Vom Zementwerk zur Müllverbrennungsanlage

Ein Zwischenruf von Harry Block April 2017 

Aus der Beteiligung an dem Genehmigungsverfahren zur Umstellung von einem badischen Zementwerk auf 100prozentigen Brennstoffeinsatz Müll in Wössingen (OPTERRA) und der Beteiligung am Verfahren des Zementwerks Dotternhausen (HOLCIM) kam ich zwangsläufig zu der Notwendigkeit, mich näher mit der Zementindustrie zu beschäftigen. Die folgenden Zeilen sind das Ergebnis dieser Studien, die keinen Anspruch auf Vollständigkeit erheben und bei denen ich aktiv von Norbert Majer unterstützt wurde. Sie sollen nur den Fokus auf die ökologische und ökonomische Problematik der Zementindustrie in Deutschland eröffnen. 

In 55 Werken (Stand 2015) beschäftigt die deutsche Zementindustrie ca. 7.400 Mitarbeiter und erwirtschaftet einen Jahresumsatz von rund 2,2 Milliarden Euro. Zusammen verbrauchen die 55 deutschen Zementwerke rund 3,5 Terrawattstunden Strom im Jahr; pro Tonne Zement werden ca. 110 Kilowattstunden benötigt. Dies entspricht branchenweit jährlichen Stromkosten von etwa 250 Millionen Euro bzw. etwa 25 Prozent der Brutto-wertschöpfung. Nimmt man die Brennstoffkosten hinzu, beläuft sich der Anteil der gesamten Energiekosten sogar auf rund 50 Prozent der Bruttowertschöpfung. 

Der Grundstoff der Zementindustrie 

Die Ausgangsstoffe zur Herstellung des Zementklinkers (Klinker ist das Zwischenprodukt) müssen hauptsächlich Calciumoxid (CaO) und Siliciumdioxid (SiO2) sowie in geringen Mengen Oxide des Aluminiums (Al2O3) und des Eisens (Fe2O3) enthalten. 

Gesteine, die diese Verbindungen liefern, sind Kalkstein oder Kreide und Ton oder deren natürlich vorkommendes Gemisch, der Kalksteinmergel. Kalkstein und Kreide bestehen aus Calciumcarbonat (CaCO3). Wesentliche Bestandteile in Tonvorkommen sind die sehr feinkörnigen Tonminerale sowie in geringen Mengen Quarz und Feldspäte. Die Tonminerale und der Feldspat sind Verbindungen, die sich im Wesentlichen aus Siliciumdioxid, Aluminiumoxid und geringen Mengen Quarz und Feldspäte zusammensetzen. 

Geologisch gesehen stammen rund 90 Prozent der geförderten Kalksteine aus dem Mesozoikum (Kreide, Jura, Trias) und sind damit 65 bis 250 Millionen Jahre alt. Im Jahr 2013 lag der Rohstoffverbrauch für die Klinkerproduktion bei rund 48 Millionen Tonnen. Obwohl die Gewinnung von Zementrohstoffen jährlich weniger als 0,0002 Prozent der Landesfläche in Anspruch nimmt, stellt sie vor Ort einen erheblichen Eingriff in die Umgebung dar. 

Im süddeutschen Raum und jetzt, ganz wichtig, in der Schweiz und Österreich kommt seit Jahren verstärkt der sogenannte GÖS hinzu – ein Abfallprodukt aus der Verbrennung von 2 

 

Ölschiefer. Der Brennwert von Schiefer ist zwar sehr gering, hat aber dem Zementwerk Rohrbach schon immer Energievorteile durch die Eigenstromerzeugung gegenüber der Konkurrenz gebracht. Immer mehr ist es dann auch Rohrbach und nun HOLCIM gelungen, diesen Abfallstoff von 1 cbm Schiefer = 70 % verbleibende Asche in die Zementproduktion einzugliedern, was jetzt nicht nur HOLCIM/Dotternhausen, sondern jetzt wohl hauptsächlich den Schweizer und österreichischen HOLCIM-Zementwerken zu Gute kommt. Dort werden zum einen weniger Rohstoffmaterial, sprich Kalkstein, sondern auch wesentliche Energieeinsparungen von Strom benötigt. 

Von 2010 bis 2014 hat sich der Abbau wohl verdoppelt, denn die Stromerzeugung von rd. 60.000 kW pro Jahr auf 120.000 kW/a erhöht. 

Wie extrem aber gerade die Luftbelastung durch die Schieferverbrennung ist, zeigen die eigenen Umweltberichtsdaten von HOLCIM. 

So liegt der Stickoxidausstoß 2015 in den 4 Blöcken nach der Monatsauswertung zwischen 300 - 480 mg (Vergleich Drehofen: zwischen 350 - 500 mg Grenzwert). Für die Drehöfen muss ab 2019 europaweit gesetzlich der Stickoxidausstoß auf 200 mg reduziert werden. Dies schafft aber die Zementindustrie mit den meisten ihrer heutigen Anlagen nicht. Deshalb werden zahlreiche Ausnahmen hiervon beantragt und auch genehmigt. 

Noch schlimmer ist aber bei der Schieferverbrennung sicherlich der absolut hohe Schwefeldioxinausstoß von 200 - 600 mg. Dabei ist der neuere Block 4 mit ca. 200 mg geradezu noch sauber. Woher die Grenzwerte von 800 mg kommen, ist nicht geklärt. Wohl aus uralter Zeit. Dass es besser geht, zeigt der neue Block 4 trotz noch erheblicher Belastungen, denn hier ist eine Reduzierung der Stickoxide auf 200 mg wie beim Drehofen gar nicht im Gespräch. Die Blöcke 1 - 3 müssten eigentlich schnellstmöglich geschlossen werden. 

Quelle: Internet 3 

 

Die Energie der ‚alten‘ Zementindustrie 

Brennstoffenergie wird bei der Zementherstellung im Wesentlichen für das Brennen des Zementklinkers aufgewendet. Die traditionellen Brennstoffe in der Zementindustrie waren seit Mitte der 70er Jahre Steinkohle und Braunkohle, in geringem Umfang auch schweres Heizöl. Zum Anfahren des Ofens sowie für Trocknungsprozesse wurde darüber hinaus leichtes Heizöl und Gas verwendet. 

