Atomforschung unter dem Deckmantel der Sicherheit in Karlsruhe

 

 Gefahr globaler Bedrohung 

„Forschung unter dem Deckmantel Sicherheit“ 

Zu „Forschung an neuartigen Atomreaktoren?“ vom 18. November: 

Auf dem Gelände des KIT-Nord befinden sich zurzeit zwei millionenschwere Großbaustellen. Auf der einen baut die Kerntechnische Entsorgung Karlsruhe (KTE, eine Firma der Bundesrepublik Deutschland) derzeit ein neues Zwischenlager für Tausende von Fässern, gefüllt mit „mittelaktivem Atommüll“. 

Der Bau mit seinen bis zwei Meter dicken Stahlbetonwänden und Decken dient der Zwischenlagerung der strahlenden Abrissreste von „Altlasten“ auf dem Gelände des ehemaligen Kernforschungszentrums Karlsruhe (drei Kernreaktoren, Verglasungsanlage und die Wiederaufarbeitungsanlage Karlsruhe). Transparent gegenüber der Öffentlichkeit und den Umweltschutzverbänden geht der Rohbau dieses Zwischenlagers in die Endphase. 

Unter weitestgehender Geheimhaltung jedoch wird – nur einige hundert Meter entfernt – von der gleichen Baufirma der Neubau des „Flügels M“ des Joint Research Centre (JRC) der Europäischen Kommission errichtet. Früher gab es auf dem Gelände des KIT Nord das zum JRC gehörende Institut für Transurane (ITU). Die Europäische Kommission hat alle bisher in Europa verteilten Forschungseinrichtungen von Euratom nach Karlsruhe verlegt, so dass die Forschung und Entwicklung neuer Kernreaktoren – von Euratom finanziert – hier konzentriert mit dem ITU als Kerninstitut weiter verfolgt werden kann. 

Mit Genehmigung des Umweltministeriums Baden-Württemberg entsteht ein neues Lager- und Forschungsgebäude zur Unterstützung der Atomindustrie in Europa. 

Wir wissen, dass in dem (bisher unzureichend gesicherten) Lagergebäude des ITU bereits große Mengen an Plutonium, angereichertem Uran 235 und Thorium gelagert werden. Wir wissen auch, dass dort neue Atombrennstäbe gebaut und – nach einer Bestrahlung im Ausland – in Karlsruhe dann auf die Zusammensetzung der radioaktiven Substanzen untersucht werden. Wir kennen den Namen der Forschungsprojekte, darunter „Samofar“, in dem es um Thorium-Flüssigsalzreaktoren der vierten Generation geht. Da es dem JRC nach der Genehmigung untersagt ist, an neuen Reaktoren zu forschen, wird unter dem Deckmantel der „Sicherheitsforschung“ dennoch an diesem Reaktortyp und seinen Brennstoffen geforscht. 

Das „Karlsruher Bündnis gegen neue Generationen von Atomreaktoren“ will sich und die Öffentlichkeit kundig machen, was sich hinter diesem und anderen neuen Reaktortypen verbirgt. Wir hatten deshalb Dr. Rainer Moormann, einen profunden Kenner dieser schwierigen Materie, als ehemaligen Mitarbeiter an einem Thorium-Versuchsreaktor in der Kernforschungsanlage Jülich, zu dem Vortrag eingeladen. Sein Vortrag zeigte deutlich auf, dass diese Hochtemperatur-Flüssigsalzreaktoren eine einfache Möglichkeit bieten, bei der Atomstromgewinnung ohne Umwege kontinuierlich waffenfähiges Uran 233 „abzuzapfen“. 

Die Weitergabe (Proliferation) nicht nur von Atomwaffenwissen, sondern vor allem auch der mögliche Bau von Atombomben durch sogenannte Zwergstaaten kann durch diese Technologie zu einer globalen Bedrohung werden. Da diese Art von Reaktoren von den Befürwortern mit vielen Vorteilen gegenüber herkömmlichen Leichtwasser-Kernreaktoren beworben wird, entlarvte Referent Rainer Moormann kenntnisreich dies als „Verkaufspropaganda“. 

Wer sich genauer informieren will, kann sich die Folien des Vortrags auf der Homepage des BUND Karlsruhe ansehen (karlsruhe.bund.net). 

Harry Block 

Karlsruhe 

Dr. Dirk-M. Harmsen 

Karlsruhe 

Badische Neueste Nachrichten | Karlsruhe | AUS DER REGION | 23.11.2017 Seite 30 

Genehmigung der radioaktiven Substanzen im Joint Research Centre (JCR)

Das ehemalige Institut für Transuranne in Karlsruhe  - heute JCR - bekam 2012 vom grünen Umweltministerium Ba-Wü die Genehmigung für den Neubau des sogenannten Flügels M. 

Diese Genehmigung beinhaltet ein hochgefährliche radioaktives Inventar, deren Mengen in der beigefügten Genehmigung ersichtlich ist.

Neben 50 kg Urans 235, 100 kg Thorium befinden sich auch 180 kg Plutonium und das atomwaffenfähige Uran 233.

Die Genehmigung ist eine Umgangsgenehmigung. Das JCR entnimmt zum Bau von kleinen Versuchsbrennstäben radioaktives Material und kann es dann wieder ersetzen.

Der gesamte Baukomplex wurde in der Mediation zum Bau angesprochen. Es wurde aber in dieser ´Veranstaltung´ mehr vertuscht als offengelegt (s. auf dieser Homepage deren Verlauf)

Die Europäische Kommission hat alle bisher in Europa verteilten Forschungseinrichtungen von EURATOM nach Karlsruhe verlegt, so dass die Forschung und Entwicklung neuer Kernreaktoren – von EURATOM finanziert – hier konzentriert mit JCR als Kerninstitut weiter verfolgt werden kann.

Das "Karlsruher Bündnis gegen neue Generationen von Atomreaktoren" will sich und die Öffentlichkeit kundig machen, was sich hinter diesem und anderen neuen Reaktortypen verbirgt und welche Rolle dabei das JCR und das KIT (ehemals UNI Karlsruhespielt.    

Verheimlichen-verschleiern-vereinnahmen - Mediation zum Neubau im Joint Research Centre (JCR)

Verheimlichen – verschleiern – vereinnahmen

Atomzentrum Karlsruhe – Schmiede der Atomtechnik, Experten der Einbindung.

