Ortsverband Karlsruhe

Energiegewinnung durch Kohle

Nicht nur für das Klima schädlich

Kohlekraftwerke haben einen maßgeblichen Anteil am voranschreitenden Klimawandel, neben den weithin bekannten Stoffen Kohlenstoffdioxid und Feinstaub stoßen die Karlsruher Kraftwerke RDK7 und 8 auch viele andere Giftstoffe wie Quecksilber oder Fluor aus. Hier weist das RDK sogar den höchsten Ausstoß aller Kohlekraftwerke Deutschlands auf.
Ein weiterer großer Kritikpunkt ist der Schwefelausstoß, denn dieser ist nicht nur Hauptauslöser für die Versauerung der Böden, sondern auch gemeinsam mit dem Klimawandel für die voranschreitende Schädigung der Wälder verantwortlich.

Das Rheinhafendampfkraftwerk hatte für das Jahr 2019 einen Ausstoß von 8,7 Millionen Tonnen CO²-Äquivalenten genehmigt bekommen und ca. 3,3 Millionen Tonnen CO² tatsächlich genutzt. Zum Vergleich: Guinea hatte im Jahr 2018 in etwa denselben Ausstoß - allerdings mit 12,2 Millionen Einwohnern mehr als Karlsruhe.

Doch die Beschleunigung des Klimawandels ist nicht das einzige Problem der Energiegewinnung durch Kohle. Das RDK gibt jährlich rund 1000 Tonnen Feinststäube ab, die besonders gefährlich sind. Sie sind zu mehr als 99% kleiner als 2,5 Mikrometer, damit können sie in die Lunge und in den Blutkreislauf gelangen. Dort können sie Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Gefäßerkrankungen oder Krebs auslösen.
Das Gesundheitsamt Karlsruhe führte beim Erörterungstermin 2007 aus: „Aus unserer Sicht hat bei der Vorbelastung hier in Karlsruhe  und ganz Deutschland vor allem die Belastung durch den Feinstaub die größte gesundheitliche Bedeutung – daran führt kein Weg vorbei –, da sowohl Kurzzeit- als auch Langzeiteffekte beschrieben sind und beobachtet werden. In unserer Stellungnahme zu diesem Verfahren haben wir die Tatsache erwähnt, dass es Schwellenwerte, unterhalb deren eine Wirkung nicht zu erwarten ist, beim Feinstaub nicht gibt, weder im Hinblick auf die Sterblichkeit noch im Hinblick auf die Entstehung von Krankheiten“ (Wortprotokoll).

Dazu kommen weitere Schadstoffe wie Stick- und Schwefeloxide und knapp 33kg Quecksilber und Verbindungen (als Hg). Am Ende bleiben 450.000 Tonnen Schlacke und 150.000 Tonnen Filterstäube zurück, einen Teil davon mischt die Bau- und Zementindustrie ihren Produkten bei - mitsamt den darin enthaltenen Schadstoffen.

Zumindest ein kleiner Trost ist auf der Seite zur Projektvorstellung der EnBW zu finden; unter dem Punkt „Ökologie & Umweltschutz“ wird erklärt, dass das RDK 8 die Möglichkeit bietet, „nachträglich eine CO₂-Abscheidungsanlage (CCS) einzurichten“. Erstaunlich ist, dass die CCS notwendiger Bestandteil der Genehmigung war, aber nicht existiert. Dazu ist völlig ungeklärt, wo das CO² deponiert werden könnte.

Ein weiteres Problem an der deutschen Steinkohleverstromung ist die Ermittlung der realen Emissionen, denn in den 3,3 Mio. Tonnen CO² sind lediglich die Emissionen, die auch wirklich aus dem Schornstein kommen, enthalten. Abbau und Transport der seit 2019 zu min. 90% aus Russland stammenden Kohle (Antwort der EnBW bei der HV 2020 auf Anfrage von Harry Block) sind hierbei nämlich nicht erfasst. Auch die Einhaltung der Menschenrechte der Bergleute und der vom Kohleabbau betroffenen Menschen und ihre gesundheitliche Gefährdung muss kritisch beurteilt werden.

Neben der Gesundheit von Mensch & Natur sind Kohlekraftwerke auch für unsere tierischen Mitbewohner sehr schädlich. Beispielsweise für Fische, denn das Kraftwerk darf 110.000 l Kühlwasser pro Sekunde mit bis zu 32°C in den Rhein leiten, ohne überhaupt den Kühlturm anschalten zu müssen. Erst bei 28°C Rheintemperatur müssen die Kraftwerke theoretisch abgeschaltet werden. Theoretisch, weil unsere Landesregierung prompt Ausnahmegenehmigungen bereitstellt, so geschehen im Hitzesommer 2018, als es im Hochrhein schon zu einem massiven Fischsterben gekommen war. Die 28° C sind zwar nach der europäischen Oberflächengewässerverordnung maximal in Flüssen und Bächen erlaubt. Doch wir halten diesen Wert für viel zu hoch und aus der umweltpolitischen Steinzeit stammend. Für Fische und Wasserlebewesen gelten als verträgliche Temperaturen 18 – 20° C.

Nicht nur wurde den Karlsruher Bürger*innen 2014 ohne Mitbestimmung und lange, nachdem die durch Kohleverstromung entstehenden und entstandenen Schäden bekannt wurden, ein neues Kraftwerk vor die Pforten gesetzt. Die weitere regionale und globale Zerstörung unseres Planeten wurde billigend in Kauf genommen. Egal wie gut das Image der EnBW dank erneuerbarer Energie, Elektromobilität und durch Eigenwerbung sein mag, die Wirtschaftsinteressen stehen vor der Nachhaltigkeit.

Die EnBW kritisiert zu Recht, dass ältere Braunkohlekraftwerke teilweise länger am Netz bleiben dürfen als junge, effizientere und weniger klimaschädliche Steinkohlekraftwerke, und dass sie im Kohleausstiegsgesetz gegenüber den Braunkohlebetreibern benachteiligt wird; das stimmt zweifelsfrei. Wir halten es allerdings für den falschen Weg, deshalb im Verbund mit der Landesregierung mehr Geld aus den Töpfen für den Kohleausstieg zu fordern. Das bringt den immer drängender werdenden Ausstieg aus der Kohle nicht voran. Die Emissionen bei der Kohleverbrennung müssen reduziert werden. Der BUND fordert deshalb eine zügige Umrüstung auf ein hocheffizientes Gaskraftwerk.

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