Seit den 90er Jahren wurde ein nennenswerter Teil der Kohle durch das Abfallprodukt der Mineralölindustrie Petrolkoks ersetzt. Petrolkoks ist eine kohleähnliche Fraktion des Mineralöls, die bei der Rohölaufbereitung als ‚Abfall‘ anfällt. 

Zementwerke sind mit fünf Prozent an der weltweiten CO2-Emissionen beteiligt. Die Branche gilt bei Insidern als „überbehütet“ von der Politik und habe „die Modernisierung 

verschlafen“. So brauchte die Zementhersteller in Europa im Jahr 2005 noch 654 Kilo CO2 pro produzierter Tonne Zement, 2014 waren es laut einer Studie der britischen Umweltschutzorganisation Sandbag sogar 678 Kilo. Der Industrieverband der Zementwerke relativierte diese Zahlen, gab aber zu, dass sich der CO2-Ausstoß erhöht habe. Die energie-intensive Branche erzeugte vergangenes Jahr 144 Millionen Tonnen CO2. Das ist mehr als jeder andere Industriesektor in Europa. Durch entsprechende Lobbyarbeit gelang es der Branche, vom EU-Emissionshandelssystem verschont zu bleiben. 

Es wurden wohl für die bereits vorhandene Verschmutzung noch belohnend kostenlos sogenannte CO2-Zertifikate ausgegeben. Werden diese durch eigene Reduzierung nicht vor Ort benötigt, was nun schon für über die Hälfte kraft Gesetzes ab 2019 eintritt, gehen diese europaweit in den Handel, bzw. werden schon gehandelt. Ein Skandal wurde hierbei bereits durch die Handlungen und gegenseitige Käufe hinsichtlich der Hinterziehung von Umsatzsteuer gemacht, wo auch Banken mit verstrickt waren. 

Der neue Trend: 100 % Müll als Brennstoff in Zementwerken 

Neben den fossilen Brennstoffen werden heutzutage immer mehr verharmlosend sogenannte ‚Sekundärbrennstoffe‘ beim Klinkerbrennprozess eingesetzt. 

Ihr Anteil am gesamten Brennstoffenergieverbrauch der deutschen Zementindustrie betrug 2000 etwa 26 %. Dieser Anteil steigt jährlich. Viele Zementwerke haben die Kosten-minimierung erkannt und steigen auf Müll als Brennstoff um. 

Zum Einsatz kommen dabei FLUFF (Flugfähiger Abfall) sowie vor allem Altreifen, Dachpappe und Altöl sowie in geringerem Maße auch Bleicherden, Altholz, alle Arten von Kunststoff-abfällen und speziell aufbereitete Fraktionen von Produktions- und Gewerbeabfällen sowie Hausmüll – der oben genannte FLUFF. Flugfähiger Abfall sieht aus wie der Inhalt eines Staubsaugerbeutels und enthält ein Riesengemisch aus verschiedenen Müllsorten. 

Jeder kennt, was im gelben Sack bzw. in der Wertstofftonne alles landet, von Metallverpackungen aus Tablettenverpackungen bis hin zu kleinen und größeren Kunststoff- oder Metallteilen, eigentlich alles, was man im eigenen Ofen nicht verbrennen kann, weil es bestialisch stinkt oder nur verschmort. 

Die Verbrennung von mit Giftmitteln behandeltem Styrodur/Styropor (Markennamen für Hartschaumplatten aus Polystyrol) ist derzeit in aller Munde. Wegen des zur Schwer-entflammbarkeit behandelten Styrodur/Styropor mit Flammschutzmittel Hexabromcyclododecan (kurz HBCD) durfte dieser giftstoffbelastete Kunststoff seit 1.10.2016 nur noch in wenigen speziellen Müllverbrennungsanlagen beseitigt werden. Vor wenigen Tagen wurde dieser Erlass praktisch wieder aufgehoben. Lt. dem Radiointerview von einem der größten Recyclingbetriebe Süddeutschlands, der Fa. Korn, wurden diese Kunststoffe schon bisher in den Zementwerken verbrannt und dürfen auch künftig weiter verbrannt werden, wenn diese in einem Mischverhältnis von 1 zu 4 angeliefert werden. Was ist aber mit den anderen ¾ Abfallstoffen, die sicherlich ebenfalls schon gewisse undefinierbaren Abfälle enthalten? 

Trotz FLUFF-Zertifizierung! In Waldmössingen wurde deshalb der Ersatzbrennstoffanlieferer schon zum 4. Male ausgetauscht, in Wössingen auch schon mehrmals. 

Die Zementindustrie spricht zwischenzeitlich von biogenen Stoffen, die die Kunststoffe sind. Deshalb sind sie wie nachwachsende Rohstoffe wie Holz, Pellets u.a. zu behandeln. 

In Dotternhausen werden lt. Protokoll des Erörterungstermins und HOLCIM-Angaben 10.000 t Altreifen, 5.000 t Altöl, 25.000 t Papierfaserfangstoffe, 25.000 t Dachpappe, 14.000 t Klärschlamm verbrannt. Kunststoffe sind nicht erwähnt worden, obwohl diese schon bisher verbrannt wurden und jetzt allein 5,2 Mio. € in ein Lager mit besserer Ofeneingabe investiert werden sollen. 

In Deutschland fallen pro Jahr 650.000 Tonnen Altreifen an. Davon werden zurzeit ca. 50 % als Sekundär-/Ersatzbrennstoff (EBS) in Zementwerken verwendet. Die übrigen 50 % werden in ihre Bestandteile zerlegt: 

• Gummi 67 % 

• Stahl 19 % (wird in Stahlwerken eingeschmolzen) 

• Textil 14 % 

 

Das heißt, das jederzeit mögliche Recyceln von Reifen wird durch die schädliche thermische Verwertung = Verbrennung in Zementwerken hintertrieben. 