Erfahrungen aus vier Jahrzehnten Bürgerprotest und einer Mediaton.

Inmiten eines Waldgebietes, etwa 10km von Stadtzentrum von Karlsruhe enternt, liegt

der Atomforschungs-Komplex, in dem das Karlsruher Insttut für Technologie (KIT-Nord),

die Wiederaufereitungsanlage Karlsruhe (WAK) und das Europäische Insttut für

Transurane (ITU) angesiedelt ist. Auf dem 2,5 Quadratkilometer großen massiv

eingezäunten Gelände arbeiten heute rund 3500 Menschen.

An der Geschichte der Namensänderung des Zentrums kann man die Anpassungsfähigkeit

der Atomwissenschaf in Deutschland gut nachvollziehen: über die Reaktorstaton

Karlsruhe zum Kernforschungszentrum Karlsruhe über das Intermezzo Forschungzentrum

Karlsruhe zum Anhängsel der ehemaligen Universität Karlsruhe als KIT-Nord.

Ebenso wie aus dem „Plutonium-Insttut“ 1957 das Insttut für Transurane wurde.

In letzterem wurde bereits 1966/67 im großem Maßstab Plutonium 239 verarbeitet, dem

gifigsten Stof, den die Menschheit kennt. In diesen Jahren fertgte die ITU 2100

Brennstäben für die französische Atomanlage Cadarache. Der Umfang dieses Aufrages

zeigt, welche Kapazität und welches Know How in dieser Anlage steckt.

Das Atomzentrum Karlsruhe hat aufgrund seines Kerngeschäfs und Materials wegen -

neben Plutonium wird mit weiteren radioaktven Stofen wie Uran und Thorium hantert -

sozusagen von Haus aus besondere Anstrengungen zu leisten, um die Gefahr und Brisanz

dieser Anlage herunterzuspielen und mit gezielten öfentlichkeitwirksamen Maßnahmen

dafür zu sorgen, dass es in der Bevölkerung ruhig bleibt.

Bereits Anfang der 80er Jahre begann man damit, die Efzienz diverser

Einbindungsstrategien wissenschaflich zu erforschen. Ein antreibender Faktor dieser

Bemühungen war sicherlich auch die aufommende gesellschafliche Gegenbewegung zur

Fortschrits- und Technikgläubigkeit, die ihren mächtgsten Ausdruck in der Ant-AKWBewegung

fand. Eine Bewegung, die die Existenz des Atomzentrums herausforderte und in

Frage stellte, und so kam es in den Reaktonen zu Wechselwirkungen.

Bevor die systematsch betriebene Akzeptanzforschung des KIT vorgestellt wird, soll

deshalb zunächst die Enstehung des Widerstands in und um Karlsruhe umrissen werden.

Widerstand formiert sich – die Rolle der GRÜNEN

Als die Ant-AKW-Bewegung Anfang der 70er Jahre begann, in Karlsruhe und nächster

Umgebung die Öfentlichkeit zu informieren und durch kleine Aktonen, wie z. B.

Begehungen rund um das Zentrum, Aufmerksamkeit zu schafen, ging es uns ofmals so,

dass wir als Spinner verschrien wurden, die im Strickpullover bei Kerzenlicht an der Möhre

knabbern. Mit dem Einzug der GRÜNEN in die örtlichen Gemeinderäte und in den Bundes

bzw. Landtag kam etwas Licht in das Dunkel des atomaren Gestrüpps des größten

Atommüllproduzenten des Landes vor unserer Haustür im Hardtwald. Die ganze Wahrheit

blieb auch trotz vieler Anfragen weiterhin verdunkelt, weil die Sprache der

Atomwissenschaf verschleiernd oder verniedlichend war und die Forscher eine ungeheure

Reputaton in unserer Gegend genossen. Protestaktonen, selbst mit so namhafen

Persönlichkeiten wie Robert Jungk vor der Wiederaufarbeitungsanlage Karlsruhe, haten

nur mäßigen Zuspruch und keinerlei mediale Präsens. Auch die regelmäßigen Fahrrad-

Informatonsfahrten, „Sonntagsspaziergang“ genannt, um das große eingezäunte und

gesicherte Gelände fanden keine Berichterstatung und auch wenig Interesse bei den über

20.000 Studentnnen und Studenten einer technischen Universität.

Viele in den umliegenden Gemeinden arbeiteten im weitesten Sinne für das Zentrum

(dessen Mitarbeiter z. B. Kunden ihrer Betriebe, Läden, Geschäfe waren) oder haten

Angehörige, Verwandte oder Freunde, die dies taten. Das Zentrum brachte Geld in die

Kassen der Gemeinden, die Info-Veranstaltungen im KfK waren eine einzige

Beschwichtgungsorgie, an denen sich auch ein grüner Kreistags- und

Gemeinderatsangehöriger und gleichzeitg Beschäfigter des Forschungszentrums

beteiligte und vom Betriebsrat (Gewerkschaf) mit unterstützt wurde.

Eigentlich erst nach Tschernobyl wurde es uns in unserer Region (wie im Rest der Republik)

möglich, ein realistscheres Bild der Gefahren von Atomkraf zu verbreiten, so dass auch in

unserer Region die Meinung kippte und ein größerer Teil der Bevölkerung begann,

skeptsch zu werden und sich nicht mehr so unbesehen für die atomare Energie

auszusprechen.

1984 gründete sich die „Bürgerinitatve für die Stlllegung der Atomanlagen und die

Umwandlung des Atomforschungszentrums Karlsruhe in ein Forschungszentrum für

alternatve Energien“. Der Titel war Programm, und die Öfentlichkeitsarbeit begann.

Das Verbreiten eines Gegenbildes zu den publizierten Groß- und Allmachtsphantasien der

Forscher im KfK war schwierig; die Gefahren der Atomkraf zu vermiteln war eine

mühselige Kleinarbeit (der ehemalige Revierförster der Gegend, Wilhelm Knobloch, kann

hiervon auch ein Lied singen). Wir kamen sozusagen vom politschen Abseits in das

Zentrum einer sozialen Ant-Atom-Bewegung – waren dann aber auch sofort den

Okkupatonsversuchen politscher Parteien ausgesetzt.

Ohne Beispiel sind natürlich die GRÜNEN, die mit unserer Bewegung groß geworden sind.

