Ortsverband Karlsruhe
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Pressemitteilung zur Umfahrung Hagsfeld

26. Januar 2026

Teuer, Verkehrsentlastung fraglich sowie umweltschädlich: Die Umfahrung Hagsfeld löst das Problem nicht – BUND Karlsruhe schlägt schnell umsetzbare, smarte und kostengünstigere Maßnahmen zur Verkehrsberuhigung vor

Der Ortsverband Karlsruhe des Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) appelliert, in der Gemeinderatssitzung am 27.1.2026 keinen Baubeschluss für die Umfahrung Hagsfeld zu fassen.

Aus der Sicht des BUND zeigt das Verkehrsgutachten von Modus Consult aus dem Jahr 2023 klar, dass der geplante Straßenneubau zwar mehr als 20.000 Kraftfahrzeuge auf die Südumfahrung bringen würde, für die vom Kraftfahrzeugverkehr geplagten Menschen in der Schwetzinger Straße allerdings lediglich eine Reduktion von 3.000 Kraftfahrzeugen bewirkte. Eine hörbare Entlastung würde damit verfehlt.

Um eine merkliche Entlastung für die Menschen in Hagsfeld zu erzielen, wurde deshalb die Variante 1e entwickelt, die als „maßgeblicher Fall“ verfolgt werden soll. Sie sieht zusätzlich zum Straßenneubau die Sperrung des Herdwegs zwischen der Straße „An der Tagweide“ und „Am Storrenacker“ sowie des Bahnübergangs Herdweg für den Kfz-Verkehr vor. Nach Einschätzung des BUND ist allerdings davon auszugehen, dass diese Maßnahmen erfolgreich vor Gericht gekippt werden. Es verbliebe dann eine mindestes 132 Millionen teure und umweltschädliche Straße, welche das Ziel einer merklichen Entlastung von Hagsfeld verfehlt.

Der BUND Karlsruhe appelliert deshalb, keinen Baubeschluss für diese neue klimaschädliche, Kfz-Verkehr anziehende und wertvolle Freiflächen durchschneidende „Umfahrung Hagsfeld“ zu fassen. Stattdessen sollten umgehend smarte, kostengünstige und schnell umsetzbare Maßnahmen ergriffen werden, um die Situation für die Menschen in Hagsfeld zu verbessern:

  • Rückbau einzelner, weniger Parkierungsflächen im Nordteil der Schwetzinger Straße, die aktuell zu Rückstaus und Blockaden führen.
  • Einrichtung eines Verkehrsinformations- und -managementsystems mit einer flexibel gesteuerten Pförtnerampel, um die Verkehrsmenge zu drosseln und Kraftfahrzeuge um Hagsfeld herum zu leiten.

Zahlreiche Konzepte in anderen Städten belegen aus Sicht des BUND, wie wirksam solche Maßnahmen sind. Ein Beschluss für einen Verkehrsversuch zur Erprobung kostengünstiger, smarter Maßnahmen zur Entlastung von Hagsfeld sollte deshalb so schnell wie möglich gefasst werden, fordert der BUND die Gemeinderätinnen und Gemeinderäte auf.

Position BUND Karlsruhe zur Umfahrung Hagsfeld (PDF)

Fragen zu TOP 12 der Sitzung des Gemeinderats am 27.1.2026:

  • Wie bewertet die Verwaltung das Kosten – Nutzen – Verhältnis der aktuellen Planung?
  • Wofür sind die Folgekosten von 3.8 Mio. EUR vorgesehen? Sind die Folgekosten als jährliche Kosten zu verstehen?
  • Wie schätzt die Verwaltung das Risiko ein, dass beide vorgesehenen Straßensperrungen Brückenstraße und Bahnübergang Herdweg erfolgreich beklagt werden?
  • Falls es zu erfolgreichen Klagen kommt, wie schätzt die Verwaltung die Wirksamkeit der Umfahrung ohne diese Maßnahmen für die Bewohner ein?
  • Wurden alternative, kostengünstigere Varianten als eine zusätzliche Straße zur Verkehrsberuhigung in Hagsfeld betrachtet (z. B. Verkehrsmanagementsysteme)? Wenn ja, welche und mit welchem Ergebnis? Kann die Verwaltung die entsprechenden Unterlagen öffentlich zugänglich machen?
  • Was passiert mit der Planung, wenn im Haushalt keine Mittel für die Umsetzung zur Verfügung stehen? Gibt es für diesen nicht ganz unrealistischen Fall einen Plan B?
  • Die ungünstige Situation in Hagsfeld ist seit Jahren bekannt. Warum wurden bislang keine temporären Maßnahmen zur Verkehrsberuhigung ergriffen?
  • Auf welcher Grundlage basiert die Angabe, dass diese zusätzliche Straße bei der Bewertung der CO2-Relevanz “keine Auswirkungen auf den Klimaschutz” haben soll? Weshalb wurde die “graue Energie” nicht bewertet (bei der Verarbeitung von Beton wird erheblich CO2 in der Atmosphäre freigesetzt)?

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