 

Müll ist ein Riesengeschäft 

Waren es 2004 noch 28 Millionen Tonnen, sind es heute schon 45 Millionen Tonnen Müll, die verbrannt werden. Rund die Hälfte des deutschen Haus- und Gewerbemülls wird einfach verheizt. Dabei geht es nicht nur um einen Glaubensstreit zwischen ‚Ökos‘ und den Verbrennern, sondern um ein Milliardengeschäft. Die Entsorgungs- und Recyclingbranche in Deutschland setzte im Jahr 2014 etwa 50 Milliarden Euro um und beschäftigt 500.000 Menschen. Rund 330 Millionen Tonnen Müll fallen jährlich hierzulande an. Das meiste ist  Bauschutt, knapp ein Drittel ist Müll aus Privathaushalten und von Unternehmen. 

In über 100 Müllverbrennungsanlagen wird Müll ‚thermisch‘ mehr oder minder schlecht verwertet. 

Da Verbrennung die kostengünstigste Möglichkeit der sogenannten Verwertung ist, wird jede Möglichkeit dazu benutzt. Wen wundert, dass Müll nun als Ersatzbrennstoff in Zementwerken, einer der größten Energieverbraucher Deutschlands, landet, wobei die Feuerung von Müllverbrennung und Zementwerken sich auch in der Verfahrenstechnik fundamental unterscheidet. Zementwerke benutzen Drehstromöfen, während Müllverbrennungsanlagen Wirbelschicht-Öfen mit eigens dazu konstruierten Filtern benutzen. 

Außerdem haben die Verbrenner selbst noch Recyclingpotenzial. Müllverbrennungsanlagen gewinnen heute schon Metalle aus ihrer Asche. 2012 waren es in Deutschland mehr als 300.000 Tonnen Eisen, Aluminium und Kupfer. Selbst der mit Schwermetallen belastete Staub aus der Abgasreinigung, der bislang als Sondermüll unter Tage deponiert wird, birgt große Schätze. „Die Metallkonzentration im Filterstaub ist höher als in den meisten natürlichen Lagerstätten“, sagt der Berliner Experte Thomé-Kozmiensky. Vor zwei Jahren errichtete das Schweizer Unternehmen BSH Umweltservice AG in Zuchwil nördlich von Bern für rund neun Millionen Euro die weltweit erste FLUREC Anlage, die täglich fast eine Tonne reines Zink aus dem Giftmüll herausholt. 

Die sieben baden-württembergischen Zementwerke haben die maximal genehmigte Kapazität für die Mitverbrennung von Müll rund 1,27 Mio. Tonnen pro Jahr (Stand 2003 – neuere Zahlen gibt es nicht). 

Was sonst noch im Zement landet 

Von insgesamt 7,6 Mio. t Hochofenschlacke wurden in Deutschland im Jahr 2000 5,2 Mio. t zu Hüttensand granuliert und nahezu vollständig der Zementherstellung zugeführt. Rund 29 % aller in Deutschland hergestellten Zemente sind entweder Portlandhütten- oder Hochofenzemente. Damit ist Hüttensand neben Zementklinker einer der technisch wichtigsten Hauptbestandteile in deutschen Zementen. In Dotternhausen lt. HOLCIM sind dies immerhin auch 65.000 t. Der Pyrit-Abbrand in der Zementschlacke enthält 15 - 45 g pro Tonne hochgiftiges Thalium. Die Thalliumvergiftungen durch Eintrag von Schlacken in die Umwelt durch ein Zementwerk in Nordrhein-Westfalen sorgten 1979 bundesweit für großes Aufsehen. 

Als weitere Sekundärzuschlagsstoffe im Beton werden Flugaschen benutzt, die in großem Umfang bei unseren 100 Kohlekraftwerken anfallen. Es sind feinkörnige Verbrennungs-rückstände, die in Elektrofiltern zur Abgasreinigung von Kohlekraftwerken abgeschieden werden. Sie sind je nach Herkunft und Zusammensetzung verschieden haben aber puzzolanische Eigenschaften, das heißt sie helfen bei der Aushärtung des Betons. 6 

 

In Deutschland wird der überwiegende Teil der heute in der Baustoffindustrie eingesetzten Steinkohlenflugasche bei der Betonherstellung zugesetzt. 

Der Energiehunger der Zementindustrie 

Der Stromverbrauch der Zementwerke sollte eigentlich durch eine Selbstverpflichtung der Zementindustrie im Jahre 1995, ihren thermischen Energieverbrauch von 1987 bis zum Jahre 2005 um 20 % senken. Dies ist nicht der Fall. Im Gegenteil: Er steigt, weil durch die verstärkte „Zumahlung“ von Schlacken (= wieder Abfall) die Laufzeiten der Mühlen verlängert werden. Betrachtet man einen langfristigen Zeitraum bis zum Jahr 2030, so kommt eine Branchenstudie des VDZ zu dem Schluss, dass die Einhaltung der geforderten 1,3 bzw. 1,35 Prozent aufgrund äußerer Einflüsse selbst beim Abriss und Neubau aller deutschen Zementwerke mit der besten verfügbaren Technologie vermutlich nicht möglich ist. 

In einem Zementwerk – Dotternhausen – wird Ölschiefer, ein bituminöser Mergel, beim Klinkerbrennprozess als fossiler Energieträger und auch als Tonkomponente eingesetzt. 

Aber auch dieses Werk soll nun auf 100 Prozent Müll umgestellt werden. 

Durch den im Vergleich zu anderen Industrien sehr hohen Anteil der Energiekosten an den gesamten Herstellkosten sowie der eingegangenen Selbstverpflichtung der Zementindustrie kam man auf eine fantastische Idee. Man musste nur die Politik von dieser überzeugen und dann geht/ging alles weitgehend unbeachtet von der Öffentlichkeit seinen Gang. 

Und das löste man nun in einer für Politik und Industrie einmaligen Win-win-Situation: Man stellt die Energiebereitstellung auf Müll um. 