Hervorgegangen aus Teilen sozialer Bewegungen, insbesondere der Ökobewegung, dienten

sie in Karlsruhe, vor allem nach schweren Auseinandersetzungen wie in Brokdorf oder

Wackersdorf um den Bau neuer Atomanlagen, als Sammelbecken für uns, die noch

Hofnung hegten, parlamentarisch etwas verändern zu können. Wir, die Grünen der 1.

Stunde haten das Thema ‚Kernforschung‘ und die Rolle der Atomstrom-Erzeuger (EnBW)

in den Fokus unserer zumeist kommunalpolitschen Arbeit in der Region und des Landes

Baden-Würtemberg gerückt und dadurch eine Gegenöfentlichkeit geschafen, die den

Agierenden im Zentrum und in den Altparteien überhaupt nicht gefel. Zunächst ofen

bekämpf (immer wenn ich mich im Karlsruher Gemeinderat zu Wort meldete, wurde die

Redezeit von damaligen Oberbürgermeister auf 3 Minuten begrenzt – normal waren 10),

dann aber, um die zukünfigen ‚Kolleginnen und Kollegen‘ in einer aufgehübschten

Parteienlandschaf nicht allzu sehr – auch als eventuelle zukünfige KoalitonspartnerInnen

– zu beschädigen, begann man auch hier mit Versuchen der Einbindung. In Karlsruhe

prüfe man deshalb unsere „Politkfähigkeit", sprich: Verlässlichkeit, Kalkulierbarkeit.

Nach dieser Phase folgte dann die Einbindung erst durch Verwaltungsposten

(Fraktonsvorsitzende in Karlsruhe wird – für uns grünen Gemeinderatsmitglieder

überraschend – Leiterin des Karlsruher Tourismusbüros) und nach dem Austrit eines nicht

unbeträchtlichen Teils der kritschen Mitglieder 1999 in Folge des Eintrits Deutschlands in

den Nato-Krieg mit grüner Unterstützung, war auch der erste grüne Bürgermeister in

Karlsruhe möglich geworden. Der Wahlsieg der GRÜNEN nach Fukushima brachte

schließlich deren strikt und gut organisierte Realogruppe um den Ministerpräsidenten

Kretschmann an die Macht. Ministerpräsident Kretschmann, Umweltminister Franz

Untersteller und Rudi Hoogvliet als Regierungssprecher (Rezzo Schlauch wurde als Berater

bei der EnBW abgefunden, Fritz Kuhn schließlich OB von Stutgart) waren die Realo-

Gruppe in Baden-Würtemberg, die jeden Parteitag dominierte und nur einmal eine

empfndliche Schlappe einfuhr, als sie auf einem Sonderparteitag das Müllwunder vom

Lago Maggiore (die als Thermodefect bekannte Thermoselect-Anlage von der EnBW, für

450 Millionen gebaut und stllgelegt) in Baden Würtemberg gegen uns Karlsruher hofähig

machen wollten. Die einem ondit? zufolge immer noch als ‚links‘ eingestufen Karlsruher

GRÜNEN wurden nach der Wahl 2011mit einem Staatssekretärinnenposten ‚beschenkt‘.1

Pionier der Einbindung - wissenschafliche Forschung im Dienste der Manipulaton

Die Vorbereitung zur Einbindung der BürgerInnen begann in Karlsruhe wie eingangs

erwähnt schon in den 80er Jahren. Lange bevor ein Energiekonzern wie RWE eine

„Akzeptanz-Studie“ 2012 herausgab, in der die Vorzüge der BürgerInnenbeteiligung

aufgearbeitet werden, (siehe Beitrag von Florian Hurtg), hate sich im

Kernfoschungszentrum Karlsruhe (KfK) das Insttut für Systemanalyse etabliert und begann

mit der Untersuchung von Verfahren zu umstritenen Projekten aller Art. Ihre Studien

zielten damals noch nicht sofort auf eine Vereinnahmung von NGOs (Nicht-Regierungs-

Organisatonen) und anderen gesellschaflichen Akteuren ab. Sie sannen in ihrem ‚think

tank‘ auf Abhilfe für die kommenden Auseinandersetzungen in einer Art Akzeptanz-

Management. In diesen Denkaquarien stegen nun die Perlen der Weisheit in Form von

Untersuchungen nach oben, die als Vorstufe unserer heute festzustellenden wirklichen

Vereinnahmung der Bürgerinnen und Bürger gelten könnte.

Man begann ganz allgemein mit Untersuchungen der Abteilung für Angewandte

Systemanalyse im KfK über „Großtechnologien in der gesellschafliche Kontroverse“2. Da

wurde großfächig die Bevölkerung in Deutschland zur Atomenergie befragt und

festgestellt, dass 1983 54 % der Befragten die „Kernenergie eine der umweltreundlichsten

Technologien“ sehen (S. 85). Aber schon in dieser Untersuchung waren 65 % aller

Befragten mit Abitur der Meinung: „Unseren Nachkommen wird auf unverantwortliche

Weise der radioaktve Müll hinterlassen“ (S. 89)

In Karlsruhe wurde wie in der gesamten Republik durch Tschernobyl die Situaton für die

Befürworter der Atomenergie verschärf, und sie legten intensiv nach. Und jetzt wurde es

1) eine informatve Studie der „Ökoecke im Supermarkt“ = GRÜNE fndet sich bei Michael Wilk ‚Techniken des

Sozialen Friedens‘

2 KfK 3342 vom Mai 1983

detailliert angegangen. Der Widerstand wurde nicht nur durch unsere ‚Geheimdienste‘

durchleuchtet, nein, mit wissenschaflichen Methoden wurden wir er- und ausgeforscht.

Das Ziel: herauszufnden, wie wir arbeiten und wie man uns dann in Zukunf begegnen

kann.

Die Federführung hate dabei die Hochschule für Verwaltungswissenschafen in Speyer.

Einer der dortgen Honorarprofessoren war 21 Jahre lang bis 1996 Vizechef des KfK, Prof.

Dr. Hellmut Wagner. Die Ära Wagner war nicht nur eine gelungene Vereinigung von

"Technik und Recht“, er war Jurist und Ingenieur" - seine für die Atomcommunity in

Wissenschaf und Politk mitnitierten Forschungsarbeiten waren in der Tat sehr wertvoll

für die Ausspähung der Bürgergesellschaf und das Erstcken des Widerstandes mit

wissenschaflichen Miteln vor Ort. Sie entalten erst heute voll ihre einlullende Wirkung.

