Ortsverband Karlsruhe

Wasserrechtsantrag Aufwertung der Alb unterhalb des Thomaswehrs, km 11+516 -11+659

Insgesamt erscheinen uns die vorgeschlagenen Maßnahmen als geeignet, um die Alb unterhalb des Thomaswehrs ökologisch aufzuwerten. Im Einzelnen bitten wir die folgenden Hinweise im weiteren Verfahren zu berücksichtigen

Auffindbarkeit der Fischaufstiegsanlage

Idealerweise befindet sich ein Einstieg in eine Fischaufstiegsanlage (FAA) dort, wo sich Fische auf-grund eines Wanderhindernisses (Querbauwerk, Wehr, Sohlschwelle) ansammeln. Im vorliegenden Fall befindet sich die Tosbeckenendschwelle, welche als Wanderhindernis angesehen werden kann, einige Meter oberstrom vom Einstieg in die FAA. Dies bedeutet, dass Fische, welche am Einstieg vorbeischwimmen, so in eine Sackgasse geraten können und die FAA nicht bzw. zeitverzögert auffinden werden.

Um dennoch eine gute Auffindbarkeit zu gewährleisten, sollten höhere Fließgeschwindigkeiten am Einstieg der FAA vorherrschen als im Restgewässer, so dass im ganzen Bemessungszeitraum der FAA eine deutliche Leitströmung vorhanden ist. In den Unterlagen zum Schlitzpass ist hier eine plausible Lösung dargestellt. Die im vorliegenden Verfahren dargestellte raue Rampe mit 4 Riegel unterhalb des Einstiegs ändert diese Situation: der Einstieg wird um einige Meter weiter stromab verlegt und es ist zwingend sicherzustellen, dass die Auffindbarkeit auch weiterhin gewährleistet ist. Hier ist insbesondere auf die Strömungssituation am letzten Riegel zu achten, der den Einstieg in die FAA darstellt.

Wartung

Fischaufstiegsanlagen sind häufig von Verklausung durch Treibgut, Totholz oder ähnlichem Geschwemmsel betroffen. Bereits kleines Treibgut kann den Querschnitt von Schlitzen und Lücken in einer FAA so reduzieren, dass physische und hydraulische Barrieren entstehen, die die FAA für die Fischfauna unpassierbar machen. Damit die Funktion dauerhaft sichergestellt ist, sollte die FAA in regelmäßigen (kurzen) Abständen überprüft werden und anfallendes Treibgut entfernt werden. Ein entsprechendes Wartungskonzept sollte erstellt werden.

Freizeitnutzung

Wie an der gesamten Alb im städtischen Bereich besteht auch in diesem Abschnitt eine gewisse Konkurrenzsituation bei der Nutzung des Gewässers. Als Zielstellung der Maßnahmen wird die Schaffung einer Strukturvielfalt zur Verbesserung der gewässertypischen Lebensräume für Flora und Fauna angegeben. Die Strukturen werden aber auch intensiv zu Freizeitzwecken vom Menschen genutzt: die V-Buhnen bieten sich zum Sitzen an; die abgeflachten Böschungen mit Kiesflächen zum Spielen und als Zugang zum Baden in der Alb.

Aus ökologischer Sicht wäre es zu begrüßen, dass die neu geschaffenen Lebensräume von den Wegen nicht bzw. nur schwer zu erreichen sind, bspw. durch Barrieren wie dichte Bepflanzung, steile Böschungen etc. Ggf. gibt es bereits Erfahrungen an den weiter unterstrom liegenden Abschnitten der Alb, an denen ähnliche Maßnahmen umgesetzt wurden. Werden diese zusätzlich geschaffenen Lebensräume angenommen?

Einleitung von warmem Wasser durch die Stadtwerke

Albabwärts in geringer Entfernung vom Thomaswehr haben die Stadtwerke Karlsruhe die Erlaubnis bis zu fünfhunderttausend Kubikmeter warmen Kühlwassers pro Jahr in die Alb einzuleiten. Unser Antrag auf Einleitung in das Hafenbecken wurde beim Genehmigungsverfahren bei der Erteilung der gehobenen Erlaubnis abgelehnt. Auch wenn es sich hier um ein anderes Verfahren handelt, wollen wir das Thema an dieser Stelle noch einmal vorbringen. Wir sind der Auffassung, dass die Wasserqualität, Flora und Fauna durch die Einleitung warmen Kühlwassers beeinträchtigt werden, was im Hinblick auf die derzeit herrschenden und weiter zu erwartenden Hitzesommer mit geringem Wasserstand besonders kritisch zu bewerten ist.

Juli 2020

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