeugenden Strahlenschutzes zu hoch sind und uner 2 Mikrosievert-(μSv) liegen müsste.

 

Deshalb muss die Entlassung von Reststoffen und Abfällen in den konventionellen Bereich auf jeden Fall stärker überwacht und reglementiert werden. Ein weitergehender Schutz der Bevölkerung wäre durch die Aufgabe der Freigaberegelung und die Verfolgung des französischen Konzepts mit einem gesonderten Entsorgungsweg für schwächer radioaktive Stoffe möglich.

 

Es muss dringend geprüft werden, ob eine Konzentration dieser Stoffe in einem, die notwendigen Rückhalteanforderungen erfüllenden, oberflächennahen Endlager sinnvoller ist als die Verteilung der Radioaktivität in verschiedenen Hausmülldeponien und Gegenständen für den menschlichen Umgang.

 

Der BUND lehnt grundsätzlich jegliche Freigaberegelungen, wie sie in der Strahlenschutzverordnung vorgesehen sind, ab. Dies hat zuletzt die Bundesdelegiertenversammlung des BUND im Jahr 2000 bestätigt.

 

HB, November 2016

 

 

 

Einwendung Wasserwerk Morscher Wald

 

An RP Karlsruhe

Abteilung 5 Umwelt

 

          

Karlsruhe, 8.09.2017

 

 

Wasserrechtsantrag: Wasserwerk Mörscher Wald –

Aktenzeichen 51a2-8914.51-21 KA-35 WW Mörscher Wald

 

Die Darstellung/Untersuchung von Flora und Fauna in den Erfassungsbeichten ist sehr gut,  recht umfassend sowie informativ. Auswirkungen wird es bei einer Entnahme von 7,6 Millionen Kubikmeter Grundwasser natürlich geben.

 

Potenzielle Gefahrenquellen liegen für den besiedelten Bereich der Schutzzone IIIB des WSG Mörscher Wald bei einer Vielzahl an konkreten Altlasten(verdachts)flächen vor.

Es gibt im Bereich des Wasserwerks altlastverdächtige Flächen:

-  ehemalige Standortschießanlage Karlsruhe/Rheinstetten/Mörsch, wo es durch Munitionsrückstände nachweisbar zu einem

   erhöhten Bleieintrag in das Grundwasser kommt ;

- Bauschuttablagerung

-  Hausmüllablagerung

Zusätzlich sind folgende Untersuchungsflächen von Altlasten betroffen:

-  Sondermüllablagerungen

-  Tankstelle, Öl, KfZ-Reperatur; Fe-Metallverarbeitung, Maschinenbau

-  Bauschuttablagerung

Deren Gefährdungspotential hätten wir gerne genau gewusst und bewertet. Außerdem wäre es ja wohl jetzt an der Zeit, soweit als möglich diese Altlasten zu sanieren/zu beseitigen.

Was uns da fehlt, ist die Untersuchung auf PFC. Insgesamt sind vierzehn Firmen aktenkundig,

die Papierschlämme an den Komposthändler Vogel geliefert haben, der diese an Bauern weitergegeben hat.

-       Landete Material von der Firma Vogel auf Grundstücken im Bereich des Wasserwerkes (auch bei Mannheim sind die gefährlichen Stoffe auf hundert Hektar im Boden entdeckt worden)?

-       Falls ja, wo und wieviel?

-       Wann wurde dies festgestellt und untersucht?

-       Falls nein, wurde trotzdem Untersuchungen durchgeführt? Wo, wann und mit welchen Ergebnissen?

Eine große Papierfabrik ist auch in Karlsruhe ansässig.

-       Wieviel Tonnen ihrer Papierschlämme sind PFC belastet.

-       Wie wurden/werden diese entsorgt?