Diese Forschungsarbeiten fanden ihren Niederschlag in der Veröfentlichung der

Diskussionen und Ergebnisse in den KfKNachrichten,

dem Publikatonsorgan des

KIT. So auch die Schlussfolgerungen aus

einer „Bevölkerungsbefragung zu

umweltrelevanten Grossvorhaben“ unter

der Überschrif: Kernenergie und

Müllverbrennung als Konfikthemen.3 Der

Autor mahnt in seiner Auswertung

folgende Verbesserungen an:

„Bürgeranliegen ernster nehmen, weil

Vertrauensfunkton von den Bürgern als

defzitär eingestuf wurde; Informaton

verbessern, weil Informatonsfunkton

defzitär; frühere Beteiligung, weil

Partzipatonsfunkton defzitär …“

In einer anderen Studie unter dem Titel

„Öfentlichkeitsbeteiligung im Rahmen

eines wasserrechtlichen

Planfeststellungsverfahrens – der Fall

Negertalsperre“4 monieren die Autoren,

wie „der Konfikt verfahrensmäßig und

außerverfahrensmäßig ausgetragen wird.

In einem Klima von Misstrauen

dominieren letztlich

Konfrontatonsstrategien.“ (S.73)

3 Gloede, F. Kernenergie und Muellverbrennung als Konfliktthemen - Vergleich zweier regionaler

Bevoelkerungsbefragungen zu umweltrelevanten Grossvorhaben. KfK-Nachrichten, 22(1990) S.59-69

4 September 1991 (intern KfK-Bericht 4865)

Badische Neueste Nachrichten | Karlsruhe |

SÜDWESTECHO | 11.10.2013

Von unserem Redaktonsmitglied Karin Stenfenagel

Hitzige Stromdebatte

Karlsruhe. Die Energiewende ist ein Thema, das die

Menschen bewegt. Sehr deutlich wurde das bei der

öfentlichen Diskussionsrunde „Die Energiewende als

Gemeinschafswerk“ im Zentrum für Kunst und

Medientechnologie (ZKM). Eine halbe Stunde musste

Moderator Ortwin Renn überziehen, um den vielen

Publikumsfragen an das Podium gerecht zu werden.

Eingeladen hate die Helmholtz-Allianz Energy-Trans,

ein vom Karlsruher Insttut für Technologie (KIT)

koordinierter Forschungsverbund. „Ich glaube nicht,

dass es nur einen Königsweg gibt“, sagte Gesine

Schwan, Präsidentn der Humboldt-Viadrina School of

Governance. Die Wissenschaf liefere kein fertges

Produkt, das Wirtschaf oder Politk dann einfach nur

noch benutzen müssten. Die Energiewende sei nur zu

schafen, wenn Wissenschaf, Wirtschaf, Politk und

Bürger gemeinsam Ziele und Forschungsprioritäten

defnierten. „Wir müssen uns zwischen den

verschiedenen Gruppen vernünfig verständigen“, so

Schwan, die bereits zweimal um das Amt des

Bundespräsidenten kandidierte. „Ich kann etwas

schafen, binden Sie mich bite ein!“ lautete dagegen

der eindringliche Appell eines Zuhörers, der die Dinge

lieber anpacken wolle als nur zu reden.

Zugleich plädieren sie, dass die

Grundsatzentscheidung und das

„Verhandeln des Verhandelbaren“ in eine

Vorphase verlagert wird; betonen, dass die

Planungssicherheit für den Betreiber

Vorrang vor der existenziellen Sicherheit

der Betrofenen habe; stellen die

Wichtgkeit einer „neutralen

Schiedsrichterrolle“ heraus; meinen,

Erörterungstermine sollten zur

Pfichtveranstaltung gemacht werden und

möchten den Betrofenen die

Planungsfolgen, insbesondere die sozialen

Kosten aufürden.

Das untersuchte

Planfeststellungsverfahren wird als

ungenügend betrachtet, Ziele, die den

Konfikt befrieden könnten, zu erreichen.

In ihren Schlussfolgerungen plädieren sie

für einen ganz neuen Ansatz von

Beteiligungsverfahren, der wesentliche

Züge moderner Einbindungsstrategien vorweg nimmt. Besonders aufschlussreich scheint

mir ihre Erkenntnis, dass die Aufebung der Gegnerschaf der zentrale Hebel für das

Funktonieren von Einbindung ist:

„Das Verfahren vermag so nur mehr Legalität herzustellen, nicht aber Legitmaton. Es ist

m. E. fraglich, ob Verfahren als Ordnungsprinzip – und darin eingebetete

Öfentlichkeitsbeteiligung – diese Einschränkung auf Dauer „aushält“. Ein Ausweg aus dem

Dilemma ist m. E. nicht allein bei Verfahrensmodifkaton zu suchen, wie z. B. die

Erweiterung der Konzentratonswirkung des Verfahrens oder einer weniger restriktven

Handhebung des Recht auf Akteneinsicht. Man muss den Hebel bei der „Gegnerschaf“

zwischen staatlicher Instanz, Antragsteller und Bürgern/Einwendern ansetzen.

Gegnerschaf produziert Konfrontatonsstrategien. Was bei (anscheinend)

unverhandelbaren Positonen weiterbringen könnte, sind dagegen Konsensstrategien. Mit

ihrer Hilfe würden auch Angebote zur Öfentlichkeitsbeteiligung, wie sie im vorliegenden

Falle gemacht worden sind, tragfähig. Und darüber hinaus könnten möglicherweise neue

Beteiligungsformen entwickelt und vor allem umgesetzt werden, die bei der Grundsatz-

Entscheidung selbst ansetzen, nicht nur an Modifkatonen.“

Damit waren die Konsenskonferenzen erfunden und zunächst in die Lobbyköpfe und dann

zehn Jahre später bei Rot-Grün in die Politk gebracht. Der kritsierte Ablauf blieb aber von

der Grundidee völlig unverändert: Betreiber will etwas → Bürger und ‚Gutachter‘ reden

darüber → Betreiber bekommt von der Behörde mit leichten Korrekturen das was er will.

