Woher stammt das LNG-Gas für das geplante Gaskraftwerk (RDK9) der EnBW am Rheinhafen?
Am 16. Juni 2026 wollten zwei Betroffene der LNG-Fracking-Gas Förderung aus Louisiana der ENBW einen Protestbrief (s. Anhang) im Rahmen einer informativen Mahnwache am Hauptsitz der EnBW übergeben. Wir, als Teil des Klimabündnisses, unterstützten diese Aktion.
Security allerdings verhinderte eine Übergabe des Briefes in der Eingangshalle und führte die kleine Delegation zum ca. 50 Meter entfernten Briefkasten.
Wir hatten in der Hauptversammlung der EnBW schon auf die Zustände in den USA LNG-Terminals hingewiesen, fragten, ob Kontakt zu AnwohnerInnen der LNG-Terminals in Louisiana bestanden und nach deren Meinung zu LNG-Produktion. Wir wurden mit „... im November 2025 besuchte eine Delegation der EnBW den LNG-Produzenten Venture Global in den USA. In diesem Zusammenhang fanden auch Gespräche mit lokalen Stakeholdern und AnwohnerInnen zu ökologischen und sozialen Aspekten statt. Die Aktivitäten von Venture Global werden von der Mehrheit der lokalen Stakeholder positiv bewertet.“ abgefertigt. Nachfragen waren in der Online-Hauptversammlung nicht möglich.
Um die Aktion der Betroffenen aus Louisiana besser einschätzen zu können, muss man sich die Vorgeschichte zu den neuen Lieferverträgen mit Katar und den USA über LNG-Gas ansehen.
Seit dem Angriffskrieg Russlands auf die Ukraine ab Februar 2022 hat sich die deutsche Energiepolitik grundlegend geändert. War einst Russland der wichtigste Lieferant für fossiles Erdgas, auch für die VNG Gasgesellschaft der EnBW, verlagert sich die Beschaffung seitdem zunehmend auf alternative Quellen. LNG spielt dabei eine Schlüsselrolle, denn es kann via Schiff von Orten importiert werden, die über keine Pipeline-Verbindung nach Deutschland verfügen. Hierfür wurden zum einen Importterminals in Rekordzeit hochgezogen, drei Terminals sind bereits in Betrieb. Möglich war dies im Wesentlichen durch das LNG-Beschleunigungsgesetz (LNGG), das LNG-Projekte zum Zwecke der schnelleren Realisierung von wichtigen Umweltprüfungspflichten ausnimmt und Beteiligungsrechte der Zivilgesellschaft aushebelt.
Seit 2022 wurden zahlreiche LNG-Lieferverträge geschlossen. Die USA sind dabei mit weitem Abstand der wichtigste LNG-Lieferant Deutschlands: Ca. 13,5 % der deutschen Gasimporte stammen aus US-amerikanischem LNG, was über 80 % der LNG-Importe entspricht. Das in den USA extrahierte fossile Gas wird zu einem Großteil durch Fracking gewonnen – einer besonders klima- und umweltschädlichen Praxis, die in Deutschland deswegen jedenfalls im Hinblick auf das sog. unkonventionelle Fracking verboten ist.
Die EnBW hat ihre 20 Jahre laufenden Verträge mit Venture Global, einer der wichtigsten Exporteure von US-LNG geschlossen. Der Konzern betreibt mehrere Exportterminals im Bundesstaat Louisiana. Venture Global ist der zweitgrößte LNG-Produzent der USA.
Obwohl Venture Global sein erstes Terminal erst seit 2022 betreibt, sind bereits eine große Menge an Schäden und Verstößen gegen Auflagen dokumentiert. Hier zwei Beispiele:
Es berichten Anwohner*innen seit Aufnahme des Terminalbetriebs des CP-Terminals von einer konstanten, oft tagelangen Nutzung der Fackelanlagen, die „überschüssiges” fossiles Gas verbrennen (englisch: „Flaring”). Damit verbunden sind nicht nur Luftverschmutzung durch CO2 -Emissionen und andere Gase, sondern auch Lärm- und Lichtbelästigung.
Ferner berichten Arbeiter*innen für das Plaquemines LNG Terminal von teils „höllischen” Arbeitsbedingungen. Das gigantische Projekt benötigt viele tausend LKW-Ladungen an Material. Diese LKW wirbeln Staub auf, der unter anderem Zementpartikel enthält, die die Lunge schädigen und Krebs verursachen können. Masken zum Schutz der Arbeiter*innen werden nach deren Angaben normalerweise nicht ausgeteilt.
Auf diese Zustände wollten die Vertreter der in den USA ansässigen Umweltgruppen und wir deutlich machen. Die EnBW hatte nicht den Mut, die direkt Betroffenen zu empfangen. Sie wurden vom Sicherheitspersonal nicht einmal zur Empfangshalle vorgelassen. Man ´begleitete´ sie zum Briefkasten. Wir schämten uns für die ´Feigheit´ der EnBW.
Und noch eines stellen wir Umweltgruppen mit Besorgnis für die Erreichung der bundesdeutschen Klimaziele fest. Energiepolitik ist das Fundament des Wohlstands. Sie entscheidet letztlich über die Versorgungssicherheit und Bezahlbarkeit von Strom und Wärme. Sie ist die Grundlage für das Erreichen einer nachhaltigen, fossilfreien und klimaschonenden Wirtschaft. Es wird derzeit keinerlei Kritik an der EnBW von den Medien zur Kenntnis genommen. Warum? Es wurde weder von den örtlichen Medien über die Kontroversen in der Hauptversammlung der EnBW 2026 berichtet, noch wurde die Briefübergabe der Anwohner der LNG-Terminals angekündigt, geschweige denn darüber berichtet.
HB Juni 2026