 

„Neben punktuellen Gefährdungen durch Altlasten(verdachts)flächen ergibt sich im WSG Mörscher Wald durch Verkehrsinfrastruktur „eine diffuse Gefährdung […] aus dem linearen Eintrag straßenverkehrsbürtiger Stoffe wie Reifenabrieb, Schmieröle, Kraftstoffe, Kraftstoffadditive und Lösungsmittel“.

Es gibt vor allem die Gefahr von hunderten von LKWs mit Mineralölprodukten der MIRO und chemischen Produkten von BASF. Ein schwerer Unfall (2008 ereigneten sich 279 Unfälle in Wasserschutzgebieten) könnte das Ende der Wasserentnahme bei einem oder mehrerer Brunnen bedeuten.

-       Gibt es Möglichkeiten diese echte und die diffuse Gefährdung zu minimieren z.B. Durchfahrverbote bei einzelnen Straßen?

-    Sind für die Folgemaßnahmen

·      Aufnehmen/Ausheben verunreinigten Materials, einschließlich Bindemittel

·      Abfuhr verunreinigten Materials

·      Aufbereiten des verunreinigten Materials vor Ort (z. B. Ausspülen, Mischen, 

·      Belüften)

·      Niederbringen von Grundwasserbeobachtungsrohren

·      Anlegen von Schürfgruben

·      Errichten von Brunnen zum Abpumpen etc.

die örtlichen Vorsorgemaßnahmen bei Feuerwehren etc. ausreichend und nachgewiesen?

 

 

-       Warum hat sich der Wasserverbrauch der städtischen Stellen mehr als halbiert?

Das gleiche für die Sonderverträge.

-        Was ist hierfür der Grund?

 

Nitrat im Grundwasser ist ein Problem. Im Münsterland hat eine Gemeinde im Einzugsbereich der Brunnen  mit den dortigen Landwirten einen Vertrag zur so genannten Nitrat-Minimierungs-Methode abgeschlossen. Das Ergebnis: Das Wasser ist fast nitratfrei.

 

Das Gutachten für das Wasserwerk Durlacher Wald stammt aus dem Jahre 2006

-       Wie sieht es derzeit mit der Gewinnung von Trinkwasser im Durlacher Wald aus?

 

Pflanzenbehandlung und Schädlingsbekämpfung (PSM) werden seit mehr als einem Jahrzehnt durchgeführt. Nachgewiesen wurden Atrazin und dessen Abbauprodukt Desethylatrazin.

„Obwohl die einzelnen Brunnen merklich belastet sind, wurde bislang der Grenzwert

der TrinkwV von 0,1 μg/L nicht überschritten, sodass bei Beibehaltung der

derzeitigen Gegebenheiten (verminderte Fördermenge) diesbezüglich keine Maßnahmen

erforderlich sein sollten. Diese können notwendig werden...“

-       Warum verbietet man nicht in diesem Bereich die Anwendung oder versucht wenigstens diese zu minimieren?

 

„Es liegen heterogene Strukturen mit guter Verbundsituation und mehrere großflächigere, für Vögel, Amphibien und Libellen geeignete Gewässerhabitate vor. Eine Beeinträchtigung liegt durch den Besatz von Kaliko-Krebsen in allen Gewässern im westlichen Teilgebiet vor. Hier kann nicht mehr von einer erfolgreichen Reproduktion von Libellen und Amphibien ausgegangen werden.“ 

-       Warum? Gibt es da keine Gegenmaßnahmen?

 

 

Einzelfragen:

 

Schwefelwasserstoff und Methan kommen im Grundwasser häufig vor. Beide Gase rufen unterschiedliche Probleme in Wasserwerken hervor. Es ist sehr wichtig, dass beide Gase entfernt werden, da schon kleine Restmengen im Wasser die nachfolgende Entfernung von Eisen und Ammonium erheblich erschweren.

-       Wie wird dies im neuen Wasserwerk gehandhabt?