In der KfK-Schrif Nr. 4885 von September 1991 geht es um die Öfentlichkeitsbeteiligung

Armin Grunwald, Sprecher der Helmholtz-Allianz,

sprach die Organisaton künfiger Stromnetze an: „Wie

zentral kann unser Energiesystem noch sein, wie

dezentral wird es werden?“ Das sei auch eine politsche

Frage: „Energieverteilung heißt auch Machtverteilung“,

sagte Grunwald mit Blick auf die großen

Energiekonzerne, die sich mit der Wende noch schwer

täten. „Ich habe meinen absoluten Traumjob als

Forscher aufgegeben, um die Energiewende in die

richtge Richtung zu führen“, sagte Holger Hanselka,

der am Mitwoch seinen ersten Arbeitstag als neuer

KIT-Präsident hate. Er wolle am KIT interdisziplinäre

Forschungsprojekte fördern, um „die Richtgen

zusammenzubringen“, wie es beispielsweise bei

Energieversorgern und Autobauern geschehe.

Die Frage, wie die Energiewende mit der

Atomforschung am KIT zusammenpasse, erhitzte die

Gemüter. Ein Gast warf den Wissenschaflern vor,

Etketenschwindel zu betreiben und unter dem

Deckmantel der „Sicherheitsforschung“ die vierte

Generaton von Atomkrafwerken vorzubereiten.

Staatssekretär Georg Schüte versprach, das Thema in

der nächsten Aufsichtsratssitzung des KIT

anzusprechen.

beim Bau eines Teilstücks der Autobahn A861 „Von Bordeaux nach Istanbul“. In dieser

Schrif werden Sinn und Efekte der damals gängigen Praxis unverblümt ofen und klar

folgendermaßen dargestellt:

„Weil der Entscheidungsempfänger (also der Bürger, H.B.) an die Entscheidungsofenheit

der Situaton an die Ungewissheit glaubt, lässt er sich im Verfahren zu gut bezahlter

zeremonieller Arbeit anhalten. Nach deren Ableistung fndet er sich wieder als jemand, der

die Normen in ihrer Geltung und die Entscheidenden in ihrem Amte bestätgt und sich

selbst die Möglichkeit genommen hat, seine Interessen als Konsensfähig zu generalisieren

und größere soziale oder politsche Allianzen für seine Zielen zu bilden. Er hat sich selbst

isoliert. Eine Rebellion gegen die Entscheidung hat dann kaum noch Sinn und jedenfalls

keine Chance mehr. Selbst die Möglichkeit, wegen eines moralischen Unrechts öfentlich zu

leiden, ist verbaut.“ (obige Schrif S. 7)

Einem solchen, im alten bürokratschen Denken verhafeten Autor geht es also nicht um

Emanzipaton oder die Integraton in die politsche Gemeinschaf. Hier geht es um eine

oktroyierte Akzeptanz, darum, wie Menschen dazu gebracht werden können, eine

Verwaltungsentscheidung anzunehmen und nicht um die Akzeptanz in der Sache.

Überzeugung und Einsicht ist nicht gefragt und führt, so die arrogante Haltung der Autoren

dieser Schrif, deshalb ins Abseits, weil der BürgerInnenwillen nicht in der Lage ist, eine

komplexe Sache zu erfassen. Sein Wille wird missbraucht aber nicht gebraucht. Mit sehr

widersprüchlicher Argumentaton wird das auch in diesem Zitat aus der genannten Schrif

deutlich ausgesprochen:

„Eine administratve Durchsetzungsstrategie, und das ist die Planung einer Autobahn

(auch), ist kein Anschlag auf die Demokrate oder das Selbstbestmmungsrecht des Bürgers.

Fehlende Bürgern.he dieses Entscheidungsprozesses entspringen nun einmal nicht nur aus

der Komplexität und Ausdiferenzierung von Gesellschafen, die Funktonslegaton an

Teilsysteme notwendig macht, sondern sie lässt sich auch aus der begrenzten fachlichen

Kompetenz des mit wenig Zeit für die Belange des Gemeinwesens ausgestateten ‚citoyen‘

erklären.“ (S. 73)

Ohne Kompromisse gehe es nicht, heißt es. Dabei sind Kompromisse taktsche

Zugeständnisse des Mächtgeren an den Schwächeren; der Mächtgere macht kurzfristge

Zugeständnisse, um langfristg zu gewinnen; er geht in Einzelfragen Kompromisse ein, um

in Grundsatzfragen Recht zu behalten. Dadurch legitmiert aber der schwächere Partner

die unerwünschte Grundhaltung des Stärkeren. Damit dies nicht allzu sichtbar wird, hat

man im öfentlichen Raum die Mediatonsverfahren implementert.

Auf der Internetseite des PLM Portal (Product Lifecycle Management), gefördert vom

Wirtschafsministerium Baden-Würtemberg, wird die Systemerhaltende Notwendigkeit

des Akzeptanzmangements betont und aus der gleichen Herrschafslogik und -haltung

heraus begründet: Wie kriege ich die Bevölkerung dazu, dass sie will was sie nicht will? Wo

der Mensch von sich aus keine Motvaton hat, muss nachgeholfen werden:

„Akzeptanzprobleme sind das Todesurteil für jedes System, und sei es auch noch so gut.

Ein konsequentes Akzeptanz-Management sollte deshalb fester Bestandteil eines jeden

Projektes sein, das Auswirkungen auf die Arbeitsprozesse hat. Der Mensch lernt nun mal

nicht gerne um, es sei denn er hat einen unmitelbaren Nutzen davon. Ist das nicht der Fall,

dann ist sehr viel Überzeugungsarbeit erforderlich, damit er die Neuerung akzeptert.“

Die Mediaton zum Neubau des Insttuts für Transurane

Von der Theorie in die Praxis: Im Sept./Okt. 2011 fand eine Mediaton stat, bei der es um

den Erweitungs- und Neubau des Insttuts für Transurane ging, des sog. Flügels M. Diese

Mediaton wurde vom Baden-Würtembergischen Umweltministerium initert, als

Mediator wurde Michael Sailer engagiert.

Bei dieser Mediaton ging es um die Frage, ob das ITU den beantragten Erweiterungsbau

bauen darf und ob die beiden Gemeinden, auf deren Gemarkung dieses Gelände steht,

ihre Genehmigungen erteilen würden?