 

Der Kampf um den billigen Müll

Nun aber hat der Kampf um den Müll unter den Zementwerken und den Müllverbrennungsanlagen begonnen. So wird eine Zementwerk vor dem Verwaltungsgerichtshof in Mannheim verklagt (Schwenk Zement in Mergelstetten),  weil es seine Umweltdaten nicht vollständig veröffentlichen will . Sie argumentiert damit, dass sie sich nicht nur in Konkurrenz mit weiteren Zementwerken, sondern auch mit Müllverbrennungsanlagen und anderen Mitverbrennern von Sekundärbrennstoffen bei der Nachfrage nach Sekundärbrennstoffen befinde. In diesem Verhältnis bedeute das mögliche Wissen um die Zusammensetzung des Brennstoffmixes und der Brennstoffmenge ebenfalls erhebliche Wettbewerbsnachteile auf der Beschaffungsseite des Brennstoffmaterials.

 

Ein Beispiel für ein Genehmigungsverfahren 

Der Genehmigungsprozess bei der Umstellung auf 100%igen Anteil an Müll bei der Energieversorgung von Zementwerken will ich aus unserer Sicht (BUND Mittlerer Oberrhein) am Beispiel des Zementwerks LAFARGE in Wössingen (bei Karlsruhe) darstellen. 

Die LUBW stellt noch im Jahre 2003 fest: 

„Ein Vergleich der in den Zementwerken gemessenen Emissionskonzentrationen mit den Anforderungen der EU-Richtlinie über die Verbrennung von Abfällen und der 17. BImSchV 

zeigt, dass für die Schadstoffkomponenten Staub, Chlor- und Fluorwasserstoff, Quecksilber, sonstige Schwermetalle sowie Dioxine und Furane die rechtlichen Anforderungen an die Emissionsbegrenzung von den Zementwerken eingehalten werden können, falls der Anteil mitverbrannter Abfälle an der Feuerungswärmeleistung kleiner 60 Prozent ist. Dagegen können für die Schadstoffkomponenten Stickstoffoxide, Schwefeldioxid und organische Stoffe die Emissionsgrenzwerte in der Regel nicht eingehalten werden. Bei einem Anteil mitverbrannter Abfälle an der Feuerungswärmeleistung größer 60 Prozent gelten gemäß der 17. BImSchV strengere Emissionsgrenzwerte für Staub und Stickstoffoxide, so dass in diesen Fällen auch der Emissionsgrenzwert für Staub in der Regel von den Zementwerken nicht eingehalten werden kann.“ 

Mit dieser Kenntnis gingen wir ins Genehmigungsverfahren, das wie bei allen folgenden schon einen Grundfehler hatte. Das Zementwerk LAFARGE/Wössingen hatte, mehr oder minder unbeachtet, schon die Genehmigung zum Mitverbrennen von 60 % Müll. Es handelte sich also lediglich noch um eine Änderungsgenehmigung. 

Die monopolähnliche Struktur der Zementindustrie trat im Verfahren als Gutachter (Institut der dt. Zementindustrie) als auch als Genehmigungsunterstützer in derselben auf. 

Die Firmen, die ich bei den Neugenehmigungen über 100prozentigen Einsatz von Müll erlebte, sind HOLCIM und LAFARGE (inzwischen OPTERRA). 

(HOLCIM erwirtschaftete 2013 einen Nettoverkaufsertrag von rund 19,7 Milliarden Schweizer Franken. LAFARGE brachte es 2013 mit weltweit 64.000 Mitarbeitern in 62 Ländern auf einen Umsatz von 15,2 Milliarden Euro.) 

Für die Genehmigung in Baden-Württemberg zuständig sind die Regierungspräsidien. Im Falle LAFARGE/Wössingen ist es das RP Karlsruhe. 

Wir hatten zwei verschiedene Genehmigungen und Erörterungstermine. Im ersten wurden die Voraussetzungen für die Umstellung auf 100 % Müll nach der 17. BImSchV geprüft und erörtert. In der zweiten wurden die Zusatzregelung der 17. BImSchV, die Ausnahme-regelungen für Zementwerke bei C gesamt und Kohlendioxid betrachtet. 

1. Gutachter: 

Das Institut der dt. Zementindustrie hatte alle Messungen durchgeführt und als unbedenklich bewertet. Dies wurde vom TÜV Süd für die Genehmigungsbehörde bestätigt. 

2. Greenwashing bei der / für die Bevölkerung: 

In den Broschüren des Zementwerkes – wie auch den Schriften der Zementindustrie, sieht sich die Branche inzwischen übereinstimmend als umweltfreundlicher Recycler – mit diesem zertifizierten Müll. Es gibt keinerlei Erklärungen, weshalb der Müll nicht in den dafür geeigneteren Anlagen behandelt, sprich: in Müllverbrennungsanlagen mit entsprechenden Filtern verbrannt wird. Das spielt überhaupt keine Rolle. Immer wieder wird von den Zementwerken und interessanterweise mehrfach auch vom RP Tübingen als Genehmigungs-behörde betont, Müllverbrennungsanlagen hätten die gleichen Grenzwerte wie die Zement-industrie. In der Praxis trifft dies überhaupt nicht zu. 

Die Verbrennung von undefiniertem Müll widerspricht nicht nur dem Recyclinggebot des Abfallwirtschaftsgesetzes, sondern auch der 8 

 

„RICHTLINIE 2008/98/EG DES EUROPÄISCHEN PARLAMENTS UND DES RATES“: 

„§ 14 Förderung des Recyclings und der sonstigen stofflichen Verwertung 

(1) Zum Zweck des ordnungsgemäßen, schadlosen und hochwertigen Recyclings sind Papier-, Metall-, Kunststoff- und Glasabfälle spätestens ab dem 1. Januar 2015 getrennt zu sammeln, soweit dies technisch möglich und wirtschaftlich zumutbar ist.“ 

 

So ist aber FLUFF ein undefinierbares Gemisch aus Papier, Kunststoff etc., das vorher eben in einer Sortieranlage, die heute eine große sortenreine Mülltrennung ermöglich, hätte getrennt werden müssen. Damit wird eine ordnungsgemäße und schadlose Verwertung von Abfällen umgangen und das Gebot der Verwertung vor Verbrennung verletzt. 

Die Zementindustrie stellt sich ständig als notleidende Industrie dar: „Prozessorientierte Instandhaltung in der Zementindustrie“. Die Zementindustrie stellt hier intern ihre eigene Kostensituation, ihren eigenen Marktdruck, ihre eigene Wettbewerbssituation dar. 