 

-       Gibt es für gewisse ´Notfälle´ technische Einrichtungen, die halogenierte Kohlenwasserstoffen aus dem Wasser entfernen können?

 

-       Welche Wärmeeinträge in das Grundwasser gibt es im Bereich des Wasserwerks?

-       Wie sieht es mit den Temperaturen an den jeweiligen Brunnen im Jahresablauf aus?

 

-       Wieviel Grundwasser pro Jahr wird im Bereich Bruchsal bis Rastatt von Kommunen, Industriebetrieben, Firmen und Privatpersonen gefördert?

-       Wie viele Wassergenehmigungen mit welcher Gesamtmenge in diesem Bereich liegen vor? Werden diese ständig auf den aktuellen Verbrauchsstand korrigiert?

 

-       Reicht die Grundwasserneubildung in diesem Bereich regional gesehen aus?

 

-       Sind Wasserminimierungsvorschriften für Großverbraucher in unserem Bereich geplant oder durchgeführt worden?

 

 

Den gutachterlichen Stellungnahmen können wir uns anschließen:

 

„Abschätzung der Wertigkeit:

Flora/Biotoptypen: Der Biotopverbund weist hinsichtlich der heterogenen Strukturen eine

insgesamt hohe Wertigkeit auf.

Fauna: In der Untersuchungsfläche ist das Vorhandensein wertgebender Amphibien und Libellen zu erwarten, für die eine Empfindlichkeit gegenüber Wasserstandsabsenkungen besteht.

Zusammenfassende Bewertung: Bei der Untersuchungsfläche handelt es sich um ein

hochwertiges Gebiet mit einer natürlichen Anpassung an starke Wasserstands-schwankungen. Aufgrund der wesentlichen Beeinflussung des Grundwasserstands durch den Rheinwasserspiegel wird eine Absenkung von < 5 bis ca. 18 cm durch die Grundwasser-entnahme des Wasserwerks lediglich zu geringen Auswirkungen führen.“

„Insgesamt handelt es sich bei der Untersuchungsfläche hinsichtlich der Amphibienfauna um ein hochwertiges Gebiet. Hinsichtlich der geringen, prognostizierten Absenkbetr.ge muss zumindest mit geringen Wirkungen gerechnet werden.“

 

Die Genehmigung sollte nur für 20 Jahre ausgesprochen und deren Einzelheiten/Auswirkungen von Zeit zu Zeit  gutachterlich überprüft und veröffentlicht werden.

 

 

Mit freundlichen Grüßen

 


Harry Block

KIT Nord - ehemals Kernforschungszentrum KA in Kurzform

Im Norden von Karlsruhe, in der Nähe der kleinen Gemeinde Eggenstein-Leopoldshafen, liegt das

ehemalige Kernforschungszentrum Karlsruhe – heute Karlsruher Institut für Technologie (KIT-Nord).

Nach 23 Jahren Wiederaufarbeitung steht hier das nun größte oberirdische Zwischenlager der Republik mit Zigtausend Fässern Atommüll. Fast 1.700 davon sind rostig. Dennoch sind weitere Hallen für noch mehr Strahlenmüll geplant. Und ungeachtet der Entsorgungs-Probleme vor der eigenen Haustür forscht man fleißig weiter an einem Atomreaktor der „IV. Generation“

 

Das KIT-Nord wurde 1956 gegründet und betrieb mehrere Forschungsreaktoren. Darunter den Forschungsreaktor 2 (FR 2) als ersten in Eigenbau realisierten deutschen Natururanreaktor, den Brutreaktor-Prototyp „Kompakte Natriumgekühlte

Kernreaktoranlage“ (KNK II – der erste hatte vor seiner Beladung mit Brennstäben einen Natriumbrand), die 1990 stillgelegte Wiederaufarbeitungsanlage Karlsruhe

(WAK) sowie den Mehrzweckforschungsreaktor (MZFR).

