Ortsverband Karlsruhe

Amphibienschutz

Amphibienschutz ist ein wichtiger Beitrag zum Artenschutz. Weltweit geht die Zahl der Amphibien zurück, die Ursachen sind vermutlich vielfältig. Da alle Amphibien sehr ortstreu sind und in einem relativ kleinen Gebiet leben, sind sie z.B. von der Zerschneidung ihres Lebensraums durch Straßen besonders betroffen. Aber auch Wasserverschmutzung und die zunehmenden Dürrephasen setzen ihnen zu.
Der BUND betreut in Karlsruhe 2 Erdkrötenpopulationen, eine in Neureut am Rosenhof und eine im Hardtwald nördlich des Schlossgartens.

Erdkrötenaktion am Rosenhof

Seit 1992 werden am Rosenhofweg in Neureut im Februar zwei Amphibienschutzzäune aufgebaut. Eine Population von Erdkröten wandert aus dem Hardtwald über zwei schmale Straßen zu einer Kiesgrube, um dort abzulaichen. Jedes Jahr hatte es durch den Autoverkehr große Verluste gegeben, Anlass für den BUND, dem drohenden Erlöschen der Population entgegenzuwirken.
Meist ab Anfang März beginnen die Tiere ihren Laichzug. Auf ihrer nächtlichen Wanderung treffen sie auf die Zäune, die sie nicht überwinden können, wandern an ihnen entlang und werden so in Fangkisten gelenkt. Jeden Tag werden die Kisten morgens und abends kontrolliert, die Tiere gezählt und Richtung Laichgewässer gebracht.
Am Beginn der Rettungsaktion zählten wir etwa 600 Tiere, dieser Bestand blieb in den folgenden drei Jahren gleich. Dann gab es eine erste Erhöhung auf 900 Erdkröten. Da Krötenweibchen mit drei oder vier Jahren zum ersten Mal ablaichen, zeigt sich der Erfolg einer Schutzmaßnahme auch erst nach dieser Zeit. So erhöhte sich die Anzahl der Tiere beständig bis auf über 5000. Das heißt, der Lebensraum kann so viele Tiere ernähren, die viel geringere Erdkrötenanzahl 1992 ist allein auf den negativen menschlichen Einfluss zurück zu führen. Nachdem wir über etliche Jahre eine stabile Population hatten, schwankt die Zahl seit einigen Jahren stark und geht zurück. Bei Erdkröten kommen diese Bestandsschwankungen häufiger vor, insofern hoffen wir, dass es in Neureut keinen starken Rückgang der Tiere wie an vielen anderen Orten unserer Region gibt.
An der Rettungsaktion beteiligen sich viele Helfer, die einen praktischen Beitrag zum Naturschutz leisten wollen. Besonders freut es uns, dass jedes Jahr Schulklassen und Kindergartengruppen dabei sind.

Zahl der Erdkröten auf ihrer Laichwanderung am Rosenhof 1993 – 2020

  Gesamtzahl der Tiere Davon Weibchen
1992 495  
1993 660 259 = 43%
1994 569 255 = 45%
1995 630 169 = 27%
1996 952 275 = 29%
1997 1241 433 = 35%
1998 2048 701 = 34%
1999 2450 582 = 24%
2000 4305 1083 = 25%
2001 5425 2031 = 37%
2002 5531 1925 = 35%
2003 5360 1859 = 35%
2004 5085 1416 = 28%
2005 3146 831 = 26%
2006 5548 1695 = 31%
2007 5178 2051 = 40%
2008 4119 1328 = 32%
2009 3350 1112 = 33%
2010 3612 1062 = 29%
2011 6525 1768 = 27%
2012 2548 693 = 27%
2013 3133 766 = 24%
2014 2904 805 = 28%
2015 5221 1286 = 25%
2016 4206 1500 = 36%
2017 3807 1425 = 37%
2018 3446 1081 = 31%
2019 1991 579 = 29%
2020 1651 524 = 32%

Erdkrötenaktion am Schlossgarten

Die Laichwanderung in diesem Bereich betreut der BUND seit 2018. Das Aufstellen von Fangzäunen ist nicht möglich, da die Tiere aus dem nördlich gelegenen Wald, z.T. entlang der Allen, auf die Schlossgartenmauer zuwandern, um zum Schlossgartensee zu gelangen. Da es sich um eine sehr große Population handelt, sind zahlreiche Helfer notwendig, die bereit sind, ab Dämmerungsbeginn bei Wind und Wetter die Tiere aufzusammeln. Vor allem auf dem Ahaweg sind sie durch die vielen Radfahrer und auch Kfz gefährdet. Seit 2020 konzentrieren wir uns auf die Erdkrötenweibchen, da die Population einen sehr starken Männchenüberschuss hat.
Die dort ansässigen Stadtwerke, die Cantina Majolika und der KSC helfen mit und bitten ihre Besucher um Rücksicht während der Laichwanderung, das Umweltamt leistet Unterstützung sowie das Tiefbauamt, die die Gullys abdecken. Sehr engagiert ist die Schlossgartenverwaltung, so wurden Ausstiegshilfen aus dem See gebaut, da vor allem die winzigen Jungkröten das betonierte Ufer nicht einfach hochklettern können. Seit 2019 wird der Wasserspiegel des Sees deshalb angehoben. Ende Mai versammeln sich die winzigen dunklen Jungkröten in Scharen am Wasserrand, bevor sie ihr Dasein als Kaulquappe endgültig hinter sich lassen und als „Froschregen“ zu zigtausenden in wenigen Stunden das Wasser verlassen. Damit sie nicht massenhaft zertreten werden, leitet die Schlossgartenverwaltung die Besucher an besonders sensiblen Bereichen um und informiert entsprechend.
Unsere Aktion findet ein positives Interesse bei Radlern und Spaziergängern, mehrere Medien berichten darüber. 2020 besuchte uns eine Klasse der Waldschule, die Amphibien im Unterricht durchgenommen hatten und eifrig beim Sammeln halfen.
Insgesamt wurden während der vierwöchigen Wanderung knapp 1700 Weibchen, davon die meisten mit einem Männchen im Huckepack, in den Schlossgarten gebracht, mehrere tausend Männchen wurden an den Wegrand gesetzt.

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