Gewinnoptimierungsstrategien und Kostenvermeidung werden als besonders umwelt-freundlicher Ansatz dar- und herausgestellt. Es wird durch Sponsoring (z.B. örtliche Sportvereine und auch Umweltverbände bei der Rekultivierung der Abbauflächen des Merkels) versucht, Sympathie und Anerkennung bei der Bevölkerung zu erwecken. 

Gerade auch bei HOLCIM/Dotternhausen könnte dies zutreffen, mit Vereinsförderung, Gemeindespenden und dem Schiefererlebnispark in Dormettingen. Die Förderungen an sich wären positiv zu bewerten, überdeckten sie nicht die Absicht auf Abhängigkeit. 

 

Schadstoffemissionen und die Problematik der Irrelevanzgrenze 

Das Ergebnis von zwei Erörterungen bei 100%iger Energiebereitstellung durch Abfall im Zementwerk Wössingen ergab, dass durch diese Verfahrensänderung erheblich Mengen an Schadstoffen in Luft, Wasser und Boden unnötigerweise abgegeben werden. 

Man nahm an, dass Sekundärbrennstoffproben aus dem produktionsspezifischen Bereichen, die aufgrund der optisch erkennbaren größeren Homogenität geringere Streubreiten als diejenigen aus dem Siedlungsabfallbereich zeigen, weniger verschiedene Schadstoffe enthalten und deshalb besser geeignet seien für Zementwerke. Das konnte in vielen Versuchen nicht bestätigt werden. Das heißt, jeder ‚Müll‘ ist anders zusammengesetzt und hat andere inhaltliche Schadstoffe. 

Nickel und Vanadium, so die Theorie, sollen nahezu vollständig mit dem Klinker aus dem Ofensystem ausgetragen werden, ebenso Cadmium und Blei. Sie reichern also das Endprodukt Klinker an. 

Trotzdem überschreiten im Schwebstaub (meist lungengängiger, hochgiftiger Feinststaub) die Metalle Nickel (3,3%-Stoff, der u.a. für ein erhöhtes Risiko, an Lungen-, Nasen-, Kehlkopf- und Prostatakrebs zu erkranken, bekannt ist) und Vanadium (3,3%-Stoff, der u.a. auch 9 

 

Erbschäden hervorrufen kann) die Irrelevanzgrenze, die sowieso wiederum viel zu hoch angesetzt wird. Die Elemente Thallium und Quecksilber werden überhaupt nicht im Klinker eingebunden, ebenso wie die entstehenden Dioxine und Furane (Stoffe, die schon in geringen Mengen krebserregend und hochgiftig sind), die ebenfalls diese Grenze um 7 % überschreiten. Nur mit vielen Rechnereien und mit der rechtlich wirksamen Aussage, dass die durchgeführten Belastungsmessungen der Vorbelastung der Umgebung mit diesen Stoffen diese Überschreitung rechtlich erlauben, wird diesem eigentlich unhaltbarem Tatbestand Rechnung getragen und im Falle Quecksilber, der zusätzlich 13 % der jährlichen Fracht in den Nachbarort (Dürrenbüchig) einträgt, als vereinbar mit der Bodenschutz-verordnung abgeschmettert. Und was ist mit den Menschen? Schon kleinste Mengen Quecksilber, die über einen längeren Zeitraum aufgenommen werden, können das zentrale Nervensystem schädigen. Besonders anfällig sind dabei Kinder. 

HOLCIM behauptet, „nur“ 1 kg Quecksilber bei 58 kg Grenzwert auszustoßen. Dies ist im Vergleich zu anderen Zementwerken (Wössingen: 18,5kg) kaum zu glauben, es sei denn, es sind spezielle Quecksilberfilter vorhanden, was aus den Akten nicht hervorgeht. Ist hierbei auch die Schieferverbrennung mit einbezogen? Sehr fraglich, denn dort sind gar keine laufenden Messeinrichtungen vorhanden. Eine Messung nur an 3 Tagen bringt keine Sicherheit. Unsere Erfahrungen in anderen Zementwerken ergeben weit höhere Werte. Entweder sind die Messanlagen in Frage zu stellen, oder es gibt tatsächlich Quecksilber-ausscheider. 

Dies alles erfordert dringend im Falle Dotternhausen eine umfassende Umweltverträglichkeitsprüfung. 

Der Verwaltungsgerichtshof Ba-Wü hat mit seinem Urteil vom 20.7.2011 festgestellt: „Die Irrelevanzgrenze der TA Luft von 3 % für gesundheitsgefährdende Luftschadstoffe ist grundsätzlich mit höherrangigem Recht vereinbar. Bei Kumulation von Anlagen oder atypischen Situationen ist ggf. eine Gesamtbetrachtung erforderlich. In einer Umweltzone ist jedenfalls eine Irrelevanzgrenze von 1 % rechtlich unbedenklich“ (S. 10). 

Wir haben die Abscheidung von Quecksilber in der Rauchgasreinigungsanlage durch eine vorgeschaltete „High-Dust-DENOX-Anlage“ (DENOX-Anlage direkt hinter dem Kessel angeordnet) gefordert, weil sie die Emissionen positiv beeinflusst. Es erfolgt damit eine rasche Temperaturabsenkung und keine Wiederaufheizung des Rauchgasstromes. Das Werk der SCHWENK Zement KG in Baden-Württemberg will zur Minderung der Stickoxid-Emissionen und der organischen Abgaskomponenten sowie Kohlenmonoxid und der Quecksilberemissionen eine thermische Nachverbrennung mit integrierter katalytischer Entstickung errichten. 

Durch den Einbau eines Keramikreaktors im Rauchgasstrom im Anschluss an die REA kann sogar nochmals zusätzlich Quecksilber abgeschieden werden. 

Diese Minimierungen im Bereich Stickoxide (HOLCIM/Dotternhausen gab 2014 = 543.000 kg + Ölschieferverbrennung 248.000 kg gesamt 791.000 kg in die Luft ab) und Quecksilber waren die Kernziele unserer Einwendungen bei LAFARGE/Wössingen. Dies wurde 10 

 

vorwiegend aus Kostengründen vom Betreiber und im Nachgang vom RP Karlsruhe abgelehnt. 