Zur Vorgeschichte: Der Bürgermeister von Linkenheim-Hochsteten, Günther Johs,

bekommt die Unterlagen zu einem Neubau eines Gebäudes im ITU, welches auf seiner

Gemarkung liegt. Er wundert sich etwas über die Wandstärke des Betons, und wir

kommen, da wir uns aus den Verfahren zur WAK und Verglasungsanlage kennen, darüber

in Kontakt. Wir trefen uns und stellen fest, dass das ITU Genehmigungen, z. B. zum

Umgang mit 180 Kilo Plutonium und vielen anderen radioaktven Stofen besitzt. Wir

werden hellhörig. Schalten die Medien ein. Wir machen einen Infostand vor Ort, und wir

schreiben an das Ministerium des grünen Umweltministers Untersteller. Die Sache kommt

ins Rollen. Man merkt in Stutgart, so einfach ist dieser Bebauungsplan, der die

Zustmmung des Gemeinderates von Linkenheim benötgt, nicht durchzubringen. Der

Bürgermeister erhält Rückendeckung von seinem Gemeinderat. Stutgart kommt ins

Nachdenken, weil das Umweltministerium hier auch eine atomrechtliche Genehmigung

(ohne Öfentlichkeitsbeteiligung) erteilen muss. „Hier müssen wir was machen“, werden sie

gesagt haben. Die Mediaton wurde geboren und die Gemeinderäte von Eggenstein-

Leopoldshafen, Linkenheim-Hochsteten und der BUND wurden zu einer öfentlichen

Mediaton eingeladen.

Beim BUND wurde eine Diskussion über Beteiligung oder Nichtbeteiligung nicht geführt.

Anders in der Bürgerinitatve ‚Müll und Umwelt Karlsruhe, der ich auch angehöre, in der

schon eine gewisse Skepsis gegenüber diesem Vorgehen geäußert wurde. Nach dem

Abwägen der Vor- und Nachteile entschied man sich in der BI zu einer Teilnahme in Form

meiner Person als fachlicher Unterstützer, da ich als BUND-Mitglied vom BUND

Regionalverband Oberrhein zum Mediatonspersonal berufen worden war. Wir

versprachen uns Öfentlichkeit und eine faire Auseinandersetzung. Außer einem nur die

Geb.udehülle darstellenden Bebauungsplan und der atomrechtlichen Altgenehmigung

haten wir zur 1. Sitzung am 12.9.2011 keinerlei Unterlagen. Das häte uns warnen müssen,

weil so die ‚Augenhöhe‘ in keiner Weise gegeben war und wir auf die Herstellung

derselben hofen.

Es gab für BUND-Mitglieder lediglich einen Besuchstermin beim ITU und seinen Chef Prof.

Dr. Fanghänel, bei dem uns mit Hilfe der üblichen Power-Point-Präsentaton Struktur und

Aufgabenfelder des Insttuts erläutert wurden (entsprechend dem Info-Flyer, den wir

natürlich bereits kannten, was in der Mediaton genau so wiederholt wurde).

Der Mediator Michael Sailer

Als Mediator war wie gesagt Michael Sailer auf den Plan gerufen worden. Da wir mit

Michael Sailer und dem Ökoinsttut in Darmstadt und Freiburg früher, zu Anfangszeiten,

regen Kontakt haten und fachliche Unterstützung bei der ‚Gegnerschaf‘ zum KfK und

seinen atomaren Anlagen fanden, galt er zunächst bei uns als akzeptabler

Versammlungsleiter, der wohl auf beide Seiten sachlich/wissenschaflich eingehen konnte.

Wir haten die Hofnung, der Atomtechnik-Experte Sailer würde, so wie die Mitarbeiter

seines Insttuts, uns bei atomrechtlichen stritgen Fragen zur Seite stehen und einhaken,

bzw. ein Nachfragen unsererseits ermöglichen, da uns keine wissenschafliche Beratung zur

Seite stand. Diesen Glauben, den wir in ihn hineinsetzten, erwies sich als schwerer Fehler.

Sailers Mitgliedschaf in Beratungsgremien5 und, wie sich zeigte, seine anscheinend

persönlich gute Bekanntschaf mit Prof. Dr. Fanghänel, dem Chef des ITU, häte uns zwar

stutzig machen sollen, aber wir waren von einer gewissen Neutralität überzeugt. Wir

wussten auch, dass der grüne Umweltminister, Franz Untersteller, der ihn als Mediator

berief, jahrelang sein Mitarbeiter am Öko-Insttut in Freiburg war, dort ab 2002 bis Mai

2011 sogar Vorstandsmitglied.

Im Laufe der Verhandlung entpuppte sich Michael Sailer denn auch mehr und mehr als

Steigbügelhalter des ITU, vor allem verkörpert in der Person des ITU-Chefs, mit dem er

auch als erster Vorsitzender der Entsorgungskommision (ESK) in enger Verbindung stand -

Fanghänel ist dessen zweiter Vorsitzender. Er räumte diesem jedwede Redezeit ein, auch

für langwierigste, aus- und abschweifende Erklärungen und versuchte kritsche Fragen

abzubiegen, ja sogar abzublocken. Gegenüber den anwesenden Bürgerinnen und Bürgern

erwies er sich dagegen als intolerant, verbat sich sogar kleinste Missfallensäußerungen

während der Sitzung und wies ziemlich rüde die Menschen im Saal zurecht. Mich duzte er

zu meiner Überraschung in der 1. Sitzung, was ich als Vereinnahmung empfand und mir

verbat.

Die Beteiligten

Von den insgesamt 20 Mitgliedern waren gerade mal zwei BUND/BI-Vertreter und 2

BeraterInnen aus einer BI. Die anderen waren ParteivertreterInnen der Kommunen,

Verwaltungs- bzw. Ministerienvertreter oder Mitarbeiter des ITU. Mit ‚Bürger‘-Beteiligung

hat das also im Grunde nichts zu tun. Während der Mediaton wurden keine Fragen von

Bürgerinnen und Bürgern aus dem Publikum zugelassen.