In der WAK wurde die Technologie erprobt, die später einmal im

bayerischen Wackersdorf kommerziell genutzt werden sollte. Daraus

wurde dort aber nichts, weil der Widerstand der Bevölkerung

zu stark war. 1991 war in Karlsruhe Schluss mit der Wiederaufarbeitung von Brennstäben. Übrig blieben 70.000 Liter hochradioaktive Flüssigabf.lle,

„High Activ Waste Concentrate“ (HAWC) genannt, die zwischen September 2009 und November 2010 in der eigens dafür gebauten Verglasungsanlage bearbeitet,

verglast und in sogenannte Kokillen gefüllt wurden. Diese, immer noch hochradioaktiv, wurden dann in Castor-Behältern nach Lubmin gebracht.

Der Rückbau der kerntechnischen Versuchsanlagen am ehemaligen Kernforschungszentrum Karlsruhe (KfK) geschah bis zum Jahr 2009 in der Verantwortung des KfK durch den "Geschäftsbereich Stilllegung". Bei der Gründung des "Karlsruher Instituts für Technologie (KIT)" ging dieser Geschäftsbereich in die "WAK GmbH" über, einem Tochterunternehmen der "Energiewerke Nord GmbH (EWN)". Im Februar 2017 wurde aus der WAK GmbH die Firma "Kerntechnische Entsorgung Karlsruhe GmbH (KTE)". Seither sind

die über 1.000 Beschäftigten mit dem weiteren Abriss der Atomreaktoren und der WAK beschäftigt.

 

• Bau des ersten Atommüll-Lagers: 1958

• Reaktion auf zu hohe Strahlungswerte 1974:

Zaun wird weiter nach außen versetzt

• Lager für schwach- und mittelradioaktive Abfälle heute: 6

• Gelagerte Atommüll-Menge (Oktober 2012): 67.200 m.

• Lagerkapazität: 78.000 m.

• Erweiterung beantragt um: 30.000 m.

• Hoffnung: Einlagerung in „Schacht Konrad“ ab 2023

• „Wiederaufarbeitungsanlage“ Karlsruhe (WAK): 1971–1990

• Baukosten: ca. 30 Mio. €

• Angefallene hochradioaktive „Atomsuppe“: 70.000 Liter

• Bisherige „Lösung“ dafür: Verglasung und Abtransport ins

Zwischenlager Lubmin

 HB

 

Mangelware Wasser: Am Horn von Afrika werden Dürren zur Regel.

Die Welt erwärmt sich

Wirbelstürme, Überschwemmungen und extreme Hitze- oder Kälteperioden hat es in der Erdgeschichte schon mehrfach gegeben. Was früher vereinzelte Naturereignisse waren, entwickelt sich mehr und mehr zu einer vom Menschen gemachten Katastrophe.

 Vor allem die Industriestaaten heizen der Erde seit 150 Jahren durch die Verbrennung von Erdöl, Kohle und Gas ein. In anderen Regionen der Welt wirkt sich der Klimawandel für Mensch und Tier tödlich aus. In der Sahelzone werden die Dürreperioden immer länger, das Vieh verdurstet, und auf den kargen Böden wächst nichts mehr. Lateinamerika wird immer häufiger von schlimmen Fluten heimgesucht. Tropische Wirbelstürme zerstören in Nordamerika die Häuser.

Stadtwerke tauscht Olkessel im Heizkraftwerk West aus

 

Wir haben den Antrag auf immissionsschutzrechtliche Genehmigung

für den Ersatz von Kessel 3 im Heizkraftwerk West (HKW) der Stadtwerke Karlsruhe GmbH in Karlsruhe auf dem Betriebsgelände des Heizkraftwerkes West, Honsellstraße, geprüft und fristgerecht bewertet.