Die Problematik des Gesamtkohlenstoffs, eine Zusammenfassung sehr problematischer Stoffe wie Benzol (bei HOLCIM/Dotternhausen waren es 2014 = 2500 kg), Toluol, Methan ..., von Kohlenmonoxid und Kohlendioxid (Abgabe HOLCIM/Dotternhausen 2014 = 529.000.000 kg) wurde in Wössingen in einem eigenen Verfahren behandelt. 

Dabei wird von den Gutachtern behauptet (führend hier wie immer das Institut der deutschen Zementindustrie), dass das im Abgas der Drehofenanlage gemessene Emissions-niveau an Gesamtkohlenstoff vorwiegend aus den organischen Bestandteilen des Rohmaterials, z.B. Kalkstein, Schiefer oder jetzt auch noch EBS, zurückzuführen sei und deshalb hohe Emissionswerte, die weit über die in der 17. BImSchG liegen, notwendig seien. 

Wenn Schiefer nicht abgebaut würde, gebe es für die Menschen der Umgebung auch keine Emissionen. Deshalb muss immer die tatsächliche Belastung geprüft werden, nicht nur Zusatzbelastungen. Dies kann ebenfalls nur eine Umweltverträglichkeitsprüfung im Falle Dotternhausen aufzeigen. 

Die Anwohner und wir als BUND fragten uns nach der Erteilung der Genehmigung für LAFARGE /Wössingen: Was ist wichtiger: die Reduzierung des Gewinns einer Firma oder der Erhalt der Lebensgrundlagen Wasser und Boden sowie die körperliche Unversehrtheit des Menschen? 

Was tun? 

Unser wirtschaftliches Handeln zieht die Zerstörung von Landschaft (Abbau des Mergels) sowie Luft-, Boden- und Wasserschadstoffe nach sich. Die sind aber mit finanziellem Aufwand nicht voll vermeidbar, aber in Grenzen zu halten. Nach dem Abbau der Rohstoffe können die Steinbrüche in Zusammenarbeit mit den Naturschutzverbänden renaturiert und rekultiviert werden. Die Rekultivierung von Steinbrüchen nach landschafts- und natur-schutzfachlichen Prinzipien ist möglich. 

Die Energiebereitstellung von Zementwerke muss, in vielen Fällen problemlos möglich, mit Gas erfolgen. Gas hat keinerlei schädliche Stäube, hat nur ein Viertel der Menge an Kohlendioxid wie auch Stickoxide, war in Wössingen direkt neben dem Werk vorhanden und aus ökologischen Gründen die einzig hinnehmbare Verbrennungsalternative. Das wäre auch in Dotternhausen möglich! 

Es bleibt noch hinzuzufügen, dass der Zementklinker nur ein Zwischenprodukt darstellt, das über den Zement zu Mörtel oder Beton weiterverarbeitet wird. Diese wiederrum werden als Bauschutt aufbereitet, verbleiben in der Umwelt und sind daher in Bezug auf die Umweltverträglichkeit der durch den Eintrag von Schwermetallen in den Zement durch die ‚Müllverbrennung‘ neu zu bewerten. 

Damit bleibt die Problematik eines Zementwerkes in jeder Region zwar nicht unproblematisch, aber einer hochentwickelten industriellem Gesellschaft geschuldet. 11 

 

Dies geht aber nur, wenn entsprechende Filteranlagen eingebaut werden, z.B. eine technisch machbare SCR-Anlage, die bereits von Schwenk Zement in Mergelstetten und dem bayrischen Rohrdorf eingehend getestet und praktiziert wird, ergibt sich eine Schadstoffminimierung zwischen 30 - 70 %. 

Als Ausblick bliebe/bleibt noch festzuhalten, dass man mit der vom baden-württem-bergischen grünen Umweltminister ausdrücklich gelobten 100%igen Müllverbrennung in Zementwerken nicht die EU-Reduktionsziele für 2030 erreichen wird und man die Bevölkerung zusätzlich mit absolut vermeidbaren Schadstoffen in Wasser und Luft belastet. 

Es sollen im Vergleich zu 2005 gespart werden: 

Schwefeldioxid -79 % (Heizung, Stromerzeugung) 

Stickstoffoxide -63 % (Autos, LKWs, Kraftwerke) 

Feinstaub -49 % (Kohle-, Holzverbrennung, Verkehr etc.) 

Flüchtige organische Verbindungen -40 % (Lacke, Farben etc.) 

Ammoniak -19 % (Düngemittel, Tierzuchtbetriebe) 

SZ-Grafik; Quelle: Europäisches Parlament 

Als Ausblick für den Rohstoff Zement sei auch noch auf eine Betonalternative hingewiesen, die unbedingt forciert werden muss. 

Angesichts des immensen Energieverbrauchs ist der „grüne Zement“, der mit wesentlich weniger Energieaufwand hergestellt werden kann, ein wichtiges Thema in der Branche. Die Schwenk-Gruppe, einer der kleinsten Zementhersteller, hat etwa mit dem Karlsruher Institut für Technologie die Firma „Celitement“ gegründet, die das Bindemittel und das Herstellungs-verfahren des neuen Zements erforscht. 

„Ternacem“ laute der Name des neuen Produkts. Seine Vorteile lägen auf der Hand: Das neue Produkt verursache aufgrund der chemischen Zusammensetzung und der Herstellung bei einer niedrigeren Temperatur bis zu 30 Prozent weniger CO2-Ausstoß im Vergleich zum normalen Portlandzementklinker, berichtet Schönig. Durch die 150 bis 200 Grad niedrigere Brenntemperatur müssten rund zehn Prozent weniger Brennstoffe eingesetzt werden. Und auch die Stromkosten im Herstellungsprozess sänken um rund 15 Prozent, denn vor allem beim Mahlprozess würde weniger Energie benötigt. Noch in diesem Jahr ist der erste industrielle Großversuch in einem der deutschen Heidelberg-Cement-Werke geplant. Dort soll der neue „Ternacem“ erstmals mit der vorhandenen Anlagentechnik hergestellt werden. 