Die Runde der Teilnehmer der Mediaton zum Bau des Neubaus des Insttuts für

Transurane setze sich wie folgt zusammen:

5) wie als Vorsitzender der Entsorgungskommission (ESK) seit 2008 und als Mitglied der Reaktor-

Sicherheitskommission (RSK) seit 1999, deren Vorsitzender er von März 2002 – März 2006 war, als Mitglied des

Scientfc and Technical Commitee von Euratom (STC) 2005 – 2013)

Mediator: Michael Sailer und eine Assistentn; Helmfried Meinel, Ministerialdirektor

Umweltministerium Baden-Würtemberg plus 2 Berater; Prof. Dr. Jörg Menzel, Dezernent

Landratsamt Karlsruhe; Prof. Dr. Thomas Fanghänel, Direktor Insttut für Transurane

Dr. J. Fleisch, Gesch.fsführer WAK GmbH (für ITU), dazu eine Reihe von Beratern und

Rechtsanwälten; Bürgermeister Stober von Eggenstein-Leopoldshafen + 5 Gemeinderäte +

1 Verwaltung; Bürgermeister Johs von Linkenheim-Hochsteten + 6 Gemeinderäte

BUND 2 Mitglieder, dazu je 1 Berater von BUND und der BI Müll und Umwelt Karlsruhe

Die Sitzungen

Der etwaige Ablauf jeder Sitzung wurde von Sailer festgelegt, und wir, die Beteiligten,

konnten Wünsche äußern, die in unserem Falle nur zum Teil oder gar nicht erfüllt wurden.

Prof. Dr. Fanghänel´s Hauptgebiet Kernbrennstofe (die vorindustrielle Herstellung von

‚Brennstäben‘), für die die Plutonium-, Uran- und Thorium-Mengen benötgt werden,

streife er nicht einmal. Zu Beginn der 2. Sitzung kam ein ehemaliger leitender

Atomforscher auf mich zu und sagte: „Wenn das stmmt, was er über seine Arbeitsgebiete

aussagt, dann braucht er keine 180 Kilo Plutonium, sondern allenfalls 10 Gramm von jedem

radioaktven Stof. Wir haten für unsere sehr umfassenden Forschungsarbeiten viel

weniger als 1 Kilo Plutonium zur Verfügung.“

Uns war klar, hier wurde verschleiert, und außer uns hate nur ein Gemeinderat aus

Linkenheim genau diese Verschleierung im Blick und fragte danach. Dieser Gemeinderat

jedoch wurde von Prof. Fanghänel wegen einer läppischen Ungenauigkeit in einer

Maßeinheit, eines Schreibfehlers, auf das Übelste angegrifen, so dass dieser sich nicht

mehr – bis auf ein Schlusswort – zu Wort meldete. Mit wurde auch hier wieder klar, dass

auch wir scharfen Kritker unsere Sprache wechseln, z. B. verharmlosende Begrife wie

Grenzwerte, Integrität eines Gebäudes zum Teil übernehmen, bevor wir überhaupt den

Mund aufmachen dürfen. Seine Kolleginnen und Kollegen hielten sich bis auf die Schluss-

Statements sehr zurück, in denen dann aber vom Fraktonschef unsere ‚Dominanz‘

während der Sitzungen gebrandmarkt wurde (zur Arbeit des ITU haten sie jedoch nichts

zu sagen). Die beiden Bürgermeister äußerten sich zum Bebauungsplan.

Bürgermeister Johs aus Linkenheim machte zudem deutlich, dass seine Gemeinde über

Jahrzehnte von den Anlagen des KfK und des ITU radioaktv belastet wurde und er und sein

Gemeinderat deshalb sehr skeptsch gegenüber Neubauplänen auf seinem

Gemeindegebiet seien. Er wies nach, das die Sedimente des Altrheins bei Linkenheim

schon seit 1979 mit Plutonium belastet sind6.

Als Schlussfolgerung wurde jedoch nicht die Beseitgung dieser radioaktven Altlast

beschlossen, sondern einfach festgestellt: „... aus radiologischer Sicht besteht keine

Notwendigkeit die Sedimente auszubaggern“. Diese Haltung führte dazu, dass sich der

Linkenheimer Gemeinderat zunächst gegen den Neubau aussprach und dann einen

6 Das Umweltministerium prüfe dies anschließend nochmals und kam zum Ergebnis, dass sich neben den

‚natürlichen Radionukliden dort auch die künstlichen Radionuklide Plutonium sowie Strontum-90, Americium-

241 und Cäsium-137 befanden.

Bebauungsplan über das gesamte Gemeindegebiet auf dem Gelände der WAK und ITU

beschloss.

Der anschließende - noch nicht beendete - Rechtsstreit darüber würde hier zu weit führen.

Aber auch hier wurde der BürgerInnenwille vonseiten des ITU durch das schon beinahe an

Nötgung grenzende Schreiben eines beaufragten Anwaltes (mit der Androhung von

hohen Schadenersatzforderungen im Falle der Nichtgenehmigung) versucht auszuhebeln.

Der Bürgermeister von Eggenstein-Leopoldshafen musste zugeben, dass bis zu dem

Meditonstermin sein Gemeinderat über Bebauungspläne des Zentrums nicht abgestmmt

hate. Die Bürgermeister haten die Genehmigungen nach § 34 des Baugesetzbuches

einfach immer erteilt, so auch für den Bau des neuen ITU-Gebäudes.

Die Haltung von mir (und ich verstand mich dabei mehr als BI-Vertreter als BUNDMitglied)

war klar: Die vom ITU zum Großteil geleistete Forschung dient vorwiegend dazu,

die Akzeptanz bei der Bevölkerung für die Atomenergie nach den Katastrophen von

Tschernobyl und Fukushima wieder zu erhöhen und Forschungsgelder der EU abzugreifen.

Ein weiteres Beispiel: Wir fragten das ITU nach der evtl. Zusammenarbeit mit dem Militär

(weil in einer Folie des ITU Namen wie Los Alamos, Israel Atomic Energy Commission, Oak

Ridge Natonal Laboratory u.a. aufauchten). Antwort von Prof. Dr. Fanghänel: „Meines

Wissens arbeiten wir nicht mit der Bundeswehr zusammen.“

Bei einem Erörterungsverfahren z. B. häte man nachhaken können, bei der Mediaton

nicht.

Es wurde immer deutlicher: Die Mediaton ersetzt in keiner Weise ein öfentliches

Verfahren mit Umweltvertr.glichkeitsprüfung. Es wurde nur häppchenweise mit Fakten

herausgerückt, die von uns Kritkern aus „Zeitgründen“ oder durch Verhinderung durch den

Mediator so gut wie nie hinterfragt werden konnten. Gutachten zur Sicherheit und exakte

Baupläne lagen nicht vor und wurden mit dem Hinweis auf Sicherheitsprobleme

verweigert.

Dem ITU, vertreten durch Prof. Dr. Fanghänel, wurde es ermöglicht, stundenlang

ausweichend auf alle möglichen Randbereiche des ITU (medizinische Forschung, Forensik,

Ausbildung von Polizei und Zoll = bezeichnet als Kernbereiche des ITU) einzugehen und

damit sowohl die Mediatonsbeteiligten als auch die anwesende Öfentlichkeit

einzuschläfern. Und Nachfragen ließ der Mediatonsleiter nicht zu – Ansätze dazu wurden

als ‚Verhör‘ empfunden.