Die Stadtwerke beabsichtigen, den bestehenden, mit Heizöl betriebenen Kessel 3 abzubauen und zu ersetzen. Diese Maßnahme beruht aber nicht auf Einsicht in den umweltfreundlicheren Brennstoff Gas. Block 3 erfüllt die aktuell vorgegebenen Emissionsanforderungen der 13. BImSchV nicht und steht deshalb lediglich mit reduzierter Feuerungswärmeleistung für den Notfallbetrieb mit begrenzter Leistung zur Verfügung. Er muss also durch zwei erdgasbetriebene Kessel mit je 70 MW Feuerungswärmeleistung ersetzt werden. Als Begründung wird die Sicherstellung der Fernwärmeversorgung der Stadt Karlsruhe angegeben, weil das „HKW-West die Zentrale für die Fernwärmeversorgung der Stadt Karlsruhe ist.“

 

 

Die Stadtwerke loben sich im  Sinne ihrer Unternehmensrichtlinien, eine Öffentlichkeitsbeteiligung  gemäß § 16 (1) BImSchG gewählt haben. Die gesamte Feuerungswärmeleistung der erdgasbetriebenen Kesselanlage liegt im Planzustand bei 354 MW (d.h., die FWL des HKW wird von derzeit 314 MW auf zukünftig 354 MW erhöht), so dass die Anlage gemäß der Zuordnung zu Nr. 1.1.1 (X) grundsätzlich „UVP-pflichtig“ ist. Dies wird jedoch dann vom Gutachter TÜV als nicht notwendig bezeichnet.

Der Standort existiert seit 1901. Noch nie wurde für diesen Standort eine UVP erstellt, die die Gesamtheit, die mit der Fernwärme in Karlsruhe einhergehenden Emissionen in ihrer Gesamtheit betrachtet. Diese fordern wir. Die Mär von der sauberen Fernwärme würde dadurch deutlich werden. Denn diese wird zu 32 % von der MiRO und zu 57 % von RDK bezogen. Die dazu notwendigen Anlagen geben nicht nur Stickoxide (MiRO = 2.560.000 kg, RDK = 1.290.000 kg), sondern auch hochgiftige lungengängige Feinststäube in die Atmosphäre ab, die anteilsmäßig auch der Fernwärme geschuldet sind.

Würde man alle in dem vom TÜV untersuchten 7km-Radius-Emittenten um das Rheinhafenkraftwerk in eine UVP heranziehen, bewerten und kritisch als Gesamtanlage beleuchten, so würde das Ergebnis so lauten: Die im Untersuchungsraum untersuchten Anlagen führen zu irreversiblen, grenzüberschreitenden und erheblich nachteiligen Auswirkungen auf alle Umweltschutzgüter.

 

Für unsere  geforderten  niedrigen Werte bezüglich Kohlenstoff und Stickoxiden ziehen wir als Begründung die Daten der LUBW Landesanstalt für Umwelt, Messungen und Naturschutz Baden-Württemberg heran, die mehrere Überschreitungen bei Staub und  Stickoxiden in der Region Karlsruhe aufweisen.

Wir fordern beim Einsatz von Gas:

 

Textfeld: Bezugs-02: 3 Vol.%	 TMW Tagesmittelwert [mg/m3] 	 HMW Halbstundenmittelwert [mg/m3]	 MPZ Mittelwert über die Probenahmezeit [mg/m•] Bezugs-02: 3 Vol.%	 TMW Tagesmittelwert [mg/m3] 	 HMW Halbstundenmittelwert [mg/m3]	 MPZ Mittelwert über die Probenahmezeit [mg/m•] 	 kontinuierliche Messungen	 kontinuierliche Messungen	 Einzelmessungen alle 2 Jahre CO	45	90	 NOx 	70	 	 SOx	30	60	 Gesamtstaub			5

Diese Werte unterschreiten die gesetzlichen Vorschriften, sind aber   das zeigt das im Dezember 2016 neugenehmigte Gaskraftwerk der EnBW in Stuttgart  möglich.