Wie schon erwähnt, hat Schenk auch in Mergelstetten bereits 2009 mit einer SCR-Anlage begonnen, Luftschadstoffe zu minimieren. HOLCIM dagegen: Wir wollen als erstes 12 

 

Zementwerk in Baden-Württemberg die Grenzwerte von 200 mg einhalten, aber erst, wenn wir die Genehmigung zu 100 % Abfallverbrennung erhalten. 

Ist dies etwa keine Erpressung – denn wie gerade das Urteil vom Bundesverfassungsgericht zum Atomausstieg bestätigt, hat ein Betreiber einmal eine Genehmigung für eine solche Anlage, stehen ihm bei Entzug auch Entschädigungsansprüche zu. 

 

Und auch die Verbrenner selbst haben Recyclingpotenzial. Müllverbrennungsanlagen gewinnen heute schon Metalle aus ihrer Asche. 2012 waren es in Deutschland mehr als 300.000 Tonnen Eisen, Aluminium und Kupfer. Selbst der mit Schwermetallen belastete Staub aus der Abgasreinigung, der bislang als Sondermüll unter Tage deponiert wird, birgt große Schätze. „Die Metallkonzentration im Filterstaub ist höher als in den meisten natürlichen Lagerstätten“, sagt der Berliner Experte Thomé-Kozmiensky. Vor zwei Jahren errichtete das Schweizer Unternehmen BSH Umweltservice in Zuchwil nördlich von Bern für rund neun Millionen Euro die weltweit erste Anlage, die täglich fast eine Tonne reines Zink aus dem Giftmüll herausho

100% Müll ins Zementwerk: nach Wössingen nun Dotternhausen

ZEMENTWERK Dotternhausen

darf mit Segen des RP Tübingen ZUR REINEN MÜLLVERBRENNUNGSANLAGE mutieren und unsere Region mit Schadstoffen über unsere Luft verseuchen


Die  EU-Kommission fordert strengere Maßnahmen der lokalen Behörden zur Luftreinhaltung. Zu hohe Luftbelastungen und unzureichende Gegenmaßnahmen bescheinigt die EU-Kommission auch Städten, die mit Umweltzonen eigentlich eine bessere Luftqualität erreichen wollten. Darunter befindet sich auch der gesamte Regierungsbezirk Stuttgart. Für diese Regionen hält es Brüssel für erforderlich, „strengere Minderungsmaßnahmen in den Luftqualitätsrahmen aufzunehmen“.
Da empfinden wir die Genehmigung für 100%ige Müllverbrennung im Zementwerk Dotternhausen als ein Schlag in das Gesicht aller Menschen in unserer Region.
Die Zementproduktion ist ein extrem energieintensiver Prozess und die Zementindustrie der  weltweit größte Energieverbraucher. Deshalb suchen die Firmen kostengünstige Energie für ihre Drehstromöfen zu bekommen. Das Zementwerk Dotternhausen darf nun mit Segen des Regierungspräsidiums Tübingen nun seine gesamte Feuerung auf Müll verharmlosend als Sekundärbrennstoffe bezeichnet umstellen.
Nach der ersten Durchsicht der Genehmigung kommen wir zu dem Schluss, dass das RP Tübingen eine Gefälligkeitsgenehmgiung erteilt hat. Sie erlaubt  in einigen wesentlichen Schadstoffgruppen z.B. Quecksilber, höhere Emissionen als das RP Karlsruhe bei einem anderen Zementwerk und das alles ohne jegliche Umweltverträglichkeitsprüfung.
Einzelpersonen aus Dotternhausen, Der BUND und die Bürgerinitiativexxx  haben versucht die Schadstoffwerte zu vermindern. Ergebnislos.

Die nun erlaubten Jahresfrachten von  Schadstoffen betragen  hunderte von Kilo an Schwermetallen darunter  Cadmium, Arsen, Vanadium und Nickel  sowie  Thallium und viele Kilogramm Quecksilber, Tonnen von Fluorwasserstoff und Chlorwasserstoff – also Salzsäuregas, das mit Wasser Salzsäure bildet.

 
Die nun zu 100%ige Feuerung auf der Basis von Müll heißt das vom Altreifen bis zu Dachpappe Stoffe verbrannt werden die für die Region Balingen eine Zusatzbelastung an

- Stickoxiden (Vorläufer des Ozons) und

- Schwefeldioxid (SO2 ist ein Reizgas, welches aufgrund seiner hohen Wasserlöslichkeit vor allem auf die äußeren Atemwege und Augen wirkt und Hauptverursacher der Bodenversauerung ist), und

- Feinststäuben, vor allem Schwermetalle (

 sowie

- Dixoxinen und Furanen

sind nach unserer Ansicht nicht hinnehmbar und wird sind dabei rechtliche Schritte durch Rechtsanwälte prüfen zu lassen.

Es kann nicht sein, dass  die  Profitmaximierung auf Kosten der Gesundheit der Menschen geht“ erklärt Norbert Majer.

 

Dazu benötigen wir Geld – leider viel Geld. Wir bitten Sie um Ihre Unterstützung....

 

Statt der beabsichtigten Feuerung mit Müll treten wir in unserer Maximalforderung  für die ausschließliche Verwendung von Gas für die Zementherstellung, deshalb ein, weil sie ökologisch der einzige Weg ist, um den von der EU geforderten Minimierungsmaßnahmen im Bereich Luftschadstoffe für Mensch, Tier und Pflanze einigermaßen gerecht zu werden. Gas steht in der gegenwärtigen Situation als einziger ökologisch ziemlich einwandfreier Energielieferant auch in Dotternhausen zur Verfügung. So wären wir schon froh, das Zemtnwerk Dotternhausen würde die fortschrittliche Technologie eines Mitbewerbers sowohl bei der Stickoxidminimierung als auch der Quecksilberminimierung in Betracht ziehen. Nach der erfolgten Genehmigung ohne diese Auflagen durch das RP Tübungen wird ohne den Druck von uns AnwohnerInnen nichts Positives in Sachen Emissionsminderung passieren.