Sachverhalte wurden sprachlich so watert und verpackt, dass die ursprünglichen Fragen

überhaupt nicht mehr erkennbar waren; die Antworten waren reiner wissenschaflicher,

unverständlicher Sprachmüll – so die Meinung von anwesenden BürgerInnen, denen nur

die Rolle als absolut passive Zuschauer zugestanden wurde.

Die Taktk ist altbekannt: Man muss bei schwierigen Dingen - um sie durchzusetzen - ganz

kleine Schrite machen, die (und deren Bedeutung für die Sache) die Leute nicht verstehen,

und wenn sie sich daran gewöhnt haben, dann kommt der nächste kleine Schrit. Das

macht man so lange, bis der Weg, den man in kleinen Schriten gegangen ist, nicht mehr

verstanden wird und sich nur vermeintlich logisch präsentert.

Fazit:

Für das Umweltministerium Baden-Würtemberg wie auch für das ITU war diese

Mediaton vor allem auf das Ziel gesellschaflicher Akzeptanz in unserer Region

ausgerichtet – greenwashing auf der ganzen Linie. Es galt, die aufeimende Kritk von

Gemeinderatsmitgliedern und dem BUND Karlsruhe, der BI ‚Müll und Umwelt‘ und der

Karlsruher Atomgruppe ‚Atomstopp Karlsruhe‘ an dem Vorhaben frühzeitg durch

Einbindung dieser gesellschaflichen Akteure ruhig zu stellen. ITU (der Vorhabenträger)

und Politk (Ministerien, Behörden) konnten mit vollem Ressourceneinsatz in ihrer

Arbeitszeit gegen uns antreten, wir BürgerInnen mussten uns freinehmen/beurlauben

lassen, in unserer Freizeit alle Informatonen mühsam zusammentragen und die dazu

notwendigen Mitel auch noch aus dem eigenen Portemonnaie bezahlen. Denn die

Voraussetzung für eine richtge Entscheidung hängt vom Grad der Informiertheit ab, die

wiederum hängt auch von der fnanziellen Ausstatung und der Gleichheit der

Möglichkeiten für alle Seiten ab, diese Informiertheit herstellen zu können - die war bei

diesem Verfahren zu keiner Zeit gegeben.

Mediaton ist der Königsweg, um die Interessen des grünen Umweltministeriums Baden-

Würtemberg und die ITU-Absicht reibungsloser umzusetzen und gleichzeitg einen

Rechtsstreit um den Bebauungsplan vermeiden zu können, wo die größten Probleme

lauern: in der Baubehörde des Landkreises, die für die Genehmigung letztlich

verantwortlich zeichnet.

Es wurde zwar von Bürgerbeteiligung geredet – die Genehmigung wurde aber hinter

verschlossenen Türen verhandelt und beschlossen und in der 4. Mediatonssitzung

versehentlich als eigentlich schon fertg ausgesprochen: Staatssekretär Meinel (im Übrigen

ebenfalls aus dem Umfeld des Öko-Insttuts kommend, dessen Vorstandsmitglied er von

2002 - Mai 2011 war): „Wir sind, was die Genehmigungsprüfung angeht, soweit durch, d. h.

wir könnten eigentlich die atomrechtliche Genehmigung aussprechen. Gut, das machen wir

natürlich nicht, bevor das Mediatonsverfahren abgeschlossen ist, und dann auch all die

Punkte, die … was heute gesprochen … abarbeiten … einarbeiten ..., danach wird ITU

einen Antrag stellen - wie vorbesprochen, auf dieser Basis, auf der wir uns verständigt

haben gemeinsam - und dann würden wir aber auch zeitnah diese Genehmigung

aussprechen wollen, d. h. ich sag mal im Zeitraum von 4 Wochen plus minus.!“

Spätestens zu diesem Zeitpunkt haben wir es versäumt, die Reißleine zu ziehen und aus

dem Verfahren auszusteigen.

Die erteilte Genehmigung lässt dem ITU weiter die Brennstofentwicklung für die neuen

Reaktortypen der Generaton IV zu. Es ist eine Umgangsgenehmigung, d.h. sie dürfen zwar

nur 80 Kilo PU besitzen, diese aber ständig erneuern. Letztlich ein Persilschein eines

grünen Umweltministers für die Fortsetzung der europäischen und auch weltweiten

Atomwirtschaf unter den Deckmantel von Sicherheitsforschung und Forensik.

Oder wie Ministerpräsident Kretschmann die Bürgerbeteiligung kommenterte: „Gehört

werden heißt nicht, erhört werden.“



BUND Kindergruppen in Karlsruhe

Weitere Infos / Kontakt:
Simone Gilbert
kindergruppen.mittlerer-oberrhein@bund.net
Telefon 0721 35 85 82

Neuigkeiten:

Sprengung der Kühltürme von Philippsburg schon 2020

Die Kühltürme von KKP 1 und KKP 2 in Philippsburg sollen gesprengt werden, wenn mit dem Abschalten des 2. Blocks von Philippsburg auch der zweite Kühlturm im Jahre 2020 dann endlich stillgelegt ist. Frage mit welcher Genehmigung? Umweltverträglichkeitsprüfung oder bloße baurechtliche Kenntnisgabe. Wir fordern eigenständige Umweltverträglichkeitsprüfung. 

 

 

Verkehrskollaps in Karlsruhe wird durch neues Frachtzentrumserweiterung verstärkt. BUND-Einwendungen zu Erweiterung für riesiges, zusätzliches Gefahrstofflager der Fa. Dachser in Malsch

Das bestehende Logistikzentrum zur Lagerung von Chemikalien der Fa. DACHSER Logistikzentrum Malsch soll von 2.000 Tonnen auf 40.000 Tonnen erweitert werden.

Von den einzulagernden Waren werden dabei 22.000 Tonnen als Gefahrstoffe eingestuft.

S. ganze Medienmitteilung nebenstehend.   

Größtes deutsches Zwischenlager für schwach- und mittelaktiven Atommüll liegt im Hardtwald bei Karlsruhe

BUND OV Karlsruhe engagiert sich gegen Verwendung von Plastiktüten.

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