 

 

In unserer Stellungnahme (s.Anhang) weisen wir ferner noch auf weitere Probleme der Genehmigung hin.

Auch die ökologischen und ökonomischen Nachteile der Fernwärme werden von uns aufgezeigt.  Vor allem wollen wir keine Auskopplung derselben aus dem alten Steinkohleblock RDK 7 der EnBW. In Neubaugebieten, die nicht nahe am Fernwärmenetz liegen, sollen nur noch erneuerbare Energieträger die Wärme in Nahwärmeerzeugungsanlagen in Karlsruhe bereitstellen.

  

Harry Block

0171 5359473

 

 

 

 

 

 

10. Oktober 2016

Klimaabkommen 2015

RDK 7+8 mal schön

Am 12. Dezember 2015 haben die 196 Vertragsparteien der Klimarahmenkonvention der Vereinten Nationen (UNFCCC) in Paris ein neues Klimaabkommen verabschiedet, das zu Recht als historischer Erfolg gefeiert wird.[1] Bis zuletzt war offen, ob die langjährigen zähen Verhandlungen zu einem bedeutungsvollen Abschluss gebracht werden können. Sollte das Abkommen nun konsequent umgesetzt werden, bedeutet es nichts weniger als den Anfang vom Ende des fossilen Zeitalters und somit den Ausstieg aus Kohle, Öl und Gas.[2] Ob das Pariser Abkommen tatsächlich Geschichte machen wird, entscheidet sich also nicht zuletzt auf dem Feld der globalen Energiepolitik.

Für sich genommen garantiert das Pariser Klimaabkommen noch keinen Umbau des globalen Energiesystems, denn die

Zusagen der Mitgliedstaaten müssen erst in nationale Energiepolitik übersetzt werden. Dennoch bietet es fortan einen zentralen, international verbindlichen Bezugspunkt, der zu einem Katalysator für entsprechende nationale Bemühungen werden kann. Eine der wichtigsten Voraussetzungen für eine zielführende Verknüpfung von Klima- und Energiepolitik ist nun, dass die in Paris gemachten Zusagen hinsichtlich der Finanzierung und des Technologietransfers eingehalten werden – speziell gegenüber den energiehungrigen Entwicklungs- und Schwellenländern. Nur so kann gewährleistet werden, dass das Pariser Abkommen weltweit umgesetzt und auf nationaler und lokaler Ebene wirksam werden kann. Ohne angemessene Investitionen und entsprechende technische Unterstützung wird der in Paris gewonnene Schwung speziell in Entwicklungsländern rasch wieder verloren gehen.

Wenn das Pariser Abkommen weltweit einem grundlegenden energiepolitischen Strukturwandel zum Durchbruch verhilft, dann kann es, zumal in Wechselwirkung mit den einschlägigen UN-Nachhaltigkeitszielen, tatsächlich das Ende des fossilen Zeitalters besiegeln und die Dekarbonisierung der Weltwirtschaft im Sinne einer nachhaltigen globalen Entwicklung vorantreiben

 

Und wie sieht es in Karlsruhe aus:

2 Kohlekraftwerke, davon eines (RDK8) das mindestens noch 40 Jahre laufen wird. RDK7 + RDK 8 geben mehr als 6 Millionen Tonnen Kohlendioxid in die Atmosphäre. Am gleichen Standort im Rheinhafen befindet sich auch ein modernen Gaskraftwerk (RDK 4s), welcher nur ein Vierteln an Stickoxiden und Kohlendioxid emitieren würde und vor allem keinerlei hochgiftige, lungengängige Schadstoffe in unsere Atemluft abgeben würde. Es liegt still. Begründung: zu teuer.