Recyclingpapier...

...kleine Taten für große Dinge

Jede Sekunde wird auf der Erde eine Waldfläche von der Größe eines Fußballfeldes abgeholzt.

Wälder tragen entscheidend zur Stabilisierung der Lebensgrundlagen unseres Planeten bei. Sie speichern Wasser und Nährstoffe, vor allem aber Unmengen von Kohlenstoff, der jedoch durch Abholzung und Brandrodung in Form von Kohlendioxid freigesetzt wird und zur Erderwärmung beiträgt. Weitere dramatische Konsequenzen des Raubbaus am Wald sind das Aussterben vieler Tier- und Pflanzenarten, Menschen verlieren ihre Existenzgrundlage. Etwa ein Drittel des Holzes geht in die Papierherstellung. Dieses Holz stammt vor allem aus Wäldern in Schweden, Finnland, Kanada und Russland. Dort werden für die Zellstoffproduktion die letzten intakten Urwälder abgeholzt und zahlreiche Tier- und Pflanzenarten unwiederbringlich ausgerottet. In Deutschland wurden im Jahr 2000 ca. 230 kg Papier pro Person verbraucht. Allein die hier verbrauchten graphischen Papiere benötigen jährlich den Einschlag von rund 13.000 km2 Waldfläche. Dies entspricht der Waldfläche Baden-Württembergs!

Wir werden auch weiterhin in vielen Lebensbereichen nicht ohne Papier auskommen.Deshalb gilt es, Papier sparsam zu verwenden.

Was können Sie tun?

  • Drucken und kopieren Sie beidseitig.
  • Einseitig beschriftetes Papier kann als Notizpapier verwendet werden. Verwenden Sie Briefumschläge aus Direktrecycling (außerhalb unserer Seiten: www.direktrecycling.de).
  • Der Aufkleber "Keine Werbung" spart Papier und volle Briefkästen.
  • Adressierte Werbung können Sie mit der Aufschrift "Annahme verweigert" unfrankiert zurückschicken.
  • Versuchen Sie, bei ihrer Tageszeitung ein Abonnement ohne Werbebeilagen zu bekommen.
  • Der kostenlose Eintrag in die DDV Robinsonliste, Postfach 1401, 71243 Ditzingen (außerhalb unserer Seiten: www.robinsonliste.de) erspart Ihnen unerwünschte Werbung.

Papier, das Sie verwenden, sollte möglichst umweltschonend hergestellt sein.

Recyclingpapier erfüllt diese Anforderung. Seine Herstellung aus Altpapier ist in mehrfacher Hinsicht eine umweltverträglichere Alternative:

  1. Der Rohstoff Holz wird geschont.
  2. Es wird nur halb so viel Energie verbraucht
  3. und weniger als ein Drittel Frischwasser.
  4. Die Belastung des Abwassers mit Schadstoffen ist zehnmal geringer

Die Qualität von Recyclingpapier ist in den letzten Jahren enorm gestiegen:

Es eignet sich hervorragend zum Schreiben, Drucken, Faxen und Kopieren und staubt nicht stärker als Frischfaserpapier.

Bei entsprechender Lagerung beträgt die Lebensdauer mehrere hundert Jahre.

Recyclingpapier ist in verschiedenen Weißgraden erhältlich.

Woran erkennen Sie Recyclingpapier?

Verlässliche Zeichen:

Blauer Umweltengel:

Rechtlich geschütztes Zeichen - 100% Altpapier, keine problematischen Farbmittel, keine chlorhaltigen Bleichmittel und andere Chemikalien

Ökopa:

100% Altpapier, keine Entfärbung oder Bleiche, hohe Anforderungen an Wasserverbrauch, Abwasserbelastung und Energiebedarf.

Ökopa plus:

100% Altpapier, hohe Anforderungen an Wasserverbrauch, Abwasserbelastung und Energiebedarf.

Vorsicht: Papiere mit dem folgenden Zeichen sind aus ökologischer Sicht NICHT zu empfehlen:

 

Zeichen der Vereinigung Deutscher Hersteller für umweltschonende Lernmittel: Bleiche ohne Chlor, aber Verwendung von frischem Zellstoff; KEIN Altpapieranteil! Das Label wirbt mit dem Verzicht auf Tropenholz. Aber: Tropenholz ist sowieso ungeeignet für die Papierherstellung. Zellstoff z.B. aus kanadischen, finnischen und sibirischen Urwäldern darf trotzdem verwendet werden! Dort wird ein in Jahrtausenden gewachsener artenreicher Urwald durch einen artenarmen "Sekundärwald" für die Holzproduktion ersetzt. Viele seltene Tiere und Pflanzen werden dadurch unwiederbringlich ausgerottet!

Wo gibt es in Karlsruhe Recyclingpapier zu kaufen?

Druckerpapier z..B. bei :

  • Karstadt, Kaiserstr. 92 und 147
  • Copy-Shop S. Schürmann, Kaiserstr. 61
  • Horn Citystore, Erbprinzenstraße 19
  • Papier-Erhardt, Ludwigsplatz
  • Center-Shop, Neisserstr.12 (Waldstadt)
  • Schreibwaren-Basar, Pfinztalstr.55 (Durlach)

Schulhefte aus Recyclingpapier z.B. bei:

  • Karstadt, Kaiserstr. 92 und 147
  • Center-Shop, Neisserstr.12 (Waldstadt)
  • Schreibwaren-Basar, Pfinztalstr.55 (Durlach)

Im Internet können Sie Recyclingpapier bestellen z.B. über

Weitere Informationen zu Recyclingpapier:

außerhalb unserer Seiten:

Vollständigkeit kann nicht gewährleistet werden. Stand: Mai 2003



BUND Kindergruppen in Karlsruhe

Weitere Infos / Kontakt:
Simone Gilbert
kindergruppen.mittlerer-oberrhein@bund.net
Telefon 0721 35 85 82

Neuigkeiten:

BUND OV Karlsruhe engagiert sich gegen Verwendung von Plastiktüten.

Größtes deutsches Zwischenlager für schwach- und mittelaktiven Atommüll liegt im Hardtwald bei Karlsruhe

Suche