Ortsverband Karlsruhe

Sonnige Steppe am Oberrhein

Borstrgras Nardus stricta

Stellen Sie sich ein 70 Hektar großes Gelände vor, unbebaut, eben und fast baumlos, mitten in einer süddeutschen Großstadt, umringt von Hochhäusern, dem städtischen Krankenhaus und Wohngebieten, mit Straßenbahn-Anschluss, zehn Minuten zur Innenstadt. Eine Goldgrube für Immobilienhaie – und für die öffentliche Hand als Eigentümer. Die Großstadt ist Karlsruhe und das Gelände wurde als Notflugplatz für den Kriegsfall von den amerikanischen Streitkräften jahrzehntelang frei gehalten. Als die „Amis“ Anfang der 1990er Jahre abzogen, war die Frage, was dort geschehen würde.

Nach 20jährigem Ringen ist dieses savannenartige Gelände – das größte Sanddünen- und Sandrasengebiet Süddeutschlands – seit 30. November 2010 als Naturschutzgebiet und auch als europäisches Schutzgebiet gemeldet.

80 Vogelarten, 100 Nachtfalterarten und 280 Arten von Blütenpflanzen wurden hier festgestellt. Die größten Kostbarkeiten des Gebiets sind Braun- und Schwarzkehlchen, Baumfalke und Steinschmätzer sowie große Bestände seltener Heidepflanzen und seltener Wildbienen.

„Am Anfang hat der EU-Abgeordnete gelacht, als wir die Unterschutzstellung des alten Flugplatzes gefordert haben, zum Schluss wäre ohne die EU-FFH-Richtlinie das Gebiet nie erhalten geworden“, berichtet Marlies Fichter, eine der BUND-Aktiven vor Ort, die gemeinsam mit Johannes Niederstrasser und anderen zum Erfolg beigetragen hat. Es war eine gemeinschaftliche Aktion von Naturschutzfachleuten der Stadt, des Regierungspräsidiums und im Ministerium, von örtlichen BUND-Aktiven und dem BUND-Landesverband. Vor Ort waren vor allem Exkursionen und Pressearbeit des BUND wichtig, auf regionaler und Landesebene die Lobbyarbeit mit Briefen, Gesprächen und Stellungnahmen.

Steinhaufen für den Steinschmätzer
Beweidung durch Esel