 

 

 

 

 

 

 

Klimawandel geht zu langsam - Bundesregierung kommt nicht weiter

Dass der Klimawandel nicht erst in der Zukunft droht, sondern längst Realität ist, wird inzwischen auch von den letzten Zweiflern als Tatsache akzeptiert. Doch hierzulande kommt der Klimawandel langsam und auf leisen Sohlen. Oft merken wir es gar nicht – und wenn, sind uns die Konsequenzen nicht bewusst. Wenn wir zum Beispiel an lauen Sommerabenden immer öfter die Grillen zirpen hören, denkt kaum jemand daran, dass diese Insekten Krankheitserreger aus Südeuropa importieren, denen unsere Weinreben schlecht Widerstand leisten können.

Um weitere katastrophale Folgen zu verhindern, muss der Ausstoß klimaschädlicher Treibhausgase erheblich reduziert werden. Die Industriestaaten, die eine historische Schuld am Klimawandel tragen, müssen deutlich mehr Leistung erbringen und ihre Emissionen bis 2050 um mindestens 80 Prozent reduzieren. Die Klimarahmenkonvention der Vereinten Nationen und das Kyoto-Protokoll bieten den richtigen Rahmen, um dies zu regeln.

 Vor der Klimakonferenz in Marrakech im Dezember 2016,  wird heftig darüber gestritten, wie die Ziele von Paris in einem praktischen Klimaschutzplan in Deutschland zu erreichen sind. Und plötzlich fällt vielen ein , was alles nicht geht. Kein Strom mehr aus Kohlekraftwerken? Geht nicht, wegen der Jobs. Keine Autos mehr mit Benzin und Diesel? Geht nicht, mangels Alternativen. Keine Treibhausgase mehr durch die Landwirtschaft? Geht nicht, wegen der Kühe in jedem Stall. Und das alles soll sich ändern? Wenige Monate nach der Abstimmung auf großer Bühne im Parlament ist von Aufbruch in der deutschen Klimapolitik nichts mehr zu spüren. Vom Fahrplan in eine emissionsfreie Gesellschaft droht kaum etwas übrig zu bleiben.  

Weil Energieversorgungsunternehmen, Industrievertreter und Gewerkschaften aufschreien, fährt die Bundesregierung die dezentrale Energiewende an die Wand und lässt sich dabei von den großen EVUs, deren Geschäftsmodell von zentralen Strukturen abhängt, die Hand führen.


Der einst große Plan wird immer kleiner. 

 

 

 

 

Tornados richten immer häufiger schwere Verwüstungen an – wie hier in Nordamerika.
30. Oktober 2016

Die genehmigten Schadstoffmengen der beiden Kohlenblöcke der EnBW in KA

Für RDK 7 haben wir leider die genehmigten Werte nicht
Der Erdgasblock lag in den letzten Jahren meist still

RDK 6s ist ein genehmigtes nicht gebautes Gaskraftwerk. 

RDK 4s ist in den letzten Jahren nur wenige Stunden aus Kostengründen in Betrieb genommen worden,obwohl es nur ein Viertel der Kohlendioxid und Stickoidwerten wie ein vergleichbares Kohlekraftwerk in die Atmosphäre abgibt. Wichtiger ist fast noch, dass Gas keinerlei lungengängige, hochgiftige Stoffe an die Atmosphäre abgibt. Im Jahr 2015 emittierten RDK7+8 zusammen 56 Kilo Quecksilber. Das wird sich nach dem Abschalten der Atommeiler in Phillippsburg und Neckarwestheim noch wesentlich steigern, weil dann die Kohlenblöcke ständig laufen werden. 

 

 



BUND Kindergruppen in Karlsruhe

Weitere Infos / Kontakt:
Simone Gilbert
kindergruppen.mittlerer-oberrhein@bund.net
Telefon 0721 35 85 82

Neuigkeiten:

BUND OV Karlsruhe engagiert sich gegen Verwendung von Plastiktüten.

Größtes deutsches Zwischenlager für schwach- und mittelaktiven Atommüll liegt im Hardtwald bei Karlsruhe

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