Naturschutzverbände BUND, LNV und NABU: Geplantes Wasserwerk Kastenwört zerstörte wertvolle Auenlebensräume und ist naturschutzrechtlich unzulässig - Versorgungssicherheit ohne Wasserwerk Kastenwört gegeben

Kategorie: Naturschutz

Karlsruhe. Der Regionalverband Mittlerer Oberrhein des Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), der Arbeitskreis Karlsruhe des Landesnaturschutzverband Baden-Württemberg (LNV) sowie die Gruppe Karlsruhe des Naturschutzbund Deutschland (NABU) verurteilen die durch das Wasserwerk Kastenwört geplante Grundwasserabsenkung scharf. „Durch das neue Wasserwerk würden die letzten intakten Auen und wertvolle Naturschutzgebiete bei Karlsruhe erheblich geschädigt und die Lebensräume streng geschützter, extrem seltener Tierarten entwertet, ohne dass ein Ausgleich möglich ist und ohne dass zwingende Gründe das Vorhaben erfordern würden. Das Wasserwerk Kastenwört ist damit rechtlich unzulässig“, so Carsten Weber, Artenschutzreferent des NABU Karlsruhe.

Die Naturschutzverbände betonen, dass sie selbstverständlich Maßnahmen zur Sicherung der Versorgung mit sauberem Trinkwasser unterstützen. Gleichwohl decken jedoch bereits die vorhandenen Wasserwerke den aktuellen und zukünftigen Bedarf der Karlsruher Bevölkerung sowie der derzeitigen Abnehmer in den Nachbargemeinden. Ausdrücklich weisen BUND, LNV und NABU darauf hin, dass ihr Einsatz gegen den Neubau des Wasserwerks Kastenwört damit im Einklang mit den Interessen der Bürgerinnen und Bürger stehe, kostspielige Investitionen in Millionenhöhe stets am tatsächlichen Bedarf auszurichten. Die als Rechtfertigung für das Wasserwerk Kastenwört angeführte Wassernachfrage an Spitzentagen lässt sich nicht aufrecht halten, so die Naturschutzverbände weiter: technische und fachliche Standards blieben unberücksichtigt. So ignorierte der Gutachter der Stadtwerke einfach das zur Berechnung des maximalen Tages- bzw. Stundenspitzenbedarfs heranzuziehende Merkblatt 410 des Deutschen Vereins des Gas- und Wasserfaches e.V. (DVGW) aus dem Jahr 2008, bei dessen Anwendung ein deutlich geringerer Spitzenbedarf bestimmt würde.

Auch könne das Wasserwerk Kastenwört keineswegs als alternativlos bezeichnet werden: Die Ertüchtigung der bestehenden Karlsruher Wasserwerke stelle eine kostengünstigere und auch in der Gesamtbetrachtung vorteilhaftere Variante für einen Ausbau der Trinkwassergewinnung im Raum Karlsruhe dar. „In der vorgelegten Planung gelang es nur, das Wasserwerk Kastenwört als vermeintlich beste Variante darzustellen, weil die Bewertung nicht objektiv und sachgerecht durchgeführt wurde“, verdeutlicht Hartmut Weinrebe, Regionalgeschäftsführer des BUND.

Ein Bedarf für den Bau eines neuen Wasserwerks lässt sich derzeit jedenfalls nicht darstellen, legen die Naturschutzverbände dar. Beispielsweise führen die Stadtwerke Karlsruhe selbst in ihrem Antrag aus, dass der Bedarf der Großkunden wie Industrie, Städtisches Klinikum und KIT von 1.585.000 Kubikmetern im Jahr 1998 auf 1.048.000 Kubikmeter im Jahr 2008, d.h. um ein Drittel zurückgegangen ist. Dennoch wird ein drastischer Anstieg auf bis zu 1.740.000 Kubikmeter als Prognose für das Jahr 2040 angegeben. „Die Stadtwerke Karlsruhe gehen davon aus, dass zukünftig verschwenderisch mit dem Karlsruher Trinkwasser umgegangen wird: Statt des derzeitigen Wasserbedarfs von 2,25 Kubikmetern pro Hektar Gewerbefläche und Tag setzen sie bei dieser Prognose einen Anstieg auf 3 Kubikmeter pro Hektar und Tag an“, ergänzt Weinrebe. Eine weitere Annahme ist die Neubebauung von 182 Hektar Industrie- und Gewerbeflächen. „Die Wasserbedarfsprognose der Stadtwerke basiert auf einer Rückentwicklung unseres auf Effizienz und Technologie ausgerichteten Wirtschaftsraums hin zu einem Ressourcen verschwendenden Industriebezirk“, so Dr. Klaus-Helimar Rahn, Arbeitskreissprecher des LNV.

Die Naturschutzverbände betonen abschließend, dass sich die Prüfung eines Antrags auf die Genehmigung einer Wasserentnahme erst dann stellt, wenn der Bedarf in einem absehbaren Zeitraum von 5 bis 10 Jahre mit hoher Wahrscheinlichkeit vorhersehbar ist. In der vorliegenden Planung sind hingegen im Vorgriff auf einen prognostisch fragwürdigen Bedarf in 20 bis 30 Jahren bereits in wenigen Jahren massive negative Auswirkungen auf die Natur zu erwarten. Einen solchen Raubbau an der Umwelt lehnen die Naturschutzverbände BUND, LNV und NABU ab.

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Pressekontakt:
Hartmut Weinrebe, BUND-Regionalgeschäftsführer
Waldhornstraße 25, 76131 Karlsruhe
Tel.: 0721 35 85 82, Fax: 0721 35 85 87
E-Mail: bund.mittlerer-oberrhein@